Rezension

Andrei von Klausenberg: Die Pflichten des Vaters

Ein Buch des rumänisch-orthodoxen Erzbischofs und Metropoliten Andrei von Klausenberg wirft ein neues Licht auf die Berufung zur geistlichen Begleitung – auch für westliche Christen. 
Byzanz-Ausstellung
Foto: dd (kna) | In der Orthodoxie findet die Beichte meist bei einer Christusikone statt.

Mit dem Titel „Beichte und Kommunion“ des rumänisch-orthodoxen Erzbischofs und Metropoliten Andrei von Klausenburg liegt endlich eines der wichtigsten Werke der orthodoxen Theologie in Rumänien seit dem Fall des Eisernen Vorhangs auf Deutsch vor.

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Die fast 250 Seiten umfassende Studie wurde dankenswerterweise von dem evangelischen Pfarrer Jürgen Henkel im Rahmen der von ihm initiierten Buchreihe „Deutsch-Rumänische Theologische Bibliothek“ übersetzt und herausgegeben. Warum empfiehlt sich diese Lektüre auch für westliche, insbesondere lateinische Christen? Weil, anders als der Titel es andeutet, dieses Werk die in der Ostkirche zentralen Sakramente behandelt. Das Buch bietet eine Fülle von Betrachtungen, die bei einem orthodoxen Theologen naturgemäß auf dem breiten Fundament der altkirchlichen und frühkirchlichen Väter gründen. Die Väter werden auch ausgiebig zitiert, ganz so, wie ein edler Brokatstoff mit lauter Goldfäden durchwebt wird.

Der Metropolit hat seine Studie mit dem aussagekräftigeren Untertitel „Seelsorge und Lebensbegleitung durch Geistliche Väter in der orthodoxen Glaubenspraxis“ in drei Hauptteile gegliedert: Im ersten Teil beleuchtet er die Buße, die auch in der Orthodoxie als das Sakrament der Versöhnung wie auch der Erneuerung der gesamten Gemeinschaft gilt, im Mittelteil den geistlichen Vater, der dieses Sakrament spendet und seine idealen Eigenschaften sowie Voraussetzungen, die er als geistlicher Vater mitbringen sollte und im dritten Teil geht es um die geistliche Kindschaft des Jüngers. Am Anfang seiner Ausführungen, noch vor der eigentlichen Ausführung zur Buße und Beichte, steht die Heilige Trinität und die Gemeinschaft mit Gott, wonach die heilige Dreifaltigkeit die Struktur der höchsten Liebe ist und ohne deren Vorhandensein es nicht möglich sei, überhaupt das Dasein der Liebe in der Welt zu erklären.

Folgen der Erbsünde

Auf der Grundlage dieser Überlegungen betrachtet der Autor die Sünde als die Zerstörung der Gemeinschaft mit Gott und den Menschen untereinander. Dabei geht er zu den Wurzeln zurück: zur Erbsünde und deren Folgen. Daran schließt sich eine Betrachtung der in der lateinischen Kirche sogenannten Todsünden an. Der Metropolit bezeichnet sie als „Leidenschaften“. Die orthodoxe Kirche versteht sich dabei als Anstalt, als das Lazarett für die erkrankte Seele. Sie stellt, wie die lateinische Kirche, durch das Sakrament der Beichte die Gemeinschaft mit Gott und den Mitmenschen wieder her. Gemäß der orthodoxen Tradition wird die Beichte des Gläubigen beim Priester und vor der Christus-Ikone in einer besonderen Ecke des Kirchenraums abgelegt, denn der Priester bezeugt lediglich, was der Pönitent vor Christus zu beichten hat.

Besonders bereichernd sind die tiefgehenden Überlegungen zum Wesen und dem konstitutiven Element der Beichte, denn in diesen Teilkapiteln erfährt der interessierte Leser Details darüber, wie der Beichtzeuge, der Priester also, mit dem Pönitenten umzugehen hat beziehungsweise wie der Pönitent eine gute Beichte ablegen soll. Zum Vollzug der Buße und deren besonderen Praxis zitiert der Autor aus dem Molitfelnic, wie das Euchologion auf Rumänisch genannt wird, wonach unter anderem die Buße auch milder ausfällt, wenn der Gläubige jünger als 30 Jahre alt ist und je nachdem, welche Fasttage er unter der Woche noch beachtet: neben Mittwoch und Freitag wäre auch der Montag ein solcher, man nennt dieses Fasten das Engelfasten zu Ehren der heiligen Engel.

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Pflichten des Priesters

Dass es sich dabei nur um eine Seite der Medaille handelt, dass dem Gläubigen eben auch ein erfahrener und in mehrfacher Hinsicht ausgezeichneter Geistlicher Vater beigesellt sein sollte, wird im zweiten Teil dieser Schrift klar: Der Metropolit geht auf die notwendigen Eigenschaften eines Seelsorgers ein, hinsichtlich seines Priestertums, seiner Moral und seiner intellektuellen Fähigkeiten. Dabei verweist er in einem weiteren Unterkapitel auf bedeutsame Pflichten des Priesters: Darunter die Pflicht zum Gebet für seine geistlichen Kinder und die Pflicht zur Liebe zu ihnen, ja sogar die Pflicht, die Lasten des Jüngers zu tragen.

Doch auch der beseelteste und bemühteste geistliche Vater kann freilich nichts ausrichten, wenn das geistliche Kind nicht über gewisse Zugänglichkeiten verfügt. Darum geht es im dritten Teil. Was macht die Jüngerschaft aus, was das geistliche Kindsein? Und worin bestehen die Pflichten eines Jüngers? In eigenen Unterkapiteln werden hierbei die Themen der Suche, des Gehorsams, der Liebe und dem Gebet für einen geistlichen Vater behandelt.

Abgerundet wird diese zu Recht gerühmte Arbeit des rumänisch-orthodoxen Metropoliten durch ein Glossar, ein Bibelstellenverzeichnis, ein Literaturverzeichnis und Hinweise des Übersetzers.


Metropolit Andrei von Klausenburg, der Maramuresch und Sălaj: Beichte und Kommunion.
Seelsorge und Lebensbegleitung durch Geistliche Väter in der orthodoxen Glaubenspraxis.
Aus dem Rumänischen übersetzt von Jürgen Henkel.
Schiller Verlag Bonn/ Sibiu, 2021, ISBN 978-3-946954-67-5, EUR 24, 90

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