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Am modernen Pranger

Die Voten zu den Handlungstexten konterkarieren einige Gemeinplätze der kirchlichen Debatten. Die namentliche Abstimmung verfehlte ihre einschüchternde Wirkung aber nicht.
Erzbischof  Woelki im Gespräch bei der 4. Synodalversammlung
Foto: Maximilian von Lachner (Synodaler Weg / Maximilian von L)

Drei der 62 bischöflichen Teilnehmer der vierten Synodalversammlung haben am Freitag konsequent für die geltende Lehre und ihre Anwendung in der kirchlichen Disziplin gestimmt. Bischof Rudolf Voderholzer (Regensburg), Weihbischof Dominikus Schwaderlapp (Köln) und Weihbischof Florian Wörner (Augsburg) votierten gegen die Öffnung des Weiheamtes für Frauen, für die geltende Lehre zur Homosexualität und gegen Bestrebungen, die Grundordnung des kirchlichen Dienstes so zu ändern, das die Lebensführung hauptamtlicher Mitarbeiter weitgehend von den Maßgaben des Katechismus entkoppelt wird.

Kaum ein Hirte steht vorbehaltlos für die katholische Lehre ein

Den Voten zufolge steht in der Mehrheit der deutschen Diözesen derzeit kein Hirte – weder Ordinarius noch Weihbischof – vorbehaltlos für die geltende katholische Doktrin ein. Deutlich gespalten sind die deutschen Kardinäle: Marx vertritt die Mehrheit der Synodalversammlung, Woelki steht für die Minderheit, die an der Lehre der Kirche zum sakramentalen Weiheamt und zur Homosexualität festhalten wollen. In der Frage der Änderung der Grundordnung des kirchlichen Dienstes enthielt er sich.

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Die Ankündigung in der Synodalversammlung, dass die Abstimmungsergebnisse namentlich veröffentlicht würden, verfehlte ihre einschüchternde Wirkung nicht. Die Aussicht, am medialen Pranger zu landen, ließ die Bereitschaft, sich gegen die Mehrheit zu stellen, im Saal quasi im Stundentakt sinken.

Die Voten konterkarieren dennoch einige Gemeinplätze der kirchlichen Debatten in Deutschland. Mit bemerkenswerter Geschlossenheit präsentierten sich die Kölner Bischöfe. Auch wenn die Voten von Kardinal Woelki und jene seiner drei Weihbischöfe teilweise voneinander abwichen, widerlegen sie die gebetsmühlenartige Unterstellung der angeblich tief gespaltenen Diözese. Zu keiner Zeit ließen die Weihbischöfe den Kardinal im Regen stehen – das galt übrigens auch für die Diskussionen im Plenum.

Entwarnungssignale in die Kritiker der alten Messe

Die Synodalversammlung sendet auch Entwarnungssignale an die Kritiker der alten Messe. Die Voten zeigen, dass Augsburgs Bischof Bertram Meier, der in diesem Jahr Seminaristen der Petrusbruderschaft im überlieferten Ritus weihte, nicht den Traditionalisten zuzurechnen ist und sich in der Frauenfrage der Mehrheit anschloss.

Wie das Wahlergebnis der Mehrheit mit dem bischöflichen Weiheversprechen in Einklang zu bringen ist, war Gegenstand wortreicher Erklärungen. Keine einzige überzeugte.

Lesen Sie ausführliche Hintergründe, Berichte und Analysen zur vierten Synodalversammlung in der kommenden Ausgabe der "Tagespost".

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