Pater Peter, was müssen wir als Kirche und als Laien tun, damit wieder mehr junge Männer Priester werden möchten?
Da gibt es drei Dinge: beten, Räume für Berufungen schaffen und über die Schönheit des Priestertums reden. Das Wichtigste ist das Gebet. Es ist Gott, der die Männer ruft; zum Opfer ihres Lebens. Jesus selbst sagt, wir sollen den Herrn bitten, damit er Arbeiter in seine Herde schickt.
Gleichzeitig müssen wir aktiv werden, etwa gute Jugendgruppen bilden und Familien unterstützen. Es braucht Orte, wo der Glaube gelebt wird, wo Jesus Christus im Mittelpunkt steht und wo man die Schönheit des Glaubens entdeckt. Orte, an denen Menschen lernen, Verantwortung zu übernehmen.
Und wir müssen die Schönheit des Priestertums an sich aufzeigen. Die Verbundenheit mit dem Herrn ist sehr schön. Zölibat ist nicht negativ, sondern etwas, was mich direkt in die Arme Gottes katapultiert. Die Kirche kann nicht ohne das Priesteramt bestehen. Wir brauchen Priester.
Wie kann ich für Priesterberufungen beten?
Ich finde es am einfachsten, wenn man das in die tägliche Gebetsroutine einfließen lässt, zum Beispiel in das Morgen- oder Abendgebet. Man kann einfügen: „Herr, schenke uns Priester. Herr, schenke uns heilige Priester. Herr, schenke uns viele heilige Priester.“ Wer den Rosenkranz betet, kann ein Gesätzchen für Priesterberufungen mitbeten. Oder man trifft sich immer am Priesterdonnerstag (dem ersten Donnerstag im Monat), um für Priesterberufungen zu beten.
Wieso sind Sie Priester geworden?
Weil ich Kontakt zu Priestern hatte, die das Priestertum authentisch vorgelebt haben. Man hat gemerkt, dass sie aus dieser Gottesbeziehung leben und dass sie Freude haben. Dass sie normal und auch witzig sind, mit uns Pfadfindern auf Bergtouren gehen und Lagerfeuer machen. Ich habe gesehen: Priestertum ist ein schöner Weg.
Dann habe ich den lieben Gott gefragt, was er für mein Leben geplant hat. Ich wusste ja, er mag mich und hat einen Masterplan für mich. Den wollte ich herausfinden und habe eine Art Blankoscheck erstellt. Ich habe gesagt, lieber Gott, ich mache alles, was du willst und wenn es sein muss, dann werde ich auch Priester. Nach einem Dreivierteljahr war dann mein Gebet: Lieber Gott, ich mache alles, was du willst und ich würde gerne Priester werden. Möchtest du mich nicht aufnehmen? Dann habe ich es einfach in meiner heutigen Ordensgemeinschaft ausprobiert, zunächst begrenzt auf ein Jahr – und bin geblieben.
Was ist schön daran, wie der „Gute Hirte“, also als Priester zu leben?
Es ist schön, dass ich die Pflicht habe, täglich zu beten. Dass ich kein schlechtes Gewissen haben muss, weil ich mir Zeit für das Gebet nehme. Jeden Morgen habe ich eine Stunde Zeit, mit Gott zu verbringen. Meine Arbeit geschieht schließlich aus der Verbundenheit mit ihm heraus; ich bin sein Werkzeug.
Ich freue mich, wenn ich Beichte hören darf. Zwar höre ich dann viel Leid, aber ich bekomme auch mit, wie Menschen Gottes Vergebung und bedingungslose Annahme erfahren. Da wirkt Jesus bei den Menschen – und er wirkt irgendwie auch durch mich, weil ich Ja gesagt habe.
Als Drittes ist es die tägliche Messe. Da ist eine große Nähe zum Herrgott da. Die Menschen dürfen dadurch die Erlösung Jesu am Kreuz erfahren. Ich merke, dass sie nach der Eucharistie hungern.
Manchmal ist es auch gar nicht so schön, zum Beispiel, wenn der Wolf kommt: Wenn ich viel Kraft in eine Aktion gesteckt habe und fast niemand kommt. Aber ich weiß, das gehört dazu. Wenn es Gegenwind gibt, dann bin ich auf dem richtigen Weg.
Wem würden Sie empfehlen, Priester zu werden?
Da gibt es drei Kriterien: die persönliche Neigung, die persönliche Eignung und dann die Prüfung durch die Kirche. Ich glaube, dass ein junger Mann sich diese Fragen stellen muss: Neige ich zum Priestertum? Zieht das Gebet mich an? Habe ich Freude daran, meinen Glauben zu leben? Schaffe ich das Studium? Bin ich psychisch stabil?
Wenn jemand über einen längeren Zeitraum solche Neigungen verspürt – und nicht nur ein Strohfeuer nach einem Wochenende da ist –, dann würde ich sagen, er sollte sie ernst nehmen. Ich ermutige solche jungen Männer, jeden Tag ein Gebet zu sprechen, in welchem sie sich dem Herrgott anbieten und dann ein halbes Jahr lang beobachten, was sich so tut. Der heilige Johannes Paul II. hat einmal gesagt: „Habt keine Angst, euer Leben auf Christus zu bauen.“
Zum Videointerview mit Pater Peter geht es hier: https://www.instagram.com/dietagespost/
Um für Priester- und Ordensberufungen zu beten, empfiehlt Pater Peter dieses Gebet:
Herr Jesus Christus,
So wie du eines Tages die ersten Jünger berufen hast,
um sie zu Menschenfischern zu machen,
lass auch heute deine süße Einladung erklingen:
Kommt und folgt mir nach!
Gib den jungen Männern und Frauen die Gnade,
prompt auf Deine Stimme zu reagieren.
Unterstütze in ihrem apostolischen Wirken
unsere Bischöfe, Priester
und Personen des geweihten Lebens.
Gib unseren Seminaristen Durchhaltevermögen
und all jenen,
die das Ideal des Lebens,
das ganz deinem Dienst geweiht ist.
Erwecke in unserer Gemeinschaft
missionarisches Engagement.
Herr, schicke Arbeiter in deine Ernte
und lass nicht zu, dass die Menschheit verloren geht
aus Mangel an Hirten, Missionaren
und Menschen, die sich des Evangeliums Willen geweiht haben.
Maria, Mutter der Kirche,
Vorbild aller Berufungen,
hilf uns, „JA“ zum Herrn zu sagen
der uns ruft,
am göttlichen Heilsplan mitzuwirken. Amen.
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