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Blind für die Zeichen der Zeit

In der gegenwärtigen Kriegszeit profitiert die deutsche Kirche zwar vom Zeugnis der polnischen Gläubigen. Der DBK-Vorsitzende Bätzing dagegen spielt nur alte Reizthemen.
DBK-Vorsitzender Bätzing spielt nur alte Reizthemen
Foto: Sebastian Gollnow (dpa)

Die Medien ändern seit einigen Tagen das Profilbild der Katholische Kirche. Auf dem Display erscheinen immer häufiger Christen, die Kriegsopfern unter die Armen greifen. Man liest Homestorys von Gläubigen, die Flüchtlinge aufnehmen, vermisst aber ein Wort der Anerkennung der Deutschen Bischofskonferenz.

Entschuldigung für Versagen der „Institution Kirche“

Indirekt profitiert die Kirche in Deutschland vom christlichen Zeugnis der polnischen Gläubigen, das wie eine milde Brise die eisige mediale Großwetterlage in Sachen Kirche wärmt. Die Zeichen der Zeit, die von der Synodalversammlung hervorgehoben wurden, fordern Respekt vor der Kirche in Polen. 

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Wer aber Bischöfe Georg Bätzings Hirtenwort zur Fastenzeit und sein aktuelles Interview in dem Boulevardblatt „Bunte“ liest, bekommt den Eindruck, die Kirche in Deutschland sei für die Zeichen der Zeit weitgehend erblindet. Abermals werden die alten Reizthemen gespielt. Bätzings Auffassung, der Katechismus solle Fragen der Morallehre ändern, paart sich mit Suggestion. Entgegen seiner Darstellung setzt die Kirche Homosexualität nicht pauschal mit Sünde gleich und differenziert zwischen Veranlagung und Praxis. Nicht minder eigenartig ist seine Entschuldigung für die „Institution Kirche“, die versagt habe. 

Der Leser gewinnt den Eindruck, hier entschuldige sich ein Bischöfe für die Lehre seiner Kirche. Bätzing unterschlägt, dass die katholische Lehre nach wie vor Menschen Orientierung bietet und Türen aus einer sündhaften Lebensweise öffnet. Sind die Priester, denen es im Bistum Limburg und anderswo gelingt, die Lehre gewinnend zu verkündigen und Menschen die Wahrheit des Evangeliums barmherzig zu vermitteln, für den Vorsitzenden quantité négligeable?

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