Mit großer Dankbarkeit wurde Papst Leo XIV. in Bamenda in Kamerun empfangen. Tausende Menschen strömten durch eine hügelige Landschaft zum Friedenstreffen in die Kathedrale des heiligen Josef. Dort bot sich ein farbenreiches Bild aus Gewändern, Fahnen und Jubelrufen, wo immer der Papst sich zeigte. An der offiziellen Begegnung nahmen Priester, Ordensleute, Katecheten, Seminaristen, Laien sowie Vertreter der katholischen, evangelischen und islamischen Gemeinschaften teil, ebenso der traditionelle Oberkönig von Mankon, Seine Majestät Fon Fru Asaah Angwafor IV. Sie alle verband der Dank für den Besuch des Papstes und die Hoffnung auf dauerhaften Frieden in einem Land, das trotz großen Leids nicht aufgibt. „Gott hat uns niemals verlassen!“, rief der Papst den Anwesenden zu, nachdem zuvor Betroffene von ihrem Leid berichtet hatten. Zum Abschluss ließ er symbolisch eine weiße Friedenstaube mit den Worten aufsteigen: „Der Friede möge unter uns herrschen. Der Friede Gottes möge auf dieses Land herabkommen.“
Nicht nur für den Papst war es eine Freude, „in dieser leidgeprüften Region zu sein“, auch die Afrikaner drückten in ihren Ansprachen, Liedern und Berichten ihre Dankbarkeit aus. „Wir sagen Gott großen Dank, der uns mit der Gegenwart seines Boten gesegnet hat“, begrüßte der Erzbischof von Bamenda, Andrew Nkea Fuanya, den Papst und zitierte Jesaja: „Wie lieblich sind auf den Bergen die Füße dessen, der frohe Botschaft bringt, der Frieden verkündet“ (Jes 52,7). Der Papst komme in eine Zeit, in der die Menschen seine Nähe und seinen Trost dringend benötigten, sagte er.
Vielschichtige Krise im Land
Kamerun ist seit Jahren von Krisen geprägt. Im Westen dauert der Konflikt zwischen Separatisten und Regierung an, im Norden sorgt Boko Haram für Gewalt. Politische Spannungen, autoritäre Strukturen unter Präsident Paul Biya und wirtschaftliche Probleme verschärfen die Lage. Der Erzbischof schilderte die Folgen: Tausende seien vertrieben, Kinder jahrelang ohne Schule geblieben, Kirchenmitarbeiter bedroht, entführt oder getötet worden. Auch Ordensschwestern berichteten von eigenen Entführungserfahrungen.
Zugleich habe das Leid überraschend zu neuer Nähe geführt: Christliche und muslimische Gemeinschaften seien enger zusammengerückt, betonte der emeritierte Moderator der Presbyterianischen Kirche, Fonki Samuel Forba. Aus dieser Erfahrung sei eine Friedensbewegung entstanden, die zwischen den Konfliktparteien vermittle.
„Salz der Erde“ bleiben
Papst Leo XIV. dankte den Menschen für ihr Zeugnis: „Eure Füße haben euch bis hierher getragen. Ich danke euch.“ Er sei gekommen, um den Frieden zu verkünden, sehe aber, dass viele hier selbst bereits Friedensboten seien. So ermutigte er die Versammelten, „Salz der Erde“ zu bleiben und in der Krise nicht nachzulassen. „Seid Öl, das man auf die Wunden der Menschen gießt“, sagte er. Frieden entstehe dort, wo Menschen einander als Brüder und Schwestern annähmen.
Zugleich warnte er vor der zerstörerischen Logik der Gewalt: Ein Augenblick genüge zur Zerstörung, während der Wiederaufbau ein ganzes Leben brauche. Es brauche eine „Kehrtwende hin zur Geschwisterlichkeit“. „Das ist die stille Revolution, deren Zeugen ihr seid“, sagte der Papst und rief auf: „Lasst uns gemeinsam dem Frieden dienen!“ DT/dsc
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