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Die Königsdisziplin der Christen

Wie werden aus Getauften Apostel des Friedens? Der Adoratio-Kongress in Salzburg bot Gelegenheit zum geistlichen Training.
Adoratio 2026
Foto: Hiva Naghshi | Stille und Impulse: Im Salzburger Dom wurde der geistliche Reichtum der Kirche erlebbar.

Anbetung statt Anstich: Mehr als 700 Gläubige entschieden sich am vergangenen Wochenende für drei Tage voller spiritueller Impulse beim Adoratio-Kongress in Salzburg – während zeitgleich Wiesn-Auftakt in München war. Auch wenn das Timing nicht so günstig erschien und die Teilnehmerzahl etwas kleiner ausfiel als im Vorjahr – die Begeisterung über das abwechslungsreiche Programm im und rund um den Salzburger Dom war groß. Denn mit seinem lebendigen Charakter zieht der Glaubenskongress insbesondere junge Menschen, Familien und Suchende an.

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Im Zentrum steht die Eucharistie. Um sie gruppieren sich Worship-Abende, Vorträge, Workshops, Gebetszeiten, Beichtmöglichkeiten und Gesprächsangebote. Neu diesmal: das Kinderprogramm von „KISI – God’s Singing Kids“ im Kapitelsaal, das die vier- bis 14-Jährigen mit Musik und Spielen an Jesus heranführte – und den Eltern einige Stunden Freiraum schenkte, um am Adoratio-Angebot teilzunehmen.

Frieden stiften und weitertragen

„Himmlischer Friede“ lautete das diesjährige Leitwort. „Kaum ein Motto ist heute dringender als der Friede, der von Gott kommt“, so Initiator Pfarrer Don Rupi Santner, der bei Planung und Vorbereitung des Kongresses von einem etwa 20-köpfigen Team engagierter Helfer unterstützt wurde.
Besonders eindrücklich wurde das Leitmotiv beim Gebetsabend am Samstag umgesetzt: Die Menschen im vollbesetzten Dom waren eingeladen, nach vorne zum Altarraum zu kommen und „Apostel des Friedens“ zu werden.

Dicht an dicht knieten Ordensleute und Laien, Männer, Frauen und sogar einige Kinder um den Altar mit der Monstranz. Gemeinsam bekannten sie sich dazu, als „Apostel des Friedens“ selbst Frieden zu stiften und weiterzutragen. Den krönenden Ab-schluss des Abends bildete die Lichterprozession durch die Gassen Salzburgs zum Stift Nonnberg: Hunderte Menschen, hunderte Lichter und mittendrin der Herr. Ein Kerzenzug für den Frieden hinauf zu einem Kloster, in dem seit 1300 Jahren ununterbrochen gebetet wird.

Der Shalom-Friede

In den Tagen zuvor stand die Frage im Raum: Was macht Frieden in seiner tiefsten Bedeutung aus? Pater Ulrich Bergmüller, Priester des Ordens der Regularkanoniker vom Heiligen Kreuz, näherte sich dieser Frage in seinem Vortrag am Freitag anhand des jüdischen Wortes „Shalom“. Auf einer Reise ins Heilige Land vor einigen Jahren sei ihm dieser Friedensgruß beinahe überall begegnet, berichtete er.

„Shalom“ bedeutet wörtlich „vollständig sein“ – gemeint ist ein Zustand der Fülle, in dem nichts mehr fehlt. „Und wenn ich zu jemandem hingehe und sage: Der Friede sei mit dir, dann ist es ein Segen. Und er soll tief gehen. Denn er bedeutet, ich wünsche dir, dass dein Leben ganz wird, dass deine Wunden heilen, dass deine Beziehungen gelingen und dass Gott in dir wohnt“, erläuterte Bergmüller.

Frieden ist Aktion

Noch einmal ging es am nächsten Tag im Vortrag von Gabriela Zinkl, promovierte Kirchenrechtlerin und Mitglied der Ordensleitung der Borromäerinnen, zurück ins Heilige Land. Gabriela Zinkl hat dort ihr Noviziat abgehalten und acht Jahre in Jerusalem verbracht. Als Generalsekretärin ihres Ordens ist sie zwischen Ägypten, Rumänien, Deutschland und Israel unterwegs.

Ausgehend vom Wort Shalom äußerte sie: „Für uns Christen ist Frieden nicht einfach nur Waffenstillstand oder Ruhe, sondern eine Wirklichkeit, in der was passiert. Frieden ist Aktion. Da passiert was, da geschieht was – aktiv mit meiner Mitwirkung. Frieden von mir mit Gott, Frieden mit mir selbst, Frieden mit anderen Menschen und der ganzen geschaffenen Welt. Der heilige Augustinus hat das sehr schön und wortträchtig beschrieben, nämlich: ‚Tranquilitas ordinis‘, die Ruhe der Ordnung. Er sagt, Frieden ist nicht einfach Ruhe im Sinne von Stillstand, sondern Ruhe in einer Wirklichkeit, in der Beziehungen auf ihr rechtes Ziel hingeordnet sind.“

Laut Gabriela Zinkl bedeutet Shalom im Alten Testament weit mehr als die Abwesenheit von Krieg: Es steht für umfassendes Heil, Gerechtigkeit, Sicherheit und ein gutes Miteinander von Menschen und Schöpfung – und fordert dazu auf, aktiv nach Frieden zu suchen. Im Alten Testament wird dieser umfassende Frieden mit dem kommenden Messias verbunden, während das Neue Testament ihn in Jesus Christus konkret werden lässt. Deshalb sagt Paulus: „Er ist unser Friede“ – Frieden ist nicht nur etwas, das Christus bringt oder lehrt, sondern bekommt in ihm selbst ein menschliches Gesicht.

Friede beginnt in uns selbst

In der Talkshow am Samstagmittag richtete sich der Blick auf weitere Konfliktherde weltweit. Kinga von Schierstaedt, Projektreferentin von „Kirche in Not“ für Afrika, schilderte die verzweifelte Lage der Christen in Nigeria anhand erschütternder Beispiele. Sie berichtete von einem Mädchen, das nach einer Gewalttat in ein bischöfliches „Trauma Healing Center“ kam und dort ein Jahr lang therapeutisch begleitet wurde – bis es schließlich vergeben konnte. Schierstaedts Fazit, das auch an anderer Stelle des Kongresses immer wieder aufklang: Der Friede beginnt in uns selbst.

Yuriy Kolasa, Ortsordinarius der katholischen Ostkirchen in Österreich, berichtete aus der Ukraine. Bei allem Furchtbaren, was dieser Krieg mit sich bringe, gebe ihm die praktizierte Menschlichkeit wieder Hoffnung: „Ich habe Menschen gesehen, die selbst kaum etwas haben und trotzdem mit anderen teilen. Menschen, die aufeinander achten, Nachbarn, die ältere Menschen versorgen, Freiwillige, die unter Lebensgefahr Hilfe bringen. Ärzte und Pflegekräfte, die unter schwierigsten Bedingungen weiterarbeiten.“

Frieden braucht Verzeihung

Der Geistliche Leo Maasburg hat Mutter Teresa auf etliche Reisen begleitet, er erzählte: „Sie ist immer dort gewesen, wo Gewalt ausbrach und Hilfe gebraucht wurde – ob in Ruanda oder im bombardierten Libanon. Dort sagte sie: ‚Es braucht sehr viel Demut, um zu verzeihen, aber noch mehr, um um Verzeihung zu bitten.‘ Denn unser eigener Friede beginne dort, wo wir bereit sind, um Verzeihung zu bitten – und so den Frieden Gottes zu empfangen und weiterzugeben.“

Leo Maasburg selbst ist überzeugt, dass der Unfriede in unserer Welt eine andere Dimension hat: „Der Kampf, der heute vor sich geht, ist nicht zwischen Fleisch und Blut, sondern ist ein geistiger Kampf. Und da ist das Gebet natürlich an erster Stelle.“

Auf dem Adoratio-Kongress war jedenfalls eine Atmosphäre von Einigkeit und friedlichem Miteinander zu spüren. Das Begegnungszelt auf dem Domplatz wurde dabei nicht nur für die gemeinsamen Mahlzeiten genutzt, sondern entwickelte sich auch zu einem Ort des regen Austauschs. Maria Eisl, die bei der Essensausgabe mithalf, berichtete begeistert von bereichernden und schönen Begegnungen.

Ziel: Mehr Keimzellen der eucharistischen Anbetung

Eine Teilnehmerin aus Tirol, die ihr Ticket für das Event als Weihnachtsgeschenk von ihren Söhnen erhalten hatte, brachte zum Ausdruck, dass sie wenig Gelegenheit habe, im Alltag so viele Gleichgesinnte im Glauben anzutreffen und mit ihnen zu beten.

Am Sonntagmittag ging der Kongress zu Ende, doch die Erfolgsgeschichte von Adoratio setzt sich fort: Inspiriert vom internationalen Kongress zur ewigen eucharistischen Anbetung, der 2011 in Rom stattfand, wurde Adoratio 2019 erstmals in Altötting veranstaltet, 2025 folgte Salzburg. In diesem Jahr macht der Kongress nun erstmals Station im oberösterreichischen Kremsmünster. Wien könnte folgen. Ziel ist es, möglichst viele Diözesen für Adoratio zu gewinnen und vielerorts Keimzellen der eucharistischen Anbetung zu etablieren.


Die Autorin ist freie Journalistin und Buchautorin.

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