Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung PAPST-REISE IN DIE MONGOLEI

Einst rege Missionstätigkeit in Asien

Durch die Seidenstraßen übertraf die „Kirche des Ostens“ lange die katholische und die orthodoxe Kirche in ihrer geografischen Ausdehnung, weiß der Kirchenhistoriker Dietmar Winkler.
Vor Papst-Reise in die Mongolei
Foto: Ng Han Guan (AP) | Ein Kind läuft an einem Wandgemälde vorbei, das Papst Franziskus mit einer Darstellung des täglichen Lebens der Nomaden in mongolischer Sprache vor einer Kirche in Ulaanbaatar. Der Papst reist vom 31. August bis zum 4.

Als erster Papst reist Franziskus (von 31. August bis 4. September) in die Mongolei, ein mehrheitlich buddhistisches Land, in dem die Christen eine verschwindend kleine Minderheit darstellen. Der Salzburger Kirchenhistoriker, Ostkirchenexperte und Vorsitzende der Salzburg-Sektion der Stiftung PRO ORIENTE, Dietmar Winkler, weiß jedoch, dass es über viele Jahrhunderte auf dem Gebiet der Mongolei ein blühendes kirchliches Leben gab. Die „Kirche des Ostens“, die sich im Perserreich unabhängig von der übrigen Christenheit entwickelte, entfaltete hier eine rege Missionstätigkeit.

Mitte des 7. Jahrhunderts erreichten die ersten Missionare China und gründeten dort christliche Gemeinden. Zuvor hatte die Kirche im Gebiet der heutigen Mongolei Fuß gefasst. Die „Kirche des Ostens“ habe eine Vielzahl von Völkern umfasst, darunter iranische, syrische, türkische, mongolische und chinesische, so Winkler laut Stiftung PRO ORIENTE. Verbunden gewesen seien diese verschiedenen christlichen Kulturen durch die gemeinsame syrische (aramäische) Liturgie.

Zeitweise tolerante Mongolenherrschaft

Im 9. Jahrhundert jedoch verbot der chinesische Kaiser aus politischen Motiven das Christentum. Die zunächst in religiösen Belangen tolerante Herrschaft der Mongolen ermöglichte der Kirche im 12. und 13. Jahrhundert ein Comeback in Zentralasien und im Fernen Osten. Kublai Khan eroberte 1279 das chinesische Reich und begründete die Yuan-Dynastie, welche bis 1368 das Land beherrschte. Ostsyrische Christen hätten im nun mongolisch regierten Reich der Mitte oft eine Schlüsselrolle gespielt, so Winkler. 

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Genaue Zahlen über den damaligen christlichen Anteil an der Bevölkerung gebe es nicht, sagt der Experte. „Die Christen waren eine Minderheit, aber eine wichtige Minderheit. Verbunden durch die Seidenstraßen übertraf die ,Kirche des Ostens' damals die katholische und die orthodoxe Kirche in Bezug auf ihre geografische Ausdehnung sowie die Völker und das Spektrum der Sprachen bei weitem.“ Im Gebiet der Mongolei waren zu dieser Zeit mongolische Stämme ganz oder teilweise christlich.

Im Mittelalter hätten die Päpste noch davon gewusst und zumeist franziskanische Gesandte an den Mongolenhof in Karakorum entsandt, so Winkler. In der Vatikanischen Bibliothek fänden sich entsprechende Briefe des Patriarchen der Kirche des Ostens, Yahballaha III., unter dem diese Kirche über ganz Asien verbreitet war. „Die Briefe sind in mongolischer, uighurischer und arabischer Schrift erhalten“, so Dietmar Winkler.

Die Blütezeit des ostsyrischen Christentums in Zentralasien wurde im 14. Jahrhundert durch einen politischen Wechsel abrupt beendet: Als 1368 die chinesische Ming-Dynastie die mongolische Yuan-Dynastie ablöste, wurden sämtliche „Fremdreligionen“ ausgewiesen.  DT/Pro Oriente

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