Synodale Zitate

Eine neue Sexualmoral

Synodalforum IV „Leben in gelingenden Beziehungen – Grundlinien einer erneuerten Sexualethik“.
Vierte Synodalversammlung des Synodalen Weges - Tag 1
Foto: Maximilian von Lachner (Synodaler Weg / Maximilian von L) | Alles dreht sich um das Thema „Homosexualität“, – nicht um das berechtigte Anliegen eines neuen pastoralen Umgangs mit Betroffenen.

Die Laieninitiative "Neuer Anfang" hat, wie sie auf ihrer Webseite mitteilt, als katholische Initiative beschlossen, Licht ins Dunkel der zahllosen Grundsatz- und Handlungstexte zu bringen. Nicht jeder, so die Initiative, habe die Zeit, geschweige denn die fachliche Expertise, um sich durch das Material zu arbeiten. Deswegen habe man Vorarbeit geleistet für alle Interessierten. Sowohl für den Orientierungstext als auch für alle vier Foren des Synodalen Weges liegen jeweils eine Zusammenstellung der wichtigsten Themen und Zitate vor.

Die Initiative hat diese Texte auch gleich in mehrere Sprachen übersetzt. (Englisch, Spanisch und Italienisch.)

Texte sprechen für sich

"Wir lassen die Texte für sich selbst sprechen", betont die Initiative auf ihrer Webseite,  das bringe mehr Klarheit und Transparenz als die medialen Interpretationen, die zahlreich kursieren und verbreitet würden. Ferner werden die Texte knapp eingeordnet. Dies sei auf dem Hintergrund der heute gültigen Lehre der Kirche geschehen.

"Lesen Sie einfach selbst nach, was auf dem deutschen Synodalen Weg wirklich beschlossen wird!", ruft die Initiative auf. Die Tagespost dokumentiert die fünf Dokumente sowohl online als auch in einer Beilage zur Printausgabe am 10. November 2022 in voller Länge. Hier im Portal sind die Dokumente mit Links zum Neuen Anfang und mit Links zu dem Originaldokumenten des "Synodalen Weges" versehen. 

 


(Grundtext in zweiter Lesung zur Synodalversammlung vom 8. bis 10. September 2022, beschlossen mit 159-Stimmen, Nein: 33, Enthaltung: 4. Da mehr als ein Drittel der Bischöfe mit Nein stimmten, gilt der Test als durchgefallen.)


Alles dreht sich um das Thema „Homosexualität“, – nicht um das berechtigte Anliegen eines neuen pastoralen Umgangs mit Betroffenen. Die faktische Unordnung in der Welt der Geschlechter (Röm 1) soll durch Interpretation zu einem Teil der göttlichen Ordnung umfirmiert werden. Hierbei wird die Tatsache der selten vorkommenden Inter- und Transsexualität als Trittbrett benutzt, die Vielfalt „sexueller Orientierungen“ gendertheoretisch als geschaffene Geschlechtsidentitäten zu begreifen. 

Die Vorgabe, „dass der Schöpfer die Menschen am Anfang als Mann und Frau geschaffen hat“ (Mt 19,4) wird unterlaufen; „nichtbinäre“ Geschlechter als „sexuelle Normvarianten“ und „gute Schöpfungsgabe Gottes“ sollen moraltheologisch etabliert werden: Da Gott Menschen so geschaffen habe, sei ihre sexuelle Identität und Orientierung in sich gut und müsse/dürfe ausgelebt werden. 

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Man bestreitet den unbedingten Zusammenhang von Monotheismus und Monogamie: Der authentische Ort sexueller Vereinigung ist nicht nur die lebenslängliche Ehe von Mann und Frau; legitimen Sex soll es zu vielfältigen Gelegenheiten geben. Dazu wird die einmütige Ablehnung von Schrift und Tradition ignoriert, uminterpretiert, als „Diskriminierung“ deklariert und sogar für den sexuellen Missbrauch in der Kirche verantwortlich gemacht. Fallen soll das prinzipielle, durch Barmherzigkeit moderierte „Nein“ der Kirche zur Vielfalt vor-, außer-, neben-, nachehelichen und autosexuellen Selbstverwirklichungen. 

In einer die Gebote entkräftenden Individualethik soll „Moral“ vornehmlich noch darin bestehen, dass man bei Sex auf gewaltfreie Übereinkunft, Symmetrie und „Liebe“ achtet. Begründet wird der Schulterschluss mit den Zielen der allgemeinen sexuellen Revolution durch angebliche humanwissenschaftliche Erkenntnisse, die nicht vorgelegt werden und die – wo sie vorgelegt werden – hypothetisch oder falsch, jedenfalls nicht Wissenschaftskonsens sind.

Synodale Zitate
Foto: Neuer Anfang | Die Laieninitiative "Neuer Anfang" hat die Synodaltexte ausgewertet und aussagekräftige Zitate ausgewählt.

Zitate aus dem Originaltext

(Präambel): „Wir sehen heute, dass kirchliche Sexualethik auch Verbrechen der sexualisierten Gewalt in der Kirche begünstigt hat.“

(Präambel): „Wir verpflichten uns, jede*r in ihrer* seiner Verantwortung, unter Beachtung der Erkenntnisse der Humanwissenschaften und in Verwirklichung der Botschaft Jesu von der Liebe Gottes zu allen Menschen für eine Veränderung der Lehre und der Praxis der Kirche im Umgang mit menschlicher Sexualität Sorge zu tragen. ... Insbesondere die Lehre, die den Geschlechtsverkehr nur im Rahmen einer rechtmäßigen Ehe und nur in der ständigen Offenheit zur Zeugung von Nachkommen für ethisch legitim erachtet, hat zu einem weitgehenden Bruch zwischen Lehramt und Gläubigen geführt.“

(B.7.2.): „Selbststimulierende Sexualität ist keine Form reiner Selbstverliebtheit, sondern eine weitere wichtige Form menschlicher Sexualität neben zwischenmenschlichen Beziehungen.“

(B.8.9.): „Segenshandlungen für gleichgeschlechtliche Paare sind in der Kirche umstritten. Deshalb können und müssen für andere Lebensformen als die Ehe – trotz der abschlägigen Beurteilung der Glaubenskongregation vom 15. März 2021 – eigenständige Rituale und Segenshandlungen gefunden werden.“

(B.8.5): „Mit der zweiten Zivilehe beginnt für die betroffenen Personen ein neuer Bund fürs Leben.“

(A.1.): „...dass „Homosexualität (…) kein Risikofaktor für sexuellen Missbrauch [ist] und belegt somit die Notwendigkeit einer Veränderung der kirchlichen Lehre in Bezug auf Partner*innenschaft und Sexualität.“

(A.2.1.): „Zu viele gläubige Menschen ... empfinden ... einen nicht mehr zu überbrückenden Abstand zwischen den Deutungen und Normierungen der kirchlichen Sexuallehre einerseits und ihren eigenen sexuellen Erfahrungen andererseits. Auch sie erleben, wie der christliche Glaube froh- und freimachende Beziehungen ermöglicht – selbst in Konstellationen, die das Lehramt derzeit noch als illegitim bezeichnet ...“

(A.2.3.): „Es entspricht dem Lebensgefühl und dem Selbstanspruch von Menschen sowie ihrem Recht, heute eigenverantwortlich ihr Leben zu führen. Sie wissen sich damit in Übereinstimmung mit der biblischen Tradition wie der kirchlichen Lehre, die beide die hohe Bedeutung selbstbestimmter wie selbstverantworteter Lebensführung unterstreichen ... Das umfasst auch die Selbstbestimmung im Bereich seiner Sexualität.“

(A.2.5.): „Die kirchliche Sexualmoral wird in der Wahrnehmung vieler Gläubiger als Instrument eingesetzt, um subtile oder offensichtliche Macht über die Lebensführung von Menschen ausüben zu können...“

(B.1.5. Grundlinie 1): „Zur Würde gehört das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung ... wie die Achtung der sexuellen Identität – unabhängig des Alters oder der jeweiligen sexuellen Orientierung.“

(B.2.2.): „Was gewöhnlich als biologische Geschlechtszugehörigkeit bezeichnet wird, die „auf den ersten Blick“ üblicherweise anhand der äußeren Geschlechtsmerkmale eines Menschen als „weiblich“ oder „männlich“ festgemacht wird, verdankt sich ihrerseits eines komplexen Prozesses, in dem schon genetische wie epigenetische Faktoren zusammenwirken und gleichsam aus sich heraus Varianten des biologisch Geschlechtlichen ergeben. Damit legen sie die Grundlage für einen Facettenreichtum der biopsychosozialen Geschlechtsidentität, deren mögliches Spektrum über die Deutungsvarianten „männlich“ und „weiblich“ sprengt. ... Als Kirche haben wir das individuelle Selbstverständnis der geschlechtlichen Identität jedes Menschen als unantastbaren Teil seiner je einzigartigen Gottesebenbildlichkeit (Jes 43,7) zu respektieren.“

(B.2.3.): „Die Anerkennung der Gleichwertigkeit und Legitimität nicht-heterosexueller Orientierungen, deren Praktiken und Beziehung, ... die Beseitigung von Diskriminierung, die auf sexueller Orientierung basiert, ist dringend geboten. ... 
So besehen ist es nicht nur normal, verschieden zu sein, sondern auch verschieden, normal zu sein.“

(B.4.5.): „Humanae vitae (1968)... Abwertung, ja sogar Delegitimierung aller Geschlechtsakte, die aus sich heraus keine Kinder zeugen können. Das betrifft nicht nur die Sexualität zwischen homosexuell lebenden Personen. Es betrifft auch Menschen mit (körperlichen) Beeinträchtigungen oder alle Ehepaare, deren Lebensalter längst die Grenze ihrer biologischen Fertilität überschritten haben.“

Link zum Original-Dokument:

https://www.synodalerweg.de/fileadmin/Synodalerweg/Dokumente_Reden_Beitraege/SV-IV/SV-IV_Synodalforum-IV-Grundtext-Lesung2.pdf

 

 

Forum IV 
Handlungstext: „Lehramtliche Neubewertung von Homosexualität“ 

(Beschlossen am 9. September 2022, Ja: 170 Stimmen, Nein: 14, Enthaltungen: 9)

Zitate aus dem Originaltext

(24-26): „Zu jeder menschlichen Person gehört untrennbar ihre sexuelle Orientierung. Sie ist nicht selbst ausgesucht und sie ist nicht veränderbar. ... Da die homosexuelle Orientierung zum Menschen gehört, wie er*sie von Gott geschaffen wurde, ist sie ethisch nicht anders zu beurteilen als die heterosexuelle Orientierung.“

(34-42): „Verantwortete genitale Sexualität in Beziehungen zu einer anderen Person orientiert sich an der Achtung der Würde und der Selbstbestimmung, der Liebe und der Treue, der Verantwortung füreinander sowie den je spezifischen Dimensionen von Fruchtbarkeit. Sie vollzieht sich in Beziehungen, die auf Ausschließlichkeit und auf Dauer angelegt sind. Gleichgeschlechtliche - auch in sexuellen Akten verwirklichte - Sexualität ist damit keine Sünde, die von Gott trennt, und sie ist nicht als in sich schlecht zu beurteilen. Sie ist vielmehr an der Verwirklichung der genannten Werte zu messen.“

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(84-92): „Stand der Humanwissenschaften ist: Bei Homosexualität und Bisexualität handelt es sich weder um Krankheiten oder Störungen noch um etwas, was man sich aussuchen kann. Vielmehr stellen sie natürliche Minderheitsvarianten sexueller Präferenzstrukturen von Menschen dar. Diese sexuellen Präferenzen ... sind ... nicht veränderbar. ... Homosexualität ... ist eine Normvariante und keine „Minus-Variante“ (Grundtext A 2.3). Sie gehört als Normalfall zu Gottes guter Schöpfung.“

(128-133): „Die aus der bisherigen Sexuallehre der Kirche entstandene ... Angstbesetztheit des Themas ... im Allgemeinen und Homosexualität im Speziellen sind systemische Ursachen der Missbrauchsverbrechen in der Kirche, da in vielen Fällen dadurch die Entwicklung einer reifen Sexualität behindert oder verhindert wird. U.a. wirkt sich dabei hinderlich aus, dass Homosexualität bisher als Weihehindernis gilt.“

Link zum Originaldokument:

https://www.synodalerweg.de/fileadmin/Synodalerweg/Dokumente_Reden_Beitraege/SV-IV/T9NEU_SVIV_13_Synodalforum-IV-Handlungstext_LehramtlicheNeubewertungVonHomosexualitaet-2.Lesung.pdf

Forum IV 
Handlungstext „Grundordnung des kirchlichen Dienstes“

(Beschlossen 9. September 2022, Ja: 175, Nein: 8, Enthaltung: 13)

Zitate aus dem Originaltext

(65-69): „Es ist in die Grundordnung eine Nichtdiskriminierungsklausel einzufügen, die es kirchlichen Arbeitgebern verbietet, eine Person aufgrund ihrer geschlechtlichen Identität oder ihrer persönlichen Lebensform nicht einzustellen oder einer kirchlichen Mitarbeiterin oder einem kirchlichen Mitarbeiter aus diesen Gründen zu kündigen.“

(151-158): „Auch diese Synodalversammlung bewertet Wiederheirat, Inter- und Transsexualität, Homosexualität und entsprechend gleichgeschlechtliche Partnerschaft anders als bisherige amtliche Texte der Kirche (Grundtext B.2.2-5, B.5.1-5, B.8.5-7). Dieser Sichtweise folgend ist die Anpassung der Grundordnung sowie der Praktiken bei der Erteilung der Missio canonica und des Nihil obstat eine notwendige Konsequenz, die keinen weiteren Aufschub duldet.“

Link zum Originaldokument:

https://www.synodalerweg.de/fileadmin/Synodalerweg/Dokumente_Reden_Beitraege/SV-IV/T8NEU_SVIV_12_Synodalforum-IV-Handlungstext_GrundordnungDesKirchlichenDienstes-2.Lesung.pdf

Forum IV 
Handlungstext „Umgang mit geschlechtlicher Vielfalt“

(Erste Lesung, beschlossen am10. September 2022, Ja: 155, Nein: 9, Enthaltung: 12)

Zitate aus dem Originaltext

(Einführung): „Unter Rückgriff auf die biblischen Schöpfungserzählungen und mit dem Vorwurf der „Gender-Ideologie“ werden intergeschlechtliche und transgeschlechtliche (aber auch homosexuelle) Menschen vermehrt ausgegrenzt, pathologisiert und verächtlich gemacht. Das ... Lehramt kennt nur die ausschließliche Zweigeschlechtlichkeit in Form von Mann und Frau, die an körperlichen Kriterien festgemacht wird. Dabei verkennt bzw. missachtet das Lehramt weitestgehend Erkenntnisse aus Psychologie, Medizin und Anthropologie, nach denen Geschlecht auch nicht-binäre Varianten kennt ...“

(Antrag 2.1.): „Die normative naturrechtliche Geschlechteranthropologie und ihre Legitimation durch Rekurs auf biblische Schöpfungstexte bedarf der Überprüfung mit den Erkenntnissen moderner Bibelwissenschaft und Theologie.“

(Antrag 2.2.): „Katholische Institutionen, verantwortliche Personen der Kirche und katholische Politiker*innen dürfen nicht weiter unsere trans- und intergeschlechtlichen (aber auch homo- und bisexuellen) Geschwister im Glauben verächtlich machen, vor allem unter dem pauschalen Vorwurf der „Gender-Ideologie“ oder der „LSBTIQ Agenda“. Auf diese Weise werden bisher Feindbilder geschaffen und geschürt, die in manchen Fällen sogar mit Menschenrechtsverletzungen ... einhergehen.“

Link zum Original-Dokument:

https://www.synodalerweg.de/fileadmin/Synodalerweg/Dokumente_Reden_Beitraege/SV-IV/SV_IV_-_Synodalforum_IV_-_Handlungstext.UmgangMitGeschlechtlicherVielfalt_-_Lesung1.pdf

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