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Zum Tod von Kardinal Darío Castrillón Hoyos. Von Claudia Kock
Dario Castrillon Hoyos , kolumbianischer Kurienkardinal
Foto: KNA | Dario Castrillon Hoyos , kolumbianischer Kurienkardinal, ist im Alter von 88 Jahren gestorben.

Am Donnerstag, dem 17. Mai, starb in Rom der emeritierte Präfekt der Kongregation für den Klerus, Kardinal Darío Castrillón Hoyos. Im Konklave von 2005 galt er als möglicher Nachfolger Johannes Pauls II. Als Präsident der Päpstlichen Kommission „Ecclesia Dei“ setzte er sich für die Wiedereingliederung der Anhänger der „Priesterbruderschaft St. Pius X.“ in die volle Gemeinschaft der katholischen Kirche ein und begrüßte das Motu proprio „Summorum Pontificum“, durch das Benedikt XVI. die Feier der lateinischen Messe kirchenrechtlich wieder fest in den Diözesen verankerte. In das Kreuzfeuer der medialen Öffentlichkeit geriet Castrillón Hoyos 2009 im Zuge der Affäre um die Aufhebung der Exkommunikation des Holocaustleugners Richard Williamson.

Darío Castrillón Hoyos wurde am 4. Juli 1929 im kolumbianischen Medellín geboren. Er besuchte das Priesterseminar der Diözese Santa Rosa de Osos, für die er 1952 in Rom zum Priester geweiht wurde. An der Päpstlichen Universität „Gregoriana“ promovierte er in Kirchenrecht und studierte Religionssoziologie, Wirtschaftspolitik und Wirtschaftsethik. Von 1954 bis 1971 war er in der Pastoralarbeit seiner Diözese tätig.

Am 18. Juli 1971 wurde Castrillón Hoyos zum Titularbischof von Villa Regis geweiht und wurde Koadjutor des Bischofs von Pereira, dessen Nachfolge er am 1. Juli 1976 antrat. Von 1992 bis 1996 war er Erzbischof von Bucaramanga. Der Literaturnobelpreisträger Gabriel García Márquez beschrieb Castrillón Hoyos als Bischof, der den Armen nahe war und die Drogenbosse bekämpfte: Er suchte nachts die Obdachlosen der Stadt auf, um ihnen Kaffee und Brot zu bringen, und brachte den örtlichen Polizeipräsidenten zu Fall, da er seine Praxis aufdeckte, Obdachlose einfach „verschwinden“ zu lassen. Zu dem berüchtigten Drogenboss Pablo Escobar soll er als Milchmann verkleidet Zugang gefunden haben. Eine tiefe Freundschaft verband Castrillón Hoyos mit dem Gründer von „Kirche in Not“, Pater Werenfried van Straaten, der ihn in seiner Arbeit unterstützte. 2003 hielt der Kardinal einen Nachruf auf Pater Werenfried im Limburger Dom.

1996 wurde Erzbischof Castrillón Hoyos an die Römische Kurie versetzt, zunächst als Pro-Präfekt der Kongregation für den Klerus. Zwei Tage vor seiner Ernennung zum Präfekten, am 21. Februar 1998, kreierte Papst Johannes Paul II. ihn zum Kardinal. Er vertrat den Papst als Sondergesandter bei zahlreichen Gelegenheiten, etwa bei der 1200-Jahr-Feier des Hohen Doms zu Aachen im Januar 2000. Castrillón Hoyos galt im Konklave von 2005 als möglicher Nachfolger Johannes Pauls II. Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ widmete ihm damals einen Artikel mit der Überschrift „Der Mediator“, in der neben seiner Loyalität zu Johannes Paul II., auch sein Einsatz gegen die Befreiungstheologie und sein Kampf gegen die Drogenbanden in Kolumbien hervorgehoben wurden. 2006 nahm Papst Benedikt XVI. Castrillón Hoyos‘ Rücktrittsgesuch als Präfekt der Kongregation für den Klerus an.

Als Benedikt XVI. im Januar 2009 die Exkommunizierung von vier Bischöfen der „Bruderschaft St. Pius X.“ aufhob, obwohl einer von ihnen, der Brite Richard Williamson, zwei Monate zuvor in einem Interview mit einem schwedischen Fernsehsender die Zahl der von den Nazis ermordeten Juden heruntergespielt und die Existenz von Gaskammern geleugnet hatte, geriet Castrillón Hoyos in die Kritik. Er war seit 2000 Präsident der Päpstlichen Kommission „Ecclesia Dei“; daher wäre es seine Aufgabe gewesen, den Papst davon zu unterrichten. Castrillón Hoyos‘ Aussage, er habe von dem Interview nichts gewusst, widersprach der Bischof von Stockholm, Anders Arborelius, der sagte, er habe den Vatikan schon im November 2008 über das Interview informiert. Die Frage wurde nie endgültig geklärt, sondern dadurch beigelegt, dass Castrillón Hoyos zu seinem 80. Geburtstag im Juli 2009 sein Rücktrittsgesuch aus Altersgründen einreichte, das von Benedikt XVI. angenommen wurde.

„Castrillón Hoyos“ war ein großer Befürworter des Motu proprio „Summorum Pontificum“, durch das Benedikt XVI. den „usus antiquior“ der lateinischen Messe als außerordentliche Form des Römischen Ritus ausdrücklich anerkannt hat. Vor der „Latin Mass Society“ sagte der Kardinal im Jahr 2008: „Lassen sie mich das ganz klar sagen: Der Heilige Vater will, dass die überlieferte Form der Messe regulärer Bestandteil des liturgischen Lebens der Kirche wird, damit alle Gläubigen – die jungen wie die alten – sich mit den alten Riten vertraut machen und von ihrer spürbaren Schönheit und Transzendenz profitieren können. Der Heilige Vater will das sowohl aus pastoralen als auch aus theologischen Gründen.“

Mit Kardinal Castrillón Hoyos ist ein Mann der Kirche heimgegangen, der trotz aller – vielleicht berechtigter – Kritik soziales und politisches Engagement verbunden hat mit einer großen Liebe zur Liturgie und zur Einheit der Kirche über alle spaltenden Tendenzen hinaus. So dankte er der „Latin Mass Society“ in der erwähnten Ansprache dafür, „dass Sie sich durch ihre Liebe für die klassische römische Liturgie nicht von der Einheit mit dem Stellvertreter Christi abbringen ließen.“

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