Sofia

Der Papst besucht das Armenhaus Europas

Anfang Mai reist Papst Franziskus nach Bulgarien. Doch die orthodoxe Staatskirche des Balkanlandes will von Ökumene nichts wissen.

Vorbereitungen zum Papst-Besuch in Bulgarien
Der letzte Papstbesuch in Bulgarien liegt bereits 17 Jarhe zurück. Damals kündigten Plakate noch die Ankunft des Pontifex Johannes Paul II. an. Foto: Georgi_Licovski (EPA)

Wenn Papst Franziskus am 6. Mai die bulgarische Kleinstadt Rakovski besucht, sind die beiden größten katholischen Kirchen des Landes viel zu klein. Von den 15.000 Einwohnern sind 13.000 katholisch. Man nennt den Ort nahe Plovdiv deshalb den „bulgarischen Vatikan“. Eine katholische Insel inmitten eines orthodoxen Meeres. Viele Bulgaren halten Katholiken grundsätzlich für Ausländer, so sehr werden Nation und Orthodoxie identifiziert.

Gesetzlich sind die orthodoxe Staatskirche und die Islamische Glaubensgemeinschaft privilegiert

Auch gesetzlich sind die orthodoxe Staatskirche, die 75 Prozent der Einwohner zählt, und die etwa zehn Prozent repräsentierende Islamische Glaubensgemeinschaft privilegiert. Minderheiten unter einem Prozent erhalten keine staatlichen Zuwendungen. Das gilt auch für die katholische Kirche, zu der sich in Bulgarien nach Schätzungen zwischen 45.000 und 70.000 Menschen bekennen.

Wenn Franziskus Anfang Mai das Balkanland besucht, wird er die harte Realität der Katholiken sehen. Die Bischöfe der bulgarisch-orthodoxen Kirche haben bereits entschieden, es nicht zu gemeinsamen Gebeten und Gottesdiensten kommen zu lassen. Der katholische Bischof von Plovdiv-Sofia, Georgi Jovcev, erzählt im Gespräch mit der „Tagespost“, er werde von orthodoxen Priestern als „Häretiker“ beschimpft. Die Gläubigen seien offen, aber viele Bischöfe und Mönche wollten von Ökumene gar nichts wissen.

Bischof Proykov: Papstbesuch ist für Katholiken ein große Freude

Der griechisch-katholische Bischof Christo Proykov sagt zur „Tagespost“, der bevorstehende zweite Papstbesuch innerhalb von 20 Jahren sei für die Katholiken eine große Freude, „weil wir erfahren, dass wir nicht vergessen sind“. Das arme Bulgarien sei das Tor zu Europa. „Bulgarien hat immer voll Hoffnung Richtung Westen geblickt, und zugleich Angst gehabt, was im eigenen Rücken passiert. Das war immer so.“ Diese Angst hat Gründe: Ein halbes Jahrtausend lebten die Bulgaren unter osmanischer Herrschaft, viele Jahrzehnte unter russischer Vormundschaft. Noch heute, zwölf Jahre nach dem EU-Beitritt, gebe es viele Menschen, die nostalgisch zurückblicken: „Es gibt viele Freunde Russlands.“ Und es gibt im Land auch nostalgische Türken und muslimische Bulgaren, die nach Ankara blicken.

Papst Franziskus werde im Zentrum von Sofia eine Friedensbotschaft an die Welt richten, verrät Bischof Proykov, „dort, wo auf einem Quadratkilometer eine orthodoxe Kirche, die katholische Kathedrale, eine Moschee und eine Synagoge stehen. Bei uns wird das als kleines Jerusalem bezeichnet.“ Eingeladen zu diesem Friedenstreffen sind Vertreter aller Religionen und Konfessionen. Ob die Orthodoxen daran teilnehmen, ist jedoch noch offen.

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DT/sb