Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Kiew

Katholische Kirche in Ukraine befürchtet Auflösung

Das Oberhaupt der griechisch-katholischen Kirche der Ukraine sieht deren Existenz durch den russischen Einmarsch bedroht. Die Kirche war zuletzt während der Sowjetunion verboten worden.
Großerzbischof Schewtschuk  sieht die Existenz der Ukraine durch den russischen Einmarsch bedroht.
Foto: MASSIMILIANO MIGLIORATO/CPP / via www.imago-images.de (www.imago-images.de)

Die mit Rom verbundene griechisch-katholische Kirche der Ukraine sieht sich durch den russischen Einmarsch in ihrer Existenz bedroht. Diese Bedenken äußerte der Kiewer Großerzbischof Swjatoslaw Schewtschuk in einem Interview mit einem ukrainischen Radiosender. Die Kirche war bereits in der Vergangenheit von russischer Seite verboten worden.

Auf Putins verbotener Liste?

„Offensichtlich sind wir genauso wie unsere Brüder von der Orthodoxen Kirche der Ukraine auf der Liste“, sagte der Großerzbischof und meinte damit die Liste des russischen Präsidenten Wladimir Putin auf der die Organisationen stehen, die verboten werden sollen. „Wir wissen aus der Geschichte, dass jedes Mal, wenn Russland unser Land eroberte, die Ukrainische Griechisch-Katholische Kirche systematisch zerstört wurde“, so das Oberhaupt der Kirche. Dies war zuletzt zu Sowjetzeiten der Fall. „Gott bewahre, dass das jetzt wieder geschieht.“

Lesen Sie auch:

Seine Kirche sei sich der Bedrohung durch den russischen Angriffskrieg bewusst, versuche aber, nicht in Panik zu verfallen, so der Großerzbischof. Die Ukrainische Griechisch-Katholische Kirche verfügt auch über Diözesen in Westeuropa, Nord- und Südamerika und Australien. Die Diaspora in der ganzen Welt leiste humanitäre Hilfe für die Ukraine. „So kämpfen wir gemeinsam für unseren Staat und kommen dem Tag unseres Sieges näher“, so Schewtschuk. 

Zuletzt zu Zeiten der Sowjetunion verboten

Die sowjetischen Machthaber in Moskau hatten die Kirche 1946 verboten. Diktator Josef Stalin zwang sie damals zur Fusion mit der orthodoxen Kirche, von der sie sich Ende des 16. Jahrhunderts abgespalten hatte. Viele Bischöfe und Geistliche, die sich der Zwangsvereinigung widersetzten, wurden verhaftet und starben in sibirischen Gulags. Erst 1989 endete die staatliche Unterdrückung der griechisch-katholischen Kirche; sie kam wieder aus dem Untergrund.
Großerzbischof Swjatoslaw Schewtschuk steht seit 2011 an der Spitze der griechisch-katholischen Kirche. Sie ist die größte Katholische Ostkirche eigenen Rechtes. In der Ukraine zählt sie rund 3.400 Pfarreien sowie 2.700 Priester und 1.100 Ordensmänner und -frauen. Im November 2021 bekannten sich in einer Umfrage 8,8 Prozent der erwachsenen Ukrainer zu der Kirche, 0,8 Prozent zur römisch-katholischen.   DT/vwe

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Themen & Autoren
Meldung Bischof Diözese Josef Stalin Katholische Kirche Russlands Krieg gegen die Ukraine Pfarrei Römisch-katholische Kirche Ukraine Wladimir Wladimirowitsch Putin

Weitere Artikel

Die Ukraine als Teil der „Heiligen Rus“? Mit einer geschichtlichen Tiefenbohrung widerlegt der ukrainische Kirchenhistoriker Andriy Mykhaleyko Wladimir Putins nützliche Narrative.
29.07.2026, 07 Uhr
Stephan Baier
Das „Glaubenstribunal“ der Wiener Festwochen endet mit einem Bekenntnis zur Blasphemie als Freiheit der Kunst, die Gefühle von Gläubigen zu missachten.
31.05.2026, 20 Uhr
Stephan Baier
Aus Angst vor ukrainischen Drohnenangriffen hat das russische Regime – trotz vereinbarter Waffenruhe – seinen „Tag des Sieges“ abgespeckt.
09.05.2026, 11 Uhr
Stephan Baier

Kirche

Dass die katholische Kirche angesichts der Krise in Ceuta als Stimme der Vernunft wahrgenommen wird, liegt vor allem an Erzbischof Rocha. Er appelliert an den gesunden Menschenverstand.
11.08.2026, 11 Uhr
Regina Einig
Die Laienpredigt ist vom Vatikan nicht erlaubt. Wenn er davon erfahre, dass nicht geweihte Menschen predigten, werde er aber nicht disziplinarisch eingreifen, so der Mainzer Bischof.
11.08.2026, 06 Uhr
Meldung
Wilhelm II. besuchte 1898 Jerusalem. Was sich daraus über die religionspolitischen Ziele des Kaisers lernen lässt.
10.08.2026, 09 Uhr
Benjamin Hasselhorn
Die Exkommunikation für unerlaubte Bischofsweihen wurde 1951 auch wegen der Situation der Kirche im kommunistischen China eingeführt. Heute übt Rom gegenüber dem Land Nachsicht.
07.08.2026, 19 Uhr
Jakob Naser