Im Kranken das Gesunde erhalten

Angesichts der Krise der katholischen Kirche meint Kardinal Paul Josef Cordes: Niemand kann so blind sein zu behaupten, Welt und Gesellschaft brauchten nicht länger Gottes erlösendes Heil.

Kardinal Cordes zur Krise der Kirche
Es gilt, was Papst Benedikt XVI. gestand: „Die größte Verfolgung der Kirche erwächst aus den Sünden der Kirche“, betont Kardinal Cordes. Foto: Jochen Lübke (dpa)

Der Generalstaatsanwalt des US-amerikanischen Bundesstaates Pennsylvania, Josh Shapiro, hatte das „Fest der Aufnahme Mariens in den Himmel“ für seine Hiobsbotschaft gewählt: In den vergangenen 80 Jahren hätten über 300 Geistliche sich an mehr als 1 000 Kindern vergangen. Er sparte nicht mit schrecklichen Einzelheiten. Der Schock erschütterte die Kirche bis ins Mark.

Ein "Schwamm drüber" und ein "Aussitzen" kann nicht hingenommen werden

Dann kamen wenig später die skandalösen Taten ans Licht, mit denen der US-Kardinal McCarrick sich selbst und die Christenheit beschmutzt hat. Und deren Vertuschungen bis heute unsere Kirche bis in den Vatikan hinein belasten.

Beschämt möchten sich alle Glieder des mystischen Leibes Christi ducken. Wer brüstet sich schon, wenn seine Familie an den Pranger gestellt und angefeindet wird? Erst recht legen die ihre Hand wortlos auf den Mund, die der Herr seiner Kirche als Hirten gegeben hat. Doch ein „Schwamm drüber“ und ein „Aussitzen“ kann nicht wieder hingenommen werden. Stattdessen gilt, was Papst Benedikt XVI. gestand: „Die größte Verfolgung der Kirche erwächst aus den Sünden der Kirche“ (11.5.2010). Und Gott vergibt unsere Sünden nur, wenn wir sie zuerst bekennen.

Wenn der Bote unglaubwürdig ist, wer wird das Evangelium annehmen?

Außerdem: Niemand kann so blind sein zu behaupten, Welt und Gesellschaft brauchten nicht länger Gottes erlösendes Heil. Wenn aber der Bote unglaubwürdig ist, wer wird dann das Evangelium annehmen? Es ist Seiner Kirche anvertraut. Damit sind gerade deren geweihte Hirten zur Integrität gerufen.

DT

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