Erzbistum Köln

Aufschrei der Betroffenen in Köln

Kölner Betroffenenbeirat tadelt „Medienspektakel“. Betroffene fühlen sich durch Stimmungsmache erneut missbraucht. Beirat hat primär die Opfer im Blick.
Betroffenenbeirat
Foto: Oliver Berg (dpa) | Peter Bringmann-Henselder, Mitglied im Betroffenenbeirat für sexualisierte Gewalt im Erzbistum Köln, kritisiert die Stimmungsmache im Erzbistum Köln.

DerBetroffenenbeirat des Erzbistums Köln hat die kirchenpolitische Instrumentalisierung der Aufarbeitung der Missbrauchskrise im Erzbistum getadelt. Unter der Überschrift „Es reicht!“ kritisiert der Beirat in einer heute veröffentlichten Stellungnahme „Stimmungsmacherei“: Das seit vielen Monaten dauernde „Medienspektakel belastet uns immer stärker persönlich, weil wir selbst als Jungen und Mädchen verschieden starke Missbrauchsformen durchgemacht haben.“ Es verletzt Betroffene zunehmend, dass Missbrauch fast ausschließlich nur als „Aufhänger“ für kirchenpolitische Kritik genutzt werde.

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Betroffene im Vordergrund

Die Mitglieder unterstreichen, dass sie lange geschwiegen hätten, um ausschließlich der Sache der Betroffenen zu dienen. Man wolle die begonnene Arbeit fortsetzen, für aktuelle Fragen da sein und der Situation Betroffener eine Stimme geben. Aus Sicht der Betroffenenbeirats ist eine Grenze überschritten worden: „Für uns ist dieses monatelange lautstarke Medienspektakel immer unerträglicher geworden -ein erneuter Missbrauch unseres erfahrenen Leids. Was wir ein weiteres Mal durchmachen, können wohl nur diejenigen nachempfinden, die sexuellen Missbrauch selbst erfahren haben. Es reißt Wunden auf. Und das tut weh.“

Schlechter Stil

Im Erzbistum Köln ist in den vergangenen Tagen die Debatte um professionelle Medienberatung der Bistumsleitung im Zug der Aufarbeitung von Missbrauchsfällen erneut in Fahrt gekommen und hat zahlreiche Kritiker des Kölner Erzbischofs Kardinal Rainer Woelki auf den Plan gerufen. In diesem Zusammenhang war die Behauptung geäußert worden, das Erzbistum habe den Betroffenenbeirat instrumentalisiert.

Ausdrücklich wendet sich der Betroffenenbeirat gegen den Stil der Debatte. Kritik sollte „sachlich korrekt ausgesprochen“ werden „und nicht auf unsere Kosten geschehen“, heißt es in der Stellungnahme. Der Vorwurf, der Betroffenenbeirat sei im Zusammenhang mit der Erstellung des Gutachtens instrumentalisiert worden, triffe die Betroffenen hart. Wörtlich unterstreicht der Betroffenenbeirat: „Das Gegenteil ist der Fall.Tatsache ist, dass wir unsere Ideen zur Erstellung des Gutachtens vortragen konnten. Ein bis dato einmaliger Vorgang in einem deutschen Bistum.“

Abstoßend

Die Kritik des Betroffenenbeirats richtet sich auch gegen haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter des Erzbistums – genannt werden Kreisdechanten, Diözesanratsvorsitzende und Vertreterinnen von Maria 2.0, die keinen direkten Kontakt zum Betroffenenbeirat gesucht hätten. „Warum werden wir nicht zu unserem Engagement seit dem neuen Gutachten 2021 gefragt? Stattdessen wirft man uns vor, dass wir uns von verschiedenen Seiten instrumentalisieren lassen.“ Man stelle aufgrund der Rückmeldungen fest, dass sich immer mehr Menschen durch die seit Monaten erlebte einseitige Art der öffentlichen Selbstdarstellung abgestoßen fühlten. DT/reg

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