Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Internationaler Kongress des "Renovabis"-Hilfswerks

Selbstbespiegelung oder Verkündigung?

Beim "Renovabis"-Kongress in Freising stand die Frage im Mittelpunkt, wie sich die Kirche angesichts von Säkularisierung und wachsender religiöser Indifferenz in Europa verhalte solle. Die Alternativen wurden deutlich.
Erzbischof Koch hielt als Vorsitzender des Aktionsrates von "Renovabis" das Schlusswort
Foto: Renovabis, Simon Korbella | Erzbischof Heiner Koch hielt als Vorsitzender des Aktionsrates von "Renovabis" das Schlusswort des diesjährigen internationalen Kongresses und lud bereits zum Treffen im nächsten Jahr nach Berlin ein.

Der diesjährige Kongress des katholischen Osteuropa-Hilfswerks "Renovabis" stand ganz im Zeichen der Kirchenkrise und der Frage nach möglichen Auswegen. Rund 230 Teilnehmer trafen sich vom 10. bis zum 12. September im prachtvoll renovierten Asam-Gebäude in Freising, um Vorträgen namenhafter Referenten und kontroversen Podiumsdiskussionen beizuwohnen sowie um sich selbst aktiv in Workshoprunden einzubringen.

Religionssoziologe Pollack: Kirchenbindung essentiell für Glauben

Der bekannte Religionssoziologe Detlef Pollack von der Universität Münster legte mit einer gleichermaßen nüchternen wie fundierten Analyse der religiösen Situation in Europa den Grundstein für die folgenden Diskussionen.

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Während die Zahlen in allen westeuropäischen Ländern (bis auf Portugal) eine sinkende Religiosität auswiesen, gebe es in den Nationen, in denen die Orthodoxie gepflegt werde, hingegen einen Aufschwung des religiös gelebten Glaubens. Die bedenkenswerte These Pollacks zur Erklärung dieses verblüffenden Umstandes besagt, es gebe eine Korrelation zwischen einem starken Nationalbewusstsein und religiöser Bindung. Wo es Teil des patriotischen Selbstverständnisses sei, zu einer bestimmten Kirche zu gehören, wachse auch die Bedeutung der entsprechenden Religion.

Zugleich entlarvte der Münsteraner Wissenschaftler die Überzeugung, man könne gläubig sein, ohne einer organisierten Religion anzugehören, als Illusion: Die Empirie zeige eine starke Korrelation zwischen dem Verlust der Kirchenbindung und dem Verlust des Glaubens.

Revolte oder Rückbesinnung?

Besonders am letzten Tag drehte sich der Kongress um die Frage, wie dieser Problemsituation angemessen zu begegnen sei. Bei der abschließenden Podiumsdiskussion, an der unter anderen die Kirchenkritikerin Doris Reisinger sowie der Berliner Erzbischof Heiner Koch teilnahmen, zeigte sich, dass es schwierig bis unmöglich sein dürfte, einen gemeinsamen Weg aus der Krise zu finden. Bei der Frage nach den "Zukunftsperspektiven für die Kirche und den christlichen Glauben in Europa" stießen zwei grundverschiedene Ansichten aufeinander.

Während Reisinger die radikale Enthierarchisierung der Kirche und damit auch die Auflösung ihrer sakramentalen Struktur forderte, hielt insbesondere Gintaras Grušas, der Erzbischof von Vilnius, mit Blick auf die weltkirchlichen Tendenzen entgegen, die Kirche müsse sich auf Jesus Christus, ihre Tradition und ihren gegenkulturellen Charakter zurückbesinnen.  DT/sost

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