Während seiner elftägigen Afrika-Reise, die am 13. April beginnt, wird Papst Leo XIV. vom 15. bis 18. April Kamerun besuchen. Aus dem zentralafrikanischen Land stammt der Priester Michel Idriss Djama Mbida, Doktorand an der Kölner Hochschule für Katholische Theologie, der die Vorbereitungen des Papstbesuchs in seinem Heimatland intensiv verfolgt. Im Gespräch mit dieser Zeitung verweist er darauf, dass Papst Leo den Kontinent bereits gut kennt, da er in den letzten Jahren als Kardinalpräfekt des Dikasteriums für die Bischöfe und Generalprior des Augustinerordens mehrere afrikanische Länder bereist hat. Djama Mbida gibt sich überzeugt: „Papst Leo kennt den afrikanischen Kontinent nicht nur gut – er trägt ihn auch in seinem Herzen.“
Den Papstbesuch in Algerien bezeichnet der junge Geistliche als „historisch“, denn Leo XIV. werde „als erster Augustinerpapst in der Geschichte der Kirche bei seiner Reise nach Algerien auf den Spuren des Bischofs von Hippo – des heiligen Augustinus – wandeln. Man könnte sagen, er kehrt zu den ‚Wurzeln‘ zurück und ist der erste Nachfolger Petri, der Algerien besucht.“ Nur eine kleine Minderheit in Algerien – etwa ein Prozent der Bevölkerung – gehört dem christlichen Glauben an. Laut Djama Mbida sei insbesondere für diese Menschen die Anwesenheit des Papstes an ihrer Seite eine Quelle der Ermutigung und des Trostes in ihrem Glauben angesichts der heiklen Lage, in der sie sich befinden. „Da die Kirche universell ist, zeigt die Nähe des Papstes zu diesen Christen ihnen auch, dass jede Gemeinschaft, so klein sie auch sein mag, nicht unsichtbar ist, sondern für den Papst, für die Weltkirche und für Gott von Wert ist.“
Bildung von Kirche getragen
Im Gegensatz zu Algerien in Afrikas Norden ist der Anteil der Christen in Kamerun hoch: Zwischen 60 und 70 Prozent der etwa 30 Millionen Einwohner bekennen sich zur christlichen Religion. Djama Mbida, der 2019 aus Kamerun nach Deutschland kam, schildert sein Heimatland als „multikulturell“ – aufgrund einer Vielzahl unterschiedlicher Kulturen und verschiedener Religionen werde es oft als „Afrika im Kleinen“ bezeichnet. Konflikte bleiben da nicht aus – für die Vermittlung in Krisen gilt der interreligiöse Dialog als Schlüsselelement, um die Situation im Land stabil zu halten. Die Bischofskonferenz von Kamerun, der Oberste Rat der protestantischen Kirchen Kameruns und der Oberste Rat für islamische Angelegenheiten arbeiten eng zusammen.
In Kamerun spielt die christliche Kirche vor allem im Bildungswesen eine bedeutende Rolle. Der junge Geistliche berichtet: „Es wurden zahlreiche katholische Schulen errichtet, die zu den gefragtesten des Landes zählen, wie beispielsweise das Gymnasium Bonneau und das Gymnasium St. Charles Lwanga. Es gibt ebenfalls viele Kindergärten. Zu nennen sind auch die theologischen Fakultäten und christlichen Universitäten wie die Katholische Universität Zentralafrikas in Yaoundé, an der man in Philosophie oder Theologie promovieren kann. Zu erwähnen sind auch die Hochschulen wie das ‚Bonneau Supérieur‘ in Ebolowa, das den Studenten vielfältige akademische Möglichkeiten bietet. Im Rahmen ihrer Möglichkeiten sorgt die Kirche in vielen Orten für die Schulbildung bedürftiger Kinder.“
Problematisch: religiöser Synkretismus
Allerdings hat das Christentum vor Ort zahlreiche Herausforderungen zu bewältigen. Djama Mbida nennt als Hauptprobleme Armut und Arbeitslosigkeit, von denen weite Teile der Bevölkerung, insbesondere junge Menschen, betroffen sind. „Die Gemeinden unterstützen die Menschen im Glaubensleben: Sie stellen ihnen die Sakramente sowie die notwendige Begleitung in verschiedenen Situationen und für ihr geistliches Leben zur Verfügung. Zahlreiche Priester und Ordensschwestern legen für Gottesdienste manchmal viele Kilometer zu Fuß zurück und besuchen die Bedürftigen und Dorfbewohner.“ Ein weiteres Problem in Afrika ist der religiöse Synkretismus: Viele Gläubige halten an traditionellen Riten fest, die häufig im Widerspruch zum christlichen Glauben stehen. Weiterhin sind extremistische Bewegungen wie Boko Haram eine ernste Bedrohung.
Ein Lichtblick ist nun der Papstbesuch. Unmittelbar nach Ankündigung der Papstreise begannen in Kamerun die organisatorischen Maßnahmen auf mehreren Ebenen, berichtet Djama Mbida. Der Geistliche berichtet aus seiner Heimatdiözese Ebolowa in Südkamerun: „Bischof Philippe Alain Mbarga, Vizepräsident der Nationalen Bischofskonferenz und Bischof der Diözese Ebolowa, hat nicht nur alle Christen, sondern auch alle Kameruner dazu aufgerufen, den Besuch des Papstes im Gebet vorzubereiten, um die Gnaden zu empfangen, die der Heilige Vater mitbringt. In diesem Sinne werden den Christen anlässlich dieses Besuchs Gebete vorgeschlagen. Zudem werden in verschiedenen Pfarreien Pilgerfahrten im Zusammenhang mit dem Besuch des Heiligen Vaters organisiert. Gleichzeitig werden Maßnahmen getroffen, um den Gläubigen die Anreise zu erleichtern und ihre Teilnahme zu ermöglichen.“
Der Priester zeigt sich optimistisch, dass der Afrika-Besuch erhebliche Auswirkungen auf die gesamte katholische Kirche weltweit hat: „Dadurch zeigt der Papst, dass Afrika für die Zukunft der Weltkirche von zentraler Bedeutung ist. Er würdigt die afrikanischen Ortskirchen, die ein starkes Wachstum verzeichnen. Ebenso ist dieser Besuch ein starkes Zeichen der Gemeinschaft und der Verbundenheit zwischen Rom beziehungsweise dem Vatikan und den afrikanischen Christen. Dieser Besuch wird somit zu einem Motor, der nicht nur die Evangelisierung sowohl nach innen als auch nach außen neu belebt, sondern auch Priester- und Ordensberufungen fördert. Die afrikanischen Bischöfe können somit stärker ermutigt werden, Priester auszubilden, die offen für die Mission sind. Diese können nicht nur der lokalen katholischen Kirche dienen, sondern auch in Europa und überall dort, wo Bedarf besteht.“
Die Autorin ist freie Journalistin und Buchautorin.
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