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Papst: Die Hirten sollen die Nähe Gottes suchen

Vor den kongolesischen Bischöfen spricht sich Franziskus gegen „Karrierismus“ und den Geist der Weltlichkeit aus. Das Gebetsleben führe dazu, sich den Menschen zuzuwenden.
Kinshasa: Papst Franziskus während eines Treffens mit Mitgliedern der Bischofskonferenz
Foto: Gregorio Borgia (AP) | Kinshasa: Papst Franziskus hört Erzbischof Marcel Utembi Tapa (l), Vorsitzender der Bischofskonferenz der Demokratischen Republik Kongo, während eines Treffens mit Mitgliedern der Bischofskonferenz.

Am Ende seiner Kongo-Reise ist Papst Franziskus mit der kongolesischen Bischofskonferenz zusammengetroffen. Wie bereits bei seiner Ankunft im Land nannte der Papst die DR Kongo „die grüne Lunge Afrikas“, die daran erinnere, „dass wir aufgerufen sind, die Schönheit der Schöpfung zu bewahren und sie vor den Wunden zu schützen, die durch räuberischen Egoismus verursacht werden“.

Die riesige grüne Waldfläche sei aber auch ein Bild für das christliche Leben: „Als Kirche müssen wir die reine Luft des Evangeliums einatmen, die verschmutzte Luft der Weltlichkeit vertreiben und das junge Herz des Glaubens bewahren.“ Als Gemeinschaft habe die Kirche viel „Sauerstoff“. Dafür dankte Franziskus: „Danke, denn ihr seid eine Lunge, die der Weltkirche Atem verleiht!“

Auf die Nähe des Herrn bauen

Für den Kern seiner Ansprache griff der Papst auf den Propheten Jeremia zurück –wie bei Jeremia bewege sich der bischöfliche Dienst zwischen „beiden Dimensionen, über die ich zu euch sprechen möchte: die Nähe Gottes und die Prophetie für das Volk“. Für die Hirten des Volkes sei es wichtig, „auf diese Nähe des Herrn zu bauen, uns im Gebet Struktur zu geben und stundenlang vor ihm zu verweilen.“ Denn nur so brächten die Bischöfe die Menschen dem Guten Hirten näher, „und nur so werden wir wirklich zu Hirten, denn ohne ihn können wir nichts vollbringen“.

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Papst Franziskus warnte vor dem „schrecklichen Geist des Karrierismus“ und vor dem „Geist der Weltlichkeit“, der den bischöflichen Dienst „nach den Kriterien unserer eigenen Profitinteressen interpretieren lässt, der uns kalt und distanziert werden lässt, wenn es darum geht, das uns Anvertraute zu verwalten, der uns dazu führt, sich der Rolle zu bedienen, anstatt den anderen zu dienen, und uns nicht mehr um die unverzichtbare Beziehung zu kümmern, nämlich die des demütigen und täglichen Gebets“. Franziskus zitierte auch den Theologen Henri de Lubac: Das sei schlimmer als die Zeiten, in denen die Päpste im Konkubinat lebten.

Die Nähe zu Gott führe dazu, „uns den Menschen zuzuwenden, und wir werden immer Mitgefühl für die uns Anvertrauten empfinden“. Dann werden die Hirten „zu Werkzeugen des Trostes und der Versöhnung für andere, um die Wunden der Leidenden zu heilen, den Schmerz der Trauernden zu lindern, die Armen aufzurichten und die Menschen aus so vielen Formen der Sklaverei und Unterdrückung zu befreien.“ Denn das Wort Gottes sei „ein Feuer, das unsere Apathie verbrennt und in uns den Wunsch entfacht, diejenigen zu erleuchten, die in der Dunkelheit sind“. Das sei die bischöfliche Identität.

Nicht in "politische Aktion" verfallen

Dies bedeute jedoch nicht, so Papst Franziskus weiter, in „politische Aktion“ zu verfallen. Das sei nicht die Aufgabe der Bischöfe und Hirten. Ihre Aufgabe sei vielmehr die Verkündigung des Wortes, „um das Gewissen wachzurütteln, das Böse anzuprangern und den Bedrängten und Hoffnungslosen Mut zu machen“. Zum Wort müssten aber auch „Nähe und Zeugnis“ hinzukommen – Nähe insbesondere zu den Priestern und den in der Seelsorge Tätigen. Das sei eine „Ermutigung zum synodalen Geist, um gemeinsam wirken zu können“.

Wie schon bei anderen Gelegenheiten in der DR Kongo bezog sich der Papst auf die „Gewalt, die nicht nur durch die Ausbeutung der Ressourcen und die Konflikte der Ethnien und Stämme ausgelöst wird, sondern auch und vor allem durch die dunkle Macht des Bösen, des Feindes Gottes und der Menschen“. Inmitten dieser Gewalt sollen die Bischöfe Zeugen der Barmherzigkeit und der Versöhnung sein. Konkret bezog er sich auf die Beichte: „Wenn ein Gläubiger zur Beichte kommt, vergeben.“ Im Kirchenrecht stehe „dies und jenes“, aber „das Herz geht darüber hinaus“. Denn die Beichte sei ein Sakrament der Vergebung, und die Beichtväter sollen barmherzig sein. 

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