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Lil Nas X: Ein Provokateur, der angeblich nicht provozieren wollte

Er stellte Jesus in Drag dar: Doch die Kritik hieran kann der Erfolgsrapper beim besten Willen nicht verstehen.
Inszenierte sich in neuem Musikvideo als Jesus Christus: Rapper Lil Nas X.
Foto: IMAGO/Winston Tang (www.imago-images.de) | Inszenierte sich in neuem Musikvideo als Jesus Christus: Rapper Lil Nas X.

Es ist ein erstes Warnzeichen dafür, wie wenig Medienschaffende in der Popszene das Christentum tatsächlich verstehen. Und so trat Lil Nas X, ein 24-jähriger Rapper mit dem bürgerlichen Namen Montero Lamar Hill, kürzlich eine kleine Lawine los: Seine neue Single „J Christ“ ging mit einem Musikvideo online, in welchem sich Hill als Jesus Christus in Drag, in High Heels, mit spitzgefeilten langen Fingernägeln und einem Collier verkleidet, das das Wort „SEX“ buchstabiert. Er gewinnt ein Basketballspiel gegen den Teufel, tanzt als Cheerleader mit Engeln und hängt schließlich auch am Kreuz.

Auf TikTok die Kommunion aufs Kreuz genommen

In einem Statement kurz nach Release des Videos, erklärt der Rapper, er könne die Kritik nicht verstehen.Er habe gewusst, dass die Ästhetik des Videos Menschen verärgern würde, so Hill auf Instagram, doch er habe niemanden verspotten wollen. „Ich wollte einfach nur sagen, ich bin zurück wie Jesus“, so der Rapper. Auch, dass er in dem Video gegen den Teufel gewesen sei, habe er als Hinweis darauf verstanden wissen wollen, dass er nicht versuche, das Christentum zu beleidigen.

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Bereits im Vorfeld hatte Hill auf „X“, ehemals Twitter, gesagt, er sei „back like Jesus“ (dt.: wieder da wie Jesus), worauf Kritiker ihm vorwarfen, Religion als ein Marketing-Instrument zu nutzen. Hill ging auch auf ein weiteres Video ein, bei dem er eine Kommunion mit Crackern und Saft nachgeahmt hatte. Auch dieses war heftig kritisiert worden. Hill erklärte, er habe geglaubt, mit diesem Video „die Stimmung zu verbessern“. Der Rapper entschuldigte sich dafür und gab zu, nicht gewusst zu haben, was Kommunion eigentlich bedeute. „Ich will, dass meine christlichen Fans wissen, dass ich nicht gegen sie bin“, betonte Hill.

Christus ist kein Mythos für gute PR

Tatsächlich ist es nicht schwer, Hill abzunehmen, dass ihm nicht klar war, welche Reaktionen sein Musikvideo auslösen würde. Und sein Argument, dass auch andere Künstler Jesus dargestellt und sich als Jesus verkleiden hätten, entbehrt nicht einer gewissen Plausibilität. Allerdings hat Hill diese Provokation offenbar tatsächlich nicht als Provokation, sondern als reine künstlerische Ausdrucksform verstanden – ohne sich darüber Gedanken zu machen, dass der Glaube an Jesus Christus eben nicht nur ein netter Mythos, eine von vielen interessanten Gedankenspielen ist, der man die Bildsprache frech entlehnen kann, sondern für die in anderen Ländern Menschen ihr Leben hingeben.

Anders als viele andere Künstler, die mit dieser Art Motiven provozieren, hat Hill anscheinend nichts gegen Christen; er hängt im Gegenteil an seinen christlichen Fans. Das zeigt, wie fern die Welt manches Pop-Produzenten von der Realität des Christentums mittlerweile ist – und, dass es sich lohnen kann, Musikvideos wie „J Christ“ zu kritisieren, um Bewusstsein dafür zu schaffen. Immerhin zeigt das Statement, dass Hill sich seiner Unwissenheit ein Stück weit bewusst geworden ist: Vielleicht ist Dialog heute ja doch noch möglich.

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