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Kardinal Müller: Positive erste Synodenerfahrungen

Der deutsche Kurienkardinal schildert erste Erfahrungen von der Weltsynode.Diese sei durch die Beteiligung von Laien verändert worden.
Der deutsche Kurienkardinal Gerhard Müller
Foto: IMAGO/Maria Laura Antonelli / Avalon (www.imago-images.de) | Der Papst sei kein „Superbischof“, sondern „ein Bischof unter Bischöfen“, der das „Zentrum dieses Episkopates“ darstellt, meint Kardinal Müller.

Der deutsche Kurienkardinal Gerhard Ludwig Müller hat in einem am Donnerstagabend aufgezeichneten Interview mit dem US-amerikanischen Fernsehsender EWTN seine anfänglichen Erfahrungen auf der Welt-Bischofssynode im Vatikan geschildert.

Laut Müller seien seine Erlebnisse am Synoden-Tisch des ersten Sitzungstag „sehr gut“ gewesen. Daher habe er eine „gewisse Form des Optimismus“, erklärte der 75-Jährige. Allerdings müsse man abwarten, welchen Kurs die Synode am Ende einschlagen werde und „welche Entscheidungen hinter den Kulissen getroffen werden“, das sei „immer das Problem“, so der Kurienkardinal.

Keine „Doktrin des Papstes“

Durch die Beteiligung von Laien und anderen Nichtbischöfen an der Synodenversammlung im Vatikan habe sich jedoch „die Natur dieser Versammlung“ verändert, bemerkte Müller und erinnerte daran, dass die Bischofssynode ursprünglich eingerichtet worden sei, um eine „Form der Ausübung der Kollegialität der Bischöfe mit dem Papst“ zu schaffen. Der Papst sei nämlich kein „Superbischof“, sondern „ein Bischöfe unter Bischöfe“ der das „Zentrum dieses Episkopates“ darstellt. Daher wisse noch niemand, was es bedeute, dass nun auch Laien in der Bischofssynode das Stimmrecht innehaben. Sie sei daher mehr als ein bloßes Diskussionsforum für verschiedene Fragen.

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Müller kritisierte in dem Interview eine Äußerung seines "Nachnachfolgers" an der Spitze der vatikanischen Glaubensbehörde, Kardinal Victor Manuel Fernández. Dieser hatte davon gesprochen, dass Papst Franziskus ein besonderes Charisma habe und dass Bischöfe den Lehren des Papstes folgen sollten. Müller bemerkte, dass eine „Doktrin des Papstes“ nicht existieren könnte, also ein kein persönliches Lehramt einzelner Päpste gäbe. Die Kirche kenne „alleine die Doktrin Jesu Christi, die Doktrin der Apostel“, so Müller. Der Papst und die Bischöfe seien folglich dazu berufen, die überlieferte Lehre der Kirche zu verkünden.

Offenbarung ist einmal und für immer gegeben

Vor diesem Hintergrund erläuterte er, dass Papst Benedikt XVI. in seiner Zeit als Papst zwar theologische Werke schrieb, dabei besonders in seinen Jesusbüchern stets erklärte, dass diese seine persönliche Meinung beinhalteten und nicht als offizielle Lehre des Papstes gelten sollen. Die Päpste hätten zwar stets eine besondere Autorität in Glaubensfragen, aber keine besonderen Empfänger von „neuen Offenbarungen“: Die „Offenbarung ist einmal und für immer gegeben in Jesus Christus“, schloss der Kardinal. Von einer solchen Idee, wie sie der neue Präfekt ausdrücke, habe er in seiner langen Zeit als Professor für Dogmatik noch „nie gehört“.

Ebenfalls kritisierte er in dem Interview den „Druck“, der auf „rechtgläubige Bischöfe“ ausgeübt werde. Sie seien nicht „Delegierte“ des Papstes und sollten deshalb nur in solchen Fällen untersucht werden, „wenn etwas in der Doktrin falsch läuft, oder im moralischen Verhalten“. Visitationen zur „Disziplinierung“ von zu konservativen Verhalten seien unangebracht, denn „Bischöfe sollen rechtgläubig sein und nicht im politischen Sinne“ beurteilt werden, so Müller.

Kurienkardinal Gerhard Müller war von 2012 bis 2017 Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehre im Vatikan. An der Welt-Bischofssynode nimmt er auf Einladung von Papst Franziskus als stimmberechtigtes Mitglied teil. DT/jmo

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