Meier: Evangelisierung ist Dauerauftrag der Kirche

Bischof Bertram Meier blickt kritisch und dankbar auf den Besuch in Rom zurück. Er mahnt zu Realismus und spricht von einer notwendigen Profilierung der Kirche.
Bischof Meier: Eigentliche Ziel ist die geistliche Erneuerung der Kirche
Foto: Maximilian von Lachner (Synodaler Weg / Maximilian von L) | Der Augsburger Bischof Bertram Meier hält es für sehr wichtig, die „geistliche Erneuerung der katholischen Kirche voranzutreiben“.

Eine gute Woche nach dem Ad-limina-Besuch reflektiert auch Bischof Bertram Meier aus Augsburg die Gespräche in Rom und stellt sich die Gewissensfrage: „Sind wir Bischöfe tatsächlich nach Rom gereist, um selbst zu hören, was die Römer uns zu sagen haben, oder wollten wir uns von unserer Warte aus im Vatikan mehr Gehör verschaffen und zeigen, wo es weltkirchlich langgehen soll?“ 

"Wir können nicht alles umsetzen, was der Synodale Weg mehrheitlich anrät" 

Im Gespräch mit dieser Zeitung erklärte Meier, dass er sehr dankbar für die Klarstellungen und römischen Leitplanken gewesen sei, die die Bischöfe in Rom gehört hätten und mahnte zu Realismus: „Wenn wir mit Rom weiter gehen wollen, können wir derzeit nicht alles in Deutschland umsetzen, was der Synodale Weg mehrheitlich anrät.“ Man solle den Synodalen Weg im März 2023 zwar anständig zu Ende zu bringen, dann aber Tempo herausnehmen und mit der Umsetzung zu warten, „bis die Weltsynoden 2023 und 2024 getagt haben“.

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Aus der Audienz mit dem Papst erwähnte Meier vor allem dessen Erinnerung an seinen Brief an das Pilgernde Volk Gottes in Deutschland. Er habe den Bischöfen sinngemäß gesagt, „dass sein Schreiben nicht in der Schublade verschwinden, sondern uns als Bezugspunkt für unseren Synodalen Weg dienen sollte“ — und dazu gehört auch die Evangelisierung. Trotz aller Schild und Sünde, die Geistliche auf sich geladen hätten, so Meier, „sollten wir nicht vergessen, den Menschen das Evangelium anzubieten“. Evangelisierung sei ein Dauerauftrag der Kirche, ist der Bischof überzeugt. 

Eigentliche Ziel ist die geistliche Erneuerung der Kirche

Der Papstbrief jedenfalls müsse „unser Kompass sein, um das eigentliche Ziel des Synodalen Weges zu erreichen, die geistliche Erneuerung der Kirche". Das schließe strukturelle Veränderungen nicht aus, konstatierte Meier, setzte aber auf diese Reihenfolge, gemäß dem inkarnatorischen Prinzip: „Wenn uns der Heilige Geist durchdringt, wirkt sich das auch auf Strukturen aus", sagte er und erinnerte an seinen Bischofseid.

Bei der Bischofsweihe habe er versprochen, „das von den Aposteln überlieferte Glaubensgut, das immer und überall in der Kirche unversehrt bewahrt wurde, rein und unverkürzt weiterzugeben“ und „dem Nachfolger des Apostels Petrus treuen Gehorsam zu erweisen“. An diese Verpflichtungen fühle er sich gebunden.

Dient die Reform der Vertiefung des Glaubens?

Nach dem Ad-limina-Besuch geht es für den Bischof jetzt darum, die „geistliche Erneuerung der katholischen Kirche voranzutreiben“. Ein Kriterium für so eine geistliche Erneuerung bestehe darin, nach dem Wachstum zu fragen: „Dient die Reform dem Wachstum des Leibes Christi, der Vertiefung des Glaubens?“

Gerade beim neuen Arbeitsrecht sieht Meier die Gefahr einer Säkularisierung. Der Verweltlichung der Kirche sei aber die Profilierung entgegenzusetzen: Die Kirche würde dann wieder mehr Profil gewinnen, wenn sie, die sie zwar in der Welt sei, „durch ihr Innenleben zeige, nicht von der Welt zu sein“. Andernfalls sei Kirche weder Salz noch Sauerteig noch Licht für die Welt.  DT/dsc

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