Nikosia

Zyperns Orthodoxie sucht Hilfe beim Papst

Orthodoxer Erzbischof beschuldigt die Türkei der „ethnischen Säuberung“ auf Zypern.
Papst Franziskus auf Zypern
Foto: Alessandra Tarantino (AP) | Papst Franziskus kommt zu einer Feier in die orthodoxe Kathedrale Apostolos Barnavas. Franziskus befindet sich auf einer fünftägigen Reise nach Zypern und Griechenland.

Die ökumenische Begegnung mit der auf Zypern dominierenden Orthodoxie pflegt Papst Franziskus am Freitag, dem zweiten Tag seines Besuchs auf der geteilten Insel im östlichen Mittelmeer. In den Morgenstunden besuchte der Papst den Primas dieser autokephalen Kirche, den orthodoxen Erzbischof von Zypern, Chrysostomos II., der als ökumenisch aufgeschlossen gilt und 2010 auch Gastgeber für Papst Benedikt XVI. war.

„In ihrer Barbarei die Hunnen übertroffen“

Beim gemeinsamen Besuch in der orthodoxen Kathedrale von Nikosia legte Chrysostomos II. dem Papst in Anwesenheit von katholischen und orthodoxen Bischöfen und Gläubigen seine Sicht des Zypern-Konflikts dar. Die bereits im ersten Jahrhundert entstandene Kirche auf Zypern erlebe seit der Teilung im Jahr 1974 eine schwere Zeit. „Die Türkei hat uns barbarisch angegriffen, unsere Landsleute wurden aus ihren Elternhäusern vertrieben, unsere Kirchen wurden den Flammen übergeben“, sagte der orthodoxe Erzbischof wörtlich.

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Chrysostomos II. warf der Türkei in scharfen Worten vor, „eine ethnische Säuberung hier auf Zypern“ durchzuführen. „Die Türken haben unsere historischen byzantinischen Kirchen mit den Ikonen der Heiligen konfisziert, haben die Priester ausgeplündert und unsere historischen Namen ersetzt. Wo unsere griechische und christliche Kultur war, dominiert jetzt seit einem halben Jahrhundert die asiatische Steppe.“ Die Türken – gemeint ist die Türkei und die nur von ihr anerkannte und unterstützte Türkische Republik Nordzypern – hätten „in ihrer Barbarei sogar die Hunnen übertroffen“. Das Oberhaupt der zypriotischen Orthodoxie sprach in diesem Kontext von einem „kirchlichen Golgotha“ und bat den Papst nachdrücklich um seine aktive Unterstützung: „Wir warten mit Ungeduld auf Ihre Hilfe, Eure Heiligkeit! Es geht um die Werte unserer christlichen Kultur, die heute auf brutale Weise von der Türkei vergewaltigt werden.“ 

Papst Franziskus ging in seiner Ansprache in der orthodoxen Kathedrale nur indirekt auf den Zypern-Konflikt ein: „Eure Traurigkeit und eure Freuden gehören zu uns.“ Ohne konkreter zu werden, wandte sich der Papst gegen die „Verabsolutierung bestimmter Sitten und Gebräuche“, gegen Irrtümer und Vorurteile. Jahrhunderte der Teilung hätten dazu geführt, dass Vorurteile gewachsen seien und durch eine polemische Literatur gefördert wurden. Eindeutig mit Blick auf die katholisch-orthodoxe Ökumene mahnte Franziskus zu „immer größerer Einheit und Brüderlichkeit“. Weil Kirche Gemeinschaft sei, sei die synodale Dimension für die Kirche konstitutiv.  DT/sba

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