Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Nach Attentatsversuch auf Trump

US-Bischofskonferenz: Trump-Attentat ist Aufruf zur Mäßigung

Das politische Klima habe einen Punkt erreicht, an dem die Leute einander nur noch anschreien und sich nicht mehr zuhören, so Erzbischof Broglio, Vorsitzender der US-Bischöfe.
Der Vorsitzende der US-Bischofskonferenz, Timothy Broglio
Foto: IMAGO (www.imago-images.de) | Broglio brachte nach dem Attentat sein Entsetzen darüber zum Ausdruck, dass „Gewalt in einer Gesellschaft stattfinden würde, die eigentlich eine demokratische sein soll“.

Nach dem fehlgeschlagenen Attentatsversuch auf den ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump hat Erzbischof Timothy P. Broglio, der Vorsitzende der US-Bischofskonferenz, am Dienstag im gegenüber „Vatican News" dazu aufgerufen, „unseren Diskurs zu mäßigen und auf Wegen des Friedens und der Versöhnung voranzukommen“. Die „sehr, sehr tragischen“ Ereignisse hätten ihn tief erschüttert.

Lesen Sie auch:

Broglio brachte sein Entsetzen darüber zum Ausdruck, dass „Gewalt in einer Gesellschaft stattfinden würde, die eigentlich eine demokratische sein soll“. Das politische Klima in den USA habe „einen Punkt erreicht, an dem die Leute einander nur noch anschreien und es keinen Raum gibt, dem anderen zuzuhören.“

Die Würde in jeder Weise respektieren

Nun sei es an der Zeit, diesen Entwicklungen entgegenzuwirken. Als Gegenmaßnahme wolle er dazu aufrufen, die Würde der Menschen wieder in den Vordergrund zu stellen. Auch wenn man nicht der gleichen Meinung sei, müsse klar sein, dass jeder „dennoch im Bild und Gleichnis Gottes geschaffen ist und daher eine Würde hat, die ich erkennen und respektieren muss“, so Broglio. Diese Grundhaltung könne der Gesellschaft als Ganzes helfen: „Wenn wir in unserer Gesellschaft uns dessen mehr bewusst wären, könnten wir als rationale menschliche Wesen die Probleme und Meinungsverschiedenheiten, die wir haben, diskutieren und vielleicht zu einigen Lösungen kommen.“ Laut dem Vorsitzenden der US-Bischöfe poche auch Papst Franziskus beständig darauf, die grundlegende menschliche Würde „in jeder Weise zu respektieren“.

Weiterhin sei es die Aufgabe der US-Bischöfe, in ihren eigenen Diözesen den „Dialog und Respekt für den anderen“ großzuhalten. Auch der Einsatz der katholischen Kirche gegen Abtreibung beruhe auf derselben Grundausrichtung: „Ich denke, wir müssen darin konsequent sein“, appellierte Broglio.

Als erste Möglichkeit dazu benannte er den am Mittwoch beginnenden 10. Nationalen Eucharistischen Kongress in Indianapolis: „Das wird eine großartige Gelegenheit für uns sein, Dialog und Versöhnung zu fördern. Und auch daran zu erinnern, dass wir in Jesus Christus unsere Erlösung finden und auch einen Weg nach vorne.“

Opfer war gläubiger Familienvater

Gegenüber der Familie des Attentatsopfers Corey Comperatore, ein gläubiger Christ und zweifacher Familienvater, drückte Broglio sein Mitgefühl aus und versicherte sein Gebet für den Verstorbenen. Den Verletzten, einschließlich Trump, sprach er Trost sowie das Gebet aller katholischen US-Amerikaner zu.

Der ehemalige US-Präsident und aktuelle Präsidentschaftskandidat der Republikaner, Donald Trump, war am Samstag bei einem Attentat von einer Kugel am Ohr getroffen worden. Scharfschützen der Polizei töteten den 20-jährigen Täter nur wenige Sekunden, nachdem er die Schüsse auf Trump abgefeuert hatte. Das Motiv des Täters ist nach wie vor unklar. DT/jmo

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Themen & Autoren
Donald Trump Erzbischöfe Jesus Christus Katholische Kirche Papst Franziskus Radio Vatikan Würde

Weitere Artikel

Keine OSZE-Beobachter, verstärkte Polizeipräsenz vor Wahllokalen, ein Feldzug gegen die Briefwahl: So will der US-Präsident Wähler mit Migrationshintergrund an der Stimmabgabe hindern.
24.09.2026, 11 Uhr
Maximilian Lutz
Donald Trump hat das Vertrauen in die Führungsmacht USA versenkt. Neue Allianzen zeichnen sich ab.
16.09.2026, 11 Uhr
Stephan Baier
Im Oberurseler Café „coffee, brownies & downies“ arbeiten Menschen mit Schwerbehinderung. Das privatwirtschaftliche Konzept verbindet gastronomischen Anspruch mit Inklusion.
13.09.2026, 19 Uhr
Patrick Peters

Kirche

Das Bischofstreffen in Rom zur Familienpastoral stößt auf wenig Interesse bei den Medien. Grund ist die Art und Weise, wie die Versammlung gelenkt und gesteuert wird.
10.10.2026, 12 Uhr
Guido Horst
Papstjubel und Protestwut: Hunderttausende Franzosen gingen zuletzt aus verschiedenen Gründen auf die Straßen. Eins hat sie dennoch vereint.
09.10.2026, 11 Uhr
Elisabeth Hüffer
Johannes Zehe, früher Geiger und seit 2023 Regens für die Priesterausbildung im Erzbistum, wird an diesem Samstag im Mariendom zum Bischof geweiht.
09.10.2026, 14 Uhr
Dorothea Schmidt
Statt mit Erfahrungsberichten begann das Bischofstreffen in Rom dann doch mit theoretischen Erörterungen zu dem nachsynodalen Schreiben zu Ehe und Familie von Papst Franziskus.
08.10.2026, 09 Uhr
Guido Horst