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Die immer gleiche Platte

Betroffene von innerkirchlichem sexuellen Missbrauch werfen vielen Bischöfen vor, lediglich „Betroffenheitslyrik“ vorzutragen. Statt Synodalen Wegen erwarten die Opfer anderes.
Missbrauchsfälle in der Kirche
Foto: Thomas Frey (dpa) | Die Opfer von innerkirchlichem sexuellem Missbrauch verlangen Taten anstatt Worte.

Seit der Veröffentlichung des Missbrauchsgutachtens der Anwaltskanzlei WSW überschlagen sich im deutschen Episkopat zahlreiche Bischöfe mit Stellungnahmen und Wortmeldungen, die sich vom Sound her durch einen ganz bestimmten Vierklang auszeichnen: Man sei (übrigens vollkommen zurecht) „erschüttert“, „bestürzt“, „voller Scham“ und „betroffen“ über das Leid der Opfer von innerkirchlichem sexuellem Missbrauch, in der Kirche gehöre binnenstrukturell „alles auf den Prüfstand“, die kirchliche Sexuallehre sowie das kirchliche Arbeitsrecht müssten „selbstverständlich an die Lebensrealität angepasst“ werden. Und nun solle der Synodale Weg „es richten“. Vielfach wird ein weiterer, fünfter Ton angestimmt: „Papst Benedikt XVI. muss sich endlich seiner Verantwortung stellen, sich erklären und sich entschuldigen.“ 

Statt Opferbetreuung geht es um den Synodalen Weg

Jüngstes Beispiel für diese Form inhaltlicher Redundanz: Ein Brief des Speyerer Bischofs Karl-Heinz Wiesemann an die Gläubigen. Auch er zeigt sich „erschüttert“ über das den Missbrauchsopfern durch kirchliche Mitarbeiter zugefügte Leid, setzt sich für eine „radikale Umkehr und Erneuerung der Kirche“ ohne „Denkverbote und Tabuisierungen“ ein, plädiert für eine „viel stärker an der Lebenswirklichkeit der Menschen und den Erkenntnissen der Humanwissenschaften orientierte Sexuallehre, einschließlich einer Neubewertung der Homosexualität“. Am Ende bittet der Speyerer Bischof die Gläubigen, für einen erfolgreichen Verlauf des Synodalen Wegs zu beten, dessen Vertreter ab Donnerstag zusammenkommen werden.

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Während Politiker und Medienvertreter diese Art der sich stetig wiederholenden, beinahe wortgleichen bischöflichen Rhetorik abzunicken bereit sind, werden die Betroffenen des innerkirchlichen sexuellen Missbrauchs immer wütender.

Bischöfe sollen handeln, anstatt zu reden

Man kann es nur als beschämend bezeichnen, wenn man liest, wie sehr Richard Kick, Mitglied im Unabhängigen Betroffenenbeirat in der Erzdiözese München-Freising und selbst Missbrauchsbetroffener, mit dem Münchner Erzbischof, Kardinal Reinhard Marx, ins Gericht gehen muss: „Nach unserem ersten, persönlichen Gespräch 2010 haben Sie meinen Glauben und das Vertrauen in die Institution Kirche durch Ihre fehlende Hirtenseelsorge, Ihre nicht nur moralischen Versäumnisse und Ihre Untätigkeit völlig zerstört", schreibt Kick unmissverständlich und wirft Marx "verantwortungsloses 'Nicht'-Handeln" vor, das dazu geführt hätte, dass Täter nicht bestraft worden seien und Priester unbescholten beerdigt worden seien.

Auch Peter Bringmann-Henselder, Sprecher des Betroffenenbeirates im Erzbistum Köln, kritisierte sowohl einzelne Aussagen als auch das Verhalten von Kardinal Marx im Rahmen der vergangene Woche stattgefundenen Pressekonferenz zum Missbrauchsgutachten – und warf ihm „Rückfall in alte Muster“ vor.

Die Opfer von innerkirchlichem sexuellen Missbrauch verlangen Taten statt Worte: Wie zum Beispiel die Einrichtungen von diözesanen Ombudsstellen, das Gewähren von Akteneinsicht für Betroffene, eine Stärkung der Betroffenenbeiräte sowie eine angemessene finanzielle Entschädigung für das erlittene Leid. Nicht so sehr eine andere Kirche, wie diese von einigen Teilnehmern des Synodalen Weges intendiert wird, sondern schlicht und ergreifend Gerechtigkeit zu schaffen ist das Gebot der Stunde. Das wusste man allerdings seit 2010 – und ohne Synodale Wege.

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