Der Name Johannes Zehe ist in der Öffentlichkeit bislang kaum aufgetaucht. Vielleicht kennt man ihn im Norden, wo er als Priester tätig war, aber nicht aus der öffentlichen Debatte um heiße Eisen wie Zölibat oder Frauenpriestertum. Mancher kennt ihn allenfalls als Orchestermusiker, mit der Geige im Gepäck. Doch dieser Mann wird nun Weihbischof im Erzbistum Hamburg: Am 10. Oktober weiht ihn Erzbischof Stefan Heße im St.-Marien-Dom zum Bischof.
Bekannt gegeben hat Papst Leo XIV. die Ernennung bereits am 24. Juni, dem Hochfest der Geburt Johannes des Täufers, das zugleich Zehes Namenstag ist. Davon erfuhr er auf dem üblichen Weg über die Nuntiatur in Berlin, ahnte zunächst jedoch nicht, was dahintersteckte, wie er im Hamburger Podcast „Zeiten des Aufatmens“ kürzlich erzählte. Wenn man einen Anruf von der Nuntiatur bekomme, zucke man „dann schon mal zusammen“. Man fragte ihn, ob er am nächsten Tag nach Berlin kommen könne. Das verneinte Zehe, schließlich stehe eine Beerdigung an. „Ist es denn was Dringendes?“, fragte er den Mitarbeiter am anderen Ende der Leitung. Der beantwortete die Frage nach der Dringlichkeit mit einem Besuch in Hamburg am folgenden Tag und überbrachte die Nachricht von der Ernennung zum Weihbischof. Damit hatte Zehe „nicht gerechnet“.
Die wichtigste Frage laute: „Warum bin ich Christ?"
Seine Haltung zu den Streitfragen des Synodalen Wegs ist öffentlich nicht erkennbar. Auch im Interview mit „katholisch.de“, das heute erschienen ist, kam das Thema nicht vor. Zu den strukturellen Veränderungen im Erzbistum, Stichwort „SeSam – Sendung und Sammlung“, stellte er jedoch klar, dass die wichtigste Frage laute: „Warum bin ich Christ? Wozu bin ich berufen, als Christ in dieser Welt zu leben und zu handeln?“ Hinter allen strukturellen Fragen stehe eine grundlegendere: „Warum? Was möchte ich bewirken?“ Es müsse darum gehen, „den eigenen Glauben zu leben, zu stärken und aus dem Glauben heraus zu handeln“.
Zehe tritt sein Amt in einer unruhigen Zeit an. Im Erzbistum streiten Eltern und Bistumsleitung über das Rahmenkonzept für sexuelle Bildung an den katholischen Schulen. Ein Elternnetzwerk fordert die Rücknahme, ein vatikanisches Dikasterium hat den Eltern geantwortet und auf das Dokument „Als Mann und Frau schuf er sie“ verwiesen. Das Erzbistum nennt das Konzept „zeitgemäß, werteorientiert und wissenschaftlich fundiert“ und hält daran fest. Zehe selbst hat sich dazu bislang nicht öffentlich geäußert.
Erst Violonist, dann Priester
Interessant ist an Zehe vor allem seine Vergangenheit. Geboren 1963 in Neustrelitz in Mecklenburg, in der damaligen DDR, studierte er in Berlin Musik und arbeitete als Geigenlehrer, wobei er versuchte, Kindern „mit mehr oder weniger Erfolg“ das Geigenspielen beizubringen. Außerdem spielte er im Philharmonischen Orchester des Theaters Stralsund. Schließlich wurde er Priester.
Das war keine spontane Entscheidung. Schon mit sechzehn Jahren fragte er sich, ob er zum Priester berufen sein könnte. Der Gedanke kam ihm bei einer Messe, in der ein neuer Priester eingeführt wurde und bei der er als Ministrant diente. „Das wäre doch das, was du machen könntest“, habe er sich nach eigenen Worten gesagt. Zwar habe er diesen Gedanken immer wieder weggeschoben, er „tauchte aber immer wieder auf“. Nach elf Jahren Ringens entschied er sich, loszugehen und die Sache zu prüfen.
Aus dieser Erfahrung heraus ist er überzeugt, dass man seine Berufung im Gehen finde. „Wenn es einen so lange beschäftigt, sollte man es ausprobieren und die Erfahrung machen: Ist es das oder nicht?“, erklärte er im Podcast. Das Wort Berufung verstehe er dabei nicht als Befehl von oben, sondern als Einladung, auf die man in Freiheit antworten dürfe. Grundsätzlich sei es wichtig, sich Offenheit zu bewahren und zu beten: „Herr, hilf mir, meinen Weg zu finden.“ Gott dürfe man dabei aber nicht einengen, indem man ihm vorschreibe, was er für einen tun solle.
Rollen solle man nicht vermischen
Nach dem Theologiestudium in Magdeburg, München und Erfurt wurde Zehe am 15. Mai 1999 in Hamburg zum Priester geweiht. Er war Pfarrvikar in Ahrensburg, Bargteheide und Neubrandenburg, Leiter der Jugendpastoral, Pfarrer und Dekan in Neubrandenburg, Pastor in Lübeck und ist seit 2023 Regens für die Priesterausbildung. Zuletzt war er zudem Pfarradministrator der Pfarrei Heilige Elisabeth im Südosten Hamburgs und im angrenzenden Schleswig-Holstein. Seine musikalische Begeisterung brachte er in Big-Band-Projekte ein, die Gottesdienste musikalisch gestalteten, und er leitete Singrunden mit Jugendlichen. Die Geige im Gottesdienst auszupacken, hat er allerdings nicht unbedingt vor: Rollen solle man nicht vermischen, und wenn der Geige spielende Pfarrer am Altar im Mittelpunkt stünde statt Jesus Christus, fände er das „problematisch“.
Als Weihbischof folgt Zehe auf Horst Eberlein, der im Oktober 2025 in den Ruhestand ging. Er wird Erzbischof Heße in der Leitung des flächengrößten deutschen Bistums mit rund 330.000 Katholiken in Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg unterstützen. Regens bleibt er. In dieser Aufgabe beschäftigt ihn vor allem, dass es weniger Kandidaten gibt als früher. Er will Interessenten auf den Priesterberuf aufmerksam machen und diejenigen ermutigen, die sich berufen fühlen. Für ihn steht fest: Er will ein Weihbischof sein, „der zuhört und seelsorglich wirkt“. Er beschreibt sich als „eher der Zuhörende, der Begleitende, der Beratende“. Er freue sich auf die neue Aufgabe, am meisten auf die Begegnungen in den Gemeinden. Die Ernennung sei ein „großes Geschenk“.
Die Messe mit Bischofsweihe aus dem Hamburger Marien-Dom findet am am Samstag um 10.15 Uhr statt und wird live übertragen. Weitere Infos: https://erzbistum-hamburg.de/Erzbischof-weiht-Johannes-Zehe-zum-Bischof-5827#scrollup
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