Kiew/Vatikanstadt

Ukrainische Kirchenvertreter kritisieren Pläne für Kreuzweg in Rom

Dass Russen und Ukrainer gemeinsam das Kreuz tragen sollen, sehen viele ukrainische Gläubige kritisch. Auch Kiews Großerzbischof Schewtschuk hält dies für nicht angebracht.
Karfreitag im Vatikan
Foto: Gregorio Borgia (AP) | Aufnahmen von den Feierlichkeiten zum Karfreitag im Jahr 2018. An der XIII. Kreuzweg-Station zum Tod Jesu am Kreuz sollen eine russische und eine ukrainische Familie dann gemeinsam einen Text vorlesen.

Die Pläne des Vatikans, am Karfreitag beim traditionellen Kreuzweg mit Papst Franziskus vor dem Kolosseum das Kreuz gemeinsam von Russen und Ukrainern tragen zu lassen, sind auf Kritik von ukrainischen Kirchenvertretern gestoßen. Er halte das Vorhaben für eine „nicht zeitgemäße Idee“, so der griechisch-katholische Kiewer Großerzbischof Swjatoslaw Schewtschuk. Die Aktion sei „zweideutig“ und berücksichtige nicht den Kontext der militärischen Aggression Russlands gegen die Ukraine, erklärte das Oberhaupt der mit Rom verbundenen griechisch-katholischen Kirche der Ukraine am Dienstag.

"Unverständlich und beleidigend"

An der XIII. Kreuzweg-Station zum Tod Jesu am Kreuz sollen eine russische und eine ukrainische Familie dann gemeinsam einen Text vorlesen. Dies sei für die griechischen Katholiken der Ukraine „unverständlich und beleidigend“, so Schewtschuk, „insbesondere im Zusammenhang mit dem erwarteten zweiten, noch blutigeren Angriff russischer Truppen auf unsere Städte und Dörfer“.

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Er habe den Vatikan bereits über zahlreiche negative Reaktionen vieler Bischöfe, Priester und Laien informiert, erklärte Schewtschuk weiter. Man sei überzeugt, „dass Gesten der Versöhnung zwischen unseren Völkern nur möglich sein werden, wenn der Krieg vorbei ist und jene Verbrechen gegen die Menschlichkeit schuldig sind, zu Recht verurteilt werden“. Daher habe er den Vatikan gebeten, das geplante Projekt zu überprüfen. 

Kritik auch vom ukrainischen Botschafter

Kritik hatte zuvor bereits der ukrainische Botschafter beim Heiligen Stuhl, Andrij Jurasch, geäußert. Die Botschaft „verstehe und teile“ die Bedenken vieler in der Ukraine und in anderen Gemeinden, schrieb Jurasch auf dem Kurzmitteilungsdienst „Twitter“. „Wir arbeiten jetzt an der Sache und versuchen, Schwierigkeiten bei der Umsetzung und die möglichen Folgen zu erklären.“

Die Texte zum traditionellen Kreuzweg am Karfreitag haben in diesem Jahr mehrere Familien verfasst, die mit katholischen Gemeinschaften und Vereinigungen für freiwillige Arbeit und Hilfe verbunden sind. In dem Text für die XIII. Kreuzweg-Station heißt es unter anderem: heißt es unter anderem: „Warum hast du uns im Stich gelassen? Warum hast du unsere Völker im Stich gelassen?“  DT/mlu

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