Luxemburg/Berlin

Kardinal Hollerich: An Woelkis Stelle würde ich zurücktreten

Der Luxemburger Erzbischof plädiert im Interview mit KNA auch für eine Änderung der kirchlichen Lehre zur Homosexualität.
Der Luxemburger Kardinal Jean-Claude Hollerich
Foto: ©MASSIMILIANO MIGLIORATO/CPP / via www.imago-images.de (www.imago-images.de) | Der Luxemburger Kardinal erklärte, dass die katholische Kirche aus seiner Sicht ihre Lehre zur Homosexualität revidieren müsse.

Kardinal Jean-Claude Hollerich, Luxemburgs Erzbischof und Präsident der EU-Bischofskommission COMECE, legt seinem Kölner Amtskollegen, Kardinal Rainer Maria Woelki, den Rücktritt nahe.

Hollerich: Wenn Mehrheit der Gläubigen einen Bischof ablehnt, muss er gehen

„Ich kenne und schätze Kardinal Woelki“, sagt der Jesuitenpater, Kardinal und Präsident der EU-Bischofskommission COMECE in einem Interview mit der Katholischen Nachrichtenagentur (KNA) vom Dienstag. „Aber es scheint ja so zu sein“, führt Hollerich fort, „dass er in seinem Bistum bei einer großen Mehrheit nicht mehr willkommen ist.“ Wenn es ihm so erginge, so der Luxemburger Kardinal, würde er seinen Rücktritt einreichen.

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Zwar glaubt Hollerich, dass sich Kardinal Woelki „wirklich intensiv für die Aufarbeitung des Missbrauchs eingesetzt hat. Aber er hat eine sehr schlechte Kommunikation“, gerade auch im Hinblick auf die Nicht-Veröffentlichung des ersten Missbrauchsgutachtens. „Aber Kardinal Woelki ist ein guter Christ, und er wird sicher für sich den richtigen Weg finden“, ist sich Hollerich sicher.

Kirchliche Lehre zur Homosexualität nicht mehr auf der Höhe der Zeit

Außerdem erklärte der Luxemburger Kardinal, dass die katholische Kirche aus seiner Sicht ihre Lehre zur Homosexualität revidieren müsse. „Ich glaube, dass das falsch ist“, antwortete Hollerich auf die Frage, ob Homosexualität tatsächlich Sünde sei. „Ich glaube aber auch, dass wir hier in der Lehre weiterdenken“, fügte er mit Blick auf Äußerungen von Papst Franziskus, die dieser in der Vergangenheit getätigt hatte, zurück. Dies sei auch aus seiner Sicht notwendig, denn er persönlich glaube, „dass das soziologisch-wissenschaftliche Fundament dieser Lehre nicht mehr stimmt“. Hier werde es stattdessen Zeit, „dass wir eine Grundrevision der Lehre machen.“

Zudem müsse die Kirche aufgrund des sich immer schneller vollziehenden Zivilisationswandels lernen, sich schneller an neue gesellschaftliche Realitäten anzupassen: „Die Kirche ist immer mit der Zeit gegangen und hat sich immer angepasst. Aber man hatte auch immer viel mehr Zeit, um das zu tun. Heute müssen wir schneller sein. Sonst verlieren wir den Anschluss und können nicht mehr verstanden werden.“  DT/sta

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