Köln

Altar und Priestertum: Fakten kirchlichen Gottesdienstes

Die Anstrengungen der Bibelforscher, den christlichen Altar wegzuinterpretieren, seien obsolet, meint der Altertumswissenschaftler Stefan Heid. Die Anfänge von Altar, eucharistischem Opfer und Priestertum reichten bis ins Neue Testament zurück.

Altar und Priestertum: Seit  3. Jahrhundert Teil der Gottesdienste
Um seine Auffassung mit archäologischen und schriftlichen Quellen zu stützen, müsse er nicht lange graben, so Heid: „Das Neue Testament spricht klar vom christlichen ,Altar', und zwar im Hebräerbrief. Foto: Archiv

Altar, eucharistisches Opfer, Priestertum: Für den Altertumswissenschaftler Stefan Heid sind dies seit dem dritten Jahrhundert von niemandem bestreitbare Fakten kirchlichen Gottesdienstes und christlicher Kirchenstruktur, „egal ob im Westen oder im Osten“. Deren Anfänge reichten bruchlos bis ins Neue Testament zurück, so Heid im Gespräch mit der „Tagespost“. Diese These vertritt der Professor für Liturgiegeschichte und Hagiographie auch in seinem aktuellen Buch „Altar und Kirche – Prinzipien christlicher Liturgie“.

"Das Neue Testament spricht klar vom christlichen ,Altar'"

Um seine Auffassung mit archäologischen und schriftlichen Quellen zu stützen, müsse er nicht lange graben, so Heid: „Das Neue Testament spricht klar vom christlichen ,Altar', und zwar im Hebräerbrief. Die Anstrengungen der Bibelforscher, diesen Altar wegzuinterpretieren, sind obsolet.“ Darüber hinaus spreche Paulus im ersten Korintherbrief vom „Tisch des Herrn“. Damit sei zweifellos ein exklusiv für das Herrenmahl benutzter Sakraltisch gemeint, „und nicht, wie immer wieder behauptet wird, irgendeinen Esstisch“.

Auf die Frage, was das „ideologische Vorurteil“ gewesen sei, das dazu führte, dass die liberale Theologie diese Quellen nicht mehr ernst nehmen wollte, antwortet Heid: „Ich nehme an, dass die Abschaffung des Opfergedankens für die heilige Messe bei Luther nun ihren Tribut forderte. Ich wundere mich sowieso, weshalb in lutherischen Kirchen bis heute der traditionelle Altar – oft ein Wandaltar – für die Feier des Abendmahls beibehalten wurde, obwohl dort das Abendmahl eben nur als Mahl, nicht als Opfer gefeiert wird.“

Heid: Eucharistie war heiligster Kultvollzug der Christen

Für Heid, der auch Direktor des Römischen Instituts der Görres-Gesellschaft ist, hängt auch die „Hauskirchen-Frage“ eng mit der Altar-Frage zusammen. „Meines Erachtens müssen wir uns von dem Gedanken verabschieden, die Eucharistie sei eine jedermann verfügbare Mahlhandlung gewesen.“ Stattdessen sei sie der „heiligste Kultvollzug der Christen“ gewesen, den allein apostolisch autorisierte Personen vollziehen durften.

Warum die Einführung der Volksaltäre mit der vom Zweiten Vatikanum gewollten Liturgiereform keine Rückkehr zur Praxis der frühen Kirche darstellt, erfahren Sie in der aktullen Ausgabe der „Tagespost“ vom 11. April 2019. Kostenlos erhalten Sie diese Ausgabe hier.

DT