Rezension

Daniel Mattson: Eine Wegweisung im LGBTIQ - Dschungel

Daniel Mattson legt in seinem autobiografischen Buch "Warum ich mich nicht als schwul bezeichne" tiefe Gedanken über Sexualität, persönliche Freiheit und die Lehre der Kirche vor.
Schwules Paar
Foto: imago stock&people (imago stock&people) | In dem neuen Buch "Warum ich mich nicht als schwul bezeichne" reflektiert der Amerikaner Daniel C. Mattson über die Schönheit der kirchlichen Sexuallehre.

Daniel Mattson ist Musiker. Sein Instrument ist die Posaune, und er beherrscht sie so gut, dass er nicht nur im Orchester spielt, sondern auch in Meisterklassen wie der am renommierten Konservatorium in St. Petersburg mitwirkt. Es ist also offenkundig, dass er nicht auf etwas reduziert werden kann, was man gemeinhin sexuelle Orientierung nennt. Tatsächlich lehnt Mattson es ab, als schwul bezeichnet zu werden. Der Grund für diese in einer Zeit vielfachen Outings ungewöhnliche Haltung ist genau dies, dass er nicht auf seine gleichgeschlechtliche Neigung beschränkt werden will. Das, was er ist, passt nicht unter den Begriff „homosexuell“. Seine Persönlichkeit ist umfassender als seine sexuelle Neigung, sie kann mit ihr weder vollumfänglich ausgedrückt, noch über sie definiert werden.

Kardinal Müller verfasste das Vorwort

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Tatsächlich wird dieser Standpunkt, wie Mattson in seinem Buch aufzeigt, auch von Menschen mit gleichgeschlechtlichen Neigungen geteilt, die keine kirchliche Bindung haben. Sie sind Teil einer noch kleinen, ihr Anliegen aber deutlich formulierenden Gruppe von Menschen, die ein Label, das ihr gesamtes Leben im Licht dieser Neigung deutet,  als unzureichend und einengend ablehnen.

Kardinal Gerhard Ludwig Müller hat es in seinem Vorwort zu diesem leicht lesbaren, facettenreichen Buch mit den Worten auf den Punkt gebracht, dass die „Identität im Personalausweis des Schöpfers nicht Gay oder Ähnliches sei, sondern Sohn und Freund Gottes“. Diese Definition fokussiert anstelle der geschlechtlichen Neigung die Beziehung zu Gott und wirkt deshalb öffnend und wegweisend. Sie ist im wahrsten Sinne des Wortes fruchtbar, so wie die intime Begegnung zwischen Mann und Frau offen für die Weitergabe des Lebens sein soll. Mattson ist überzeugt, dass diese Bestimmung Erlebnisräume erschließt, die Menschen wie ihm eine aufrichtende und ausrichtende Perspektive geben. Zugleich befreit sie sie aus der Autonomiefalle, die eine verengte Sicht über die eigene Persönlichkeit zur Folge hat und in die Verkrümmung in sich selbst führt, ein Prozess, den die gegenwärtig vorherrschende Sprache im Hinblick auf sexuelle Neigungen wirkmächtig beschleunigt.

Die kirchliche Sexuallehre gab dem Autor Freiheit

Mattsons Buch ist teils Autobiografie, teils Reflextion über die Lehre der Kirche. Sein Wissen im Hinblick auf die Kirchenväter, den Katechismus, die päpstlichen Lehrschreiben und den sogenannten Weg der Schönheit, auf den er immer wieder verweist, ist beeindruckend. Was Mattson jenen vorschlägt, die eine gleichgeschlechtliche Anziehung verspüren, entspricht dem Ideal der Heiligen Schrift. Er wirbt auch deshalb so engagiert für diese Ausrichtung am Wort Gottes, weil sie ihm, wie er immer wieder betont, Freiheit geschenkt hat. Diese Freiheit zeigt sich in einem, ungeachtet aller Schwierigkeiten und Versuchungen, lichteren, auf die himmlische Wirklichkeit verweisenden Lebensgefühl, dessen Strahlkraft der Autor auch anderen erschließen möchte.

Wie im angelsächsischen Raum häufig zu beobachten, ist die Sprache, was auch in der sehr guten deutschen Übersetzung von Willibrord Driever OSB deutlich wird, gerade dann, wenn es um komplexere Glaubenswahrheiten geht, verständlich, farbenreich, faszinierend und erleichtert so den Zugang zu diesen Themen sehr. Mattson macht klar, dass ein Leben, wie das von ihm gewählte, Herausforderungen mit sich bringt, die zu bewältigen es sich lohnt. Zugleich zeigt er auf, dass es auf diesem Weg der Begleitung bedarf, die der Autor bei „Courage International“ gefunden hat, einer Bewegung, die Menschen wie ihn in ein unterstützendes Netzwerk einbindet.

Kaum Bücher über enthaltsam lebende Homosexuelle Thema am Markt

Das Buch ist in einer Zeit, in der die Lehre der Kirche im Hinblick auf die Sexualität vielerorts kritisch gesehen oder gar nicht vermittelt wird, eine wichtige Hilfe für die Reflextion. Hierfür erweisen sich vor allem die zahlreich zitierten Quellen aus der Kirchengeschichte sowie von Autoren wie C.S. Lewis oder Josef Pieper als bestärkend und erhellend. Aber auch die Dokumente der amerikanischen Bischofskonferenz zum Thema werden manch einen aufmerken lassen, denn was dort hinsichtlich der Begleitung von Menschen mit gleichgeschlechtlichen Neigungen zu lesen ist, kann man hierzulande nicht in derselben Deutlichkeit hören. Dabei steht eine wichtige, von Mattson immer wieder formulierte Perspektive im Vordergrund: Ein Leben nach den Geboten Gottes weitet den Blick und verweist auf einen im Licht der Freiheit der Kinder Gottes gangbaren Weg. Im Blick auf die Schönheit der von Gott geschaffenen Welt wird die Sehnsucht des Menschen nach Ihm geweckt.

Die Lektüre dieses Buches macht nachdenklich und ist in jedem Fall erhellend, unabhängig davon, ob der Autor dem von ihm gewiesenen Weg selbst immer zu folgen vermochte oder dies in Zukunft vermag. Für dieses Themenfeld gilt, was Kardinal Sarah in seinem Vorwort zum Buch in so empathischer Weise zum Ausdruck bringt. Das Leiden an der Sünde kann zum Anlass werden, „die Gnade, den Herrn und die Schönheit der Lehre der Kirche kennenzulernen“, immer wieder neu.


Daniel C. Mattson: Warum ich mich nicht als schwul bezeichne. Wie ich meine sexuelle Identität entdeckte und Frieden fand. Media Maria, Illertissen, 2020, gebunden, 383 Seiten, ISBN 978-3-9479311-7-0, EUR 15,99

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