Kardinal Müller: "Niemand hat das Recht, den Papst anzuklagen"

In der Debatte um den Umgang von Papst Franziskus mit der Missbrauchskrise innerhalb der katholischen Kirche nimmt der Kurienkardinal Gerhard Ludwig Müller den Papst in Schutz.

Gerhard Ludwig Müller verteidigt Papst
Kardinal Müller ruft alle Gläubigen dazu auf, gemeinsam auf eine Lösung der aktuellen Krise hinzuarbeiten. Denn diese schade der Glaubwürdigkeit der Kirche. Foto: Sven Hoppe (dpa)

In der Debatte um den Umgang von Papst Franziskus mit der Missbrauchskrise innerhalb der katholischen Kirche nimmt der Kurienkardinal Gerhard Ludwig Müller den Papst in Schutz. Zu den Vorwürfen des italienischen Erzbischofs Carlo Viganò, Franziskus habe von Gerüchten gewusst, sei diesen aber lange nicht nachgegangen, äußert sich Müller im Gespräch mit dem Nachrichtenportal „Vatican Insider“: „Niemand hat das Recht, den Papst anzuklagen oder ihn zum Rücktritt aufzufordern.“

Müller: Franziskus unternimmt alles Mögliche gegen Kindesmissbrauch

Zu den bestehenden Problemen und den Lösungswegen könne man zweifellos unterschiedlicher Auffassung sein, betonte der ehemalige Präfekt der Glaubenskongregation. Letzten Endes seien es jedoch die Kardinäle und andere Vertreter der katholischen Kirche, die dem Papst helfen oder ihn um Erklärungen bitten könnten. „Aber das muss im Privaten stattfinden, in einem angemessenen Umfeld, ohne daraus jemals eine öffentliche Kontroverse mit Angriffen zu machen, die die Glaubwürdigkeit der Kirche und ihrer Mission am Ende in Frage stellen“, so Kardinal Müller.

Müller erklärt weiter, er sei persönlich davon überzeugt, dass Papst Franziskus alles Mögliche unternehme, um gegen das Phänomen des Kindesmissbrauchs vorzugehen. Der 70-Jährige ruft alle Gläubigen dazu auf, gemeinsam auf eine Lösung der aktuellen Krise hinzuarbeiten. Denn diese schade der Glaubwürdigkeit der Kirche. Enttäuscht äußerte sich Müller dazu, dass immer von „sogenannten .Progressiven' und sogenannten ,Konservativen'“ gesprochen werde. „Wir sind alle vereint in der Offenbarung des Glaubens, und nicht in den Vorurteilen politischer Ideologien.“

"Wir brauchen eine verlässliche Informationsbasis"

Kardinal Müller äußerte sich auch zu den Missbrauchsfällen in der katholischen US-Kirche. Er hoffe, dass Franziskus dort eine Kommission aus Kardinälen ernennen werde, denen er vertraue, um die Situation genau zu untersuchen und auf der Basis verlässlicher Informationen Lösungsvorschläge zu machen. „Wir brauchen eine verlässliche Informationsbasis: Nur so können Entscheidungen für die Zukunft getroffen werden.“

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DT/mlu