Regensburg

Papstbesuch: Voderholzer zieht positive Bilanz

Sowohl für den emeritierten Papst wie auch für seinen Bruder sei das Zusammentreffen „sehr aufbauend und stärkend“ gewesen, so der Regensburger Bischof Voderholzer. Benedikt ist indes wieder im Vatikan eingetroffen.

Der Regensburger Bischof Voderholzer zum Papst-Besuch
Der Regensburger Bischof dankte auch den Journalisten. Diese hätten „zurückhaltend“ berichtet und dazu beigetragen, „dass diese im Kern private Reise auch eine private bleiben konnte". Foto: Bistum Regensburg

Der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer hat eine positive Bilanz zum überraschenden Besuch des emeritierten Papstes Benedikt XVI. in Regensburg gezogen. Mit der Rückreise in den Vatikan am späten Vormittag endete „ein unvorhergesehener, auf die Schnelle zu planender, für alle Beteiligten herausfordernder aber letztlich hervorragend verlaufener und vor allem hoch emotionaler Besuch“, so Voderholzer in einer Stellungnahme, die er im Garten des Bischöflichen Ordinariats in Regensburg abgab. Er sei sehr erleichtert und freue sich, dass die Begegnung sowohl für den emeritierten Papst wie auch für seinen Bruder „sehr aufbauend und stärkend“ gewesen sei, und dass der Aufenthalt ohne Zwischenfälle über die Bühne ging.

Voderholzer: Werden gut auf seinen Bruder schauen

Benedikt XVI. befindet sich bereits wieder im Vatikan. Gegen 13 Uhr landete der Sonderflieger der italienischen Luftwaffe auf dem Flughafen Ciampino. Benedikt wurde anschließend in seine Residenz im Vatikan gebracht. Vor dem Abflug hatten ihn noch der Regensburger Bischof sowie der bayerische Ministerpräsident Markus Söder am Flughafen in München verabschiedet. Er habe ihm Gottes Segen für einen guten Flug gewünscht und versprochen, „dass wir gut auf seinen Bruder schauen werden“, so Voderholzer. Am Montagmorgen waren die Ratzinger-Brüder zum letzten Mal vor der Rückreise Benedikts zusammengetroffen.

Es sei die Zuneigung zu seinem schwerkranken Bruder Georg gewesen, die Benedikt zu der Reise bewogen habe, so Voderholzer weiter. „Man möchte jedem eine solche Zuneigung und die Erfahrung einer solchen Beziehung, ein so brüderliches Miteinander wünschen.“ Das Verhältnis der Ratzinger-Brüder nannte er „emotional aber nicht sentimental“. Die Beziehung lebe von Treue, Vertrauen und Selbstlosigkeit. Jede ihrer neun Begegnungen habe beiden „ganz offenkundig Lebenskraft, neuen Mut und Freude vermittelt“.

Seine Gedanken sind völlig klar

In seiner Bilanz nannte Voderholzer den emeritierten Papst einen Brückenbauer, „der mit seiner stillen, ja demütigen Art und vor allem durch sein Wort Menschen gewinnen konnte, die Begegnung mit Christus zu suchen“. In den Tagen des Besuchs habe man den „großen Mann des Geistes in seiner Gebrechlichkeit, in seiner Altersschwäche und seiner Endlichkeit erlebt“. Benedikt spreche mit „leiser, fast flüsternder Stimme, und auch die Artikulation bereitet ihm sichtlich Mühe“. Seine Gedanken seien aber „völlig klar“. Doch für praktisch alle alltäglichen Lebensvollzüge sei der Emeritus auf die Hilfe anderer angewiesen. Es gehöre viel Mut, aber auch Demut dazu, meinte Voderholzer, „sich so in die Hände anderer Menschen zu geben und sich auch in der Öffentlichkeit zu zeigen“. Benedikt sei klar gewesen, „dass man ihn nicht ganz würde verbergen können“.

Es sei zu spüren gewesen, „wie sehr Benedikt aufblühte, wenn er die vertraute Landschaft, die vertrauten Gassen und Wege und vor allem die Menschen durch die Scheiben seines Transportautos sah“. Dass so viele am Straßenrand zusammengekommen waren, habe ihn außerordentlich bewegt. Seine verbliebene Kraft habe Benedikt vollständig mobilisieren müssen, um Abschied zu nehmen. „Benedikt begegnete uns in all seiner gealterten Schwäche und wir durften dabei erfahren und Miterleben, was bei aller menschlichen Größe und Schaffenskraft am Ende aller Tage wirklich wichtig ist.“ 

Bewegendes Ereignis für die Christenheit

Der Regensburger Bischof dankte auch den Journalisten. Diese hätten „zurückhaltend“ berichtet und dazu beigetragen, „dass diese im Kern private Reise auch eine private bleiben konnte, und doch ein bewegendes Ereignis wurde für viele Regensburger, für die ganze Region, sogar für die Christenheit“.

Benedikt war am Donnerstag überraschend nach Regensburg gereist, um seinen Bruder zu besuchen. Der Gesundheitszustand des langjährigen Kapellmeisters der Regensburger Domspatzen hatte sich zuletzt sehr verschlechtert. Beim Besuch des emeritierten Papstes handelt es sich um eine rein private Visite. Öffentliche Auftritte sind nicht vorgesehen. Der Besuch des Papa Emeritus in Regensburg ist die erste Reise außerhalb Italiens und des Vatikans seit seiner Abdankung 2013.

DT/mlu

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen. Kostenlos erhalten Sie die aktuelle Ausgabe hier .