Synodaler Weg

Die Kirche in Deutschland erfindet sich neu

Ist das authentische Lehramt Schnee von gestern? Keineswegs! Der Synodale Weg sorgt weiter für Desorientierung, meint EWTN-Programmdirektor Martin Rothweiler in einem Gastbeitrag.
3. Synodalversammlung des Synodalen Weges
Foto: Maximilian von Lachner | Beim Synodalen Weg haben wir es mit einem folgenreichen Paradigmenwechsel zu tun, meint Martin Rothweiler. Schon im Namen der Vernunft sei Skepsis geboten.

Mit seinen Beschlüssen in Frankfurt hat der Synodale Weg mit großer Mehrheit der deutschen Bischöfe unzweifelhaft klar gemacht: das Ziel ist eine systemische Veränderung der Kirche und die Verabschiedung von Teilen der kirchlichen Lehre.

"Zeichen der Zeit" als Treiber für den Wandel

Die „Zeichen der Zeit“ sowie der auf der „Wahrheit des Gewissens“ beruhende Glaubenssinn werden im grundlegenden Orientierungstext des Synodalen Wegs als eigene theologische Erkenntnisquellen gegenüber Schrift, Tradition und Lehramt hervorgehoben. Die Zeichen der Zeit und der Glaubenssinn sind die Treiber für den angestrebten Wandel. Die immer wieder angeführten neuen Erkenntnisse der Humanwissenschaften liefern dafür den notwendigen Treibstoff. Sie erhalten dabei im Gegensatz zum Lehramt einen eigenartig dogmatischen Rang – trotz der möglichen Halbwertzeiten ihrer Gültigkeit. Die humanwissenschaftliche Verharmlosung der Pädophilie in den 80er Jahren ist dafür ein trauriges Beispiel. Wir haben es mit einem folgenreichen Paradigmenwechsel zu tun. Schon im Namen der Vernunft ist Skepsis geboten.

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„Auch das authentische ordentliche Lehramt kann möglicherweise irren, wenn in Zweifel steht, ob es den Konsens aller im Glauben ausdrückt,“, heißt es im Orientierungstext. Zweifel am Konsens aller Gläubigen können demnach genügen, um die Lehre der Kirche zu verändern. Das öffnet Tür und Tor für jeden Wandel. Eine solche Sichtweise lässt jene Gläubigen unberücksichtigt, die uns von frühchristlicher Zeit bis heute den Glauben weitergegeben haben. Was ist etwa mit dem Glaubenssinn der Apostel? Schnee von gestern? Der Orientierungstext wird hier zum Desorientierungstext, der nicht wenige in der Kirche verstört und mit ihrem Glauben alleine lässt.

Die Zeichen der Zeit weisen in Richtung Reformation 2.0. Die Kirche in Deutschland erfindet sich neu. Gut, dass es da Weckrufe gibt wie von der Initiative „Neuer Anfang“ für eine echte Reform.

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