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Kardinal von Jakarta: Auch Muslime freuen sich auf Papst

Der indonesische Kardinal Ignatius Suharyo Hardjoatmodjo spricht mit "Vatican News" über die anstehende Papstreise nach Ostasien im September.
Laut Kardinal Suharyo freuen sich nicht nur Katholiken, sondern auch indonesische Muslime auf den Besuch von Papst Franziskus.
Foto: IMAGO/Vandeville Eric/ABACA (www.imago-images.de) | Laut Kardinal Suharyo freuen sich nicht nur Katholiken, sondern auch indonesische Muslime auf den Besuch von Papst Franziskus.

Wenige Monate vor der Reise von Papst Franziskus nach Ostasien hat sich der indonesische Kardinal Ignatius Suharyo Hardjoatmodjo in einem Interview mit „Vatican News“ zur Religionsfreiheit in Indonesien geäußert. Suharyo spricht dabei über Indonesien als das weltweit größte Land mit muslimischer Mehrheit, die Beziehungen Indonesiens zum Vatikan sowie zum jüngst veröffentlichten Dokument des Dikasteriums für die Glaubenslehre „Dignitas infinita“.

Laut Suharyo habe nicht nur die katholische Gemeinde, die mit acht Millionen Katholiken 3,1 Prozent der Landesbevölkerung ausmacht, die Nachricht vom Papstbesuch in Indonesien „mit Begeisterung begrüßt“. Der Großimam der Istiqlal-Staatsmoschee sei einer der ersten gewesen, der den bevorstehenden Besuch von Papst Franziskus ankündigt habe.

Toleranter Islam

Über das Zusammenleben verschiedener Religionen in Indonesien erklärte Kardinal Suharyo, dass der Islam in Indonesien „nicht derselbe wie der Islam in anderen Ländern“ sei. Die beiden wichtigsten islamischen Organisationen in Indonesien, „Muhammadiyah“ und „Nahdlatul Ulama“ seien sehr offen und tolerant: „Das ist es, was unser Zusammenleben als Bürger bestimmt“. Er selbst habe sehr gute Beziehungen zu den religiösen Führern auf zentraler und regionaler Ebene.

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Grundsätzlich gebe es Religionsfreiheit in Indonesien. Die Realität sei jedoch von Ort zu Ort unterschiedlich. „Gegenwärtig scheint es dem Staat sehr ernst mit der Wahrung der Religionsfreiheit zu sein. Im Alltag leben wir also als normale Bürger. Wir können in verschiedenen Institutionen arbeiten, auch in staatlichen Einrichtungen“, so der Kardinal.

Wirklichkeit oft vom Ideal entfernt

Die religiöse Toleranz beruhe auf der „Pancasila“, der offiziellen, grundlegenden philosophischen Theorie Indonesiens, die bei der Unabhängigkeit des Landes 1945 als Grundlage des Staates festgelegt wurde. Unter den fünf Prizipien der „Pancasila“ befinden sich „der Glaube an den einen Gott“ sowie die „gerechte und zivilisierte Menschheit“. Die Pancasila als Grundlage des Landes mache die Einheit der indonesischen Bürger stark, stelle aber auch klar, dass Indonesien kein religiöser Staat, sondern der Einheitsstaat der Republik Indonesien sei.

Suharyo verwies auch auf das kürzlich erschienene Vatikan-Dokument „Dignitas infinita“. Die Aussagen von „Dignitas infinita“ seien für Indonesien im Besonderen und Asien im Allgemeinen sehr relevant. Zwar betone die „Pancasila“ die Achtung der Menschenwürde, die Wirklichkeit sei aber oft sehr weit von den in dem Dokument dargelegten Grundsätzen entfernt, „was auf politische, wirtschaftliche und vielleicht auch soziokulturelle Systeme zurückzuführen ist, die die Menschenrechte nicht achten.“ 

Der Erzbischof von Jakarta führt die guten Beziehungen zwischen dem Vatikan und Indonesien unter anderem darauf zurück, dass der Vatikan zu den fünf Ländern gehört, die als erste Indonesiens Unabhängigkeitserklärung anerkannt haben: Bereits 1947 gab es in Jakarta ein Apostolisches Delegat. Zum anstehenden Papstbesuch berichtet der Kardinal, er habe er den Katholiken die Wichtigkeit von der Anwesenheit Franziskus‘ ans Herz gelegt, und gleichzeitig ermahnt, „dass sie nicht vergessen sollen, ihr Wissen über seine Lehren zu vertiefen, die uns durch verschiedene Enzykliken und Apostolische Schreiben gegeben werden.“ 

Der Papstbesuch in Indonesien ist der Auftakt zu der längsten Reise des Pontifikats von Papst Franziskus: Am 6. September wird der Heilige Vater nach Papua-Neuguinea, Osttimor und Singapur weiterreisen. Die Rückkehr nach Rom ist am 13. September vorgesehen.  DT/jg

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