München

Marx: Was Benedikt wirklich wusste, muss er selbst sagen

Er wolle den emeritierten Papst weder schützen noch ihm schaden, so der Münchner Kardinal im Gespräch mit der „Süddeutschen Zeitung“. Und er hofft, dass Benedikt sich umfassend äußere.
Münchner Missbrauchsgutachten - Pressekonferenz Marx
Foto: Sven Hoppe (dpa-Pool) | Der Forderung, Benedikt müsse sich für seine Haltung zum Thema Missbrauch entschuldigen, schloss sich der Münchner Erzbischof nicht an.

Der Münchner Kardinal und Erzbischof Reinhard Marx hat die Behauptung zurückgewiesen, er wolle den emeritierten Papst Benedikt XVI. in der Diskussion um dessen mögliches Fehlverhalten im Umgang mit Fällen sexuellen Missbrauchs schützen. 

Gegenüber den Verfassern des Münchner Missbrauchsgutachtens hatte der Kardinal erklärt, nach seinem Kenntnisstand aus dem Jahr 2010 sei Joseph Ratzinger, damals Erzbischof von München und Freising, 1980 bei einer Ordinariatssitzung nicht anwesend gewesen, in der über die Unterbringung des Missbrauchspriesters H. in München entschieden wurde. Im Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“ erklärte Marx nun: „Weder damals noch heute wollten und wollen wir ihn weder in falscher Weise schützen noch ihm schaden.“ 

Marx: Hier wird die Wahrheit nicht verbogen

Weiter betonte Marx, er habe immer gesagt, „hier wird die Wahrheit nicht verbogen, das machen wir nicht“. Wer im Einzelnen wie intensiv die Akten studiert habe, zu denen auch das Sitzungsprotokoll gehört, das Ratzingers Anwesenheit belegt, wisse er nicht. „Mein Kenntnisstand 2010 war so.“ Er selbst, so Marx, habe die Protokolle nicht studiert – ihm sei von seinem Generalvikar kommuniziert worden, dass Benedikt nicht an der Sitzung teilgenommen habe. „Ich habe ja nicht persönlich recherchiert und die Akten kommen lassen“, so der 68-Jährige.

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Auf die Frage, wie er die später korrigierte Aussage des emeritierten Papstes bewerte, bei der Ordinariatssitzung nicht anwesend gewesen zu sein, antwortete Marx: „Offensichtlich ist das nicht gut gelaufen. Bei entsprechender Akteneinsicht wäre das wohl erkennbar gewesen.“

Zum Verhalten des emeritierten Papstes im Zuge der gegen ihn gerichteten Vorwürfe erklärte Marx: „Was Papst Benedikt wirklich über den Priester wusste, muss er selber sagen, das kann ich nicht. Der Fall des Priesters H. ist ja wohl nicht nur in dieser Sitzung behandelt worden.“ Der Forderung, Benedikt müsse sich für seine Haltung zum Thema Missbrauch entschuldigen, schloss sich der Münchner Erzbischof nicht an. Er wolle nicht „über die Medien eine Forderung stellen, sondern eine Hoffnung äußern. Dass er sich, so wie angekündigt, umfassend äußert. Und dass die Erklärung auch ein gutes Wort der Anteilnahme mit den Betroffenen enthält und berücksichtigt, was die Erwartungen sind, die jetzt da sind“.

Marx: Verhältnis zu Benedikt "eigentlich immer gut"

Auch wenn er mit dem Emeritus nicht immer einer Meinung gewesen sei, sei sein Verhältnis zu ihm „eigentlich immer gut“ gewesen, so Marx weiter. Über das Thema Missbrauch habe er mit Benedikt zum ersten Mal 2010 gesprochen. In jenem Jahr habe er „beim Mittagessen“ zu Benedikt gesagt: „Du und ich, wir beide wissen, wenn da nichts ist, dann verläuft sich das. Aber wir wissen, dass zu viel da ist. Deswegen wird sich das nicht verlaufen, und wir werden das anpacken müssen.“  DT/mlu

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