Hamburg

Die Finanzkrise im Erzbistum Hamburg verschärft sich

Die Kirchensteuer bricht ein. Das Erzbistum Hamburg hat besonders große Verluste zu verzeichnen. Erzbischof Heße gerät immer stärker unter Druck.

Finanzielle Notlage im Erzbistum Hamburg
Bei Kirchensteuereinnahmen im Erzbistum Hamburg werden 2020 von geplanten 120 auf 105 Millionen Euro sinken. Foto: Daniel Bockwoldt (dpa)

Die seit mehreren Jahren akute Finanzkrise des Erzbistums Hamburg spitzt sich pandemiebedingt zu: Um elf Prozent niedriger sollen die Einnahmen aus Kirchensteuern im laufenden Jahr 2020 wegen der Corona-Krise ausfallen, teilte der seit dem 1. April dieses Jahres amtierende Verwaltungsdirektor des Erzbistums, Alexander Becker, dieser Zeitung mit. Demnach werden die Kirchensteuereinnahmen von geplanten 120 auf 105 Millionen Euro sinken.

Versäumnisse in Köln

Die sich verschärfende Finanzkrise trifft das Erzbistum in einem heiklen Augenblick. Der vor fünf Jahren von Köln in die Hansestadt gewechselte Erzbischof Stefan Heße steht medial in der Kritik. Mit Blick auf seine Tätigkeit als Personalchef im Erzbistum Köln werden dem Erzbischof Versäumnisse im Blick auf die Vertuschung von sexuellen Missbräuchen vorgeworfen. Empörung unter Hamburger Katholiken lösten Heßes Äußerungen kürzlich aus, Jesus sei „nicht als Mann, sondern als Mensch“ auf die Welt gekommen. Auch die öffentliche Unterstützung Heßes für die Priesterweihe von Frauen im Rahmen der „Initiative Maria 2.0“ oder sein Werben für die Segnung von homosexuellen Paaren kamen bei gläubigen Katholiken nicht gut an. Im Kern der Vorwürfe heißt es immer, der Bischof vertrete nicht mehr pflichtgemäß das katholische Lehramt.

Wenig Hoffnung auf gelingende Reformen

Nach seinem Amtsantritt vor fünf Jahren hatte Erzbischof Heße einen Reformprozess angestoßen. Angesichts der seiner Analyse nach „desaströsen Situation“ im Erzbistum sollte in Form des so genannten „pastoralen und finanziellen Orientierungsrahmens“ eine Besserung eintreten. Die bekannt gewordenen Kirchenaustrittszahlen auf Rekordniveau, sinkende Kirchensteuereinnahmen und Besucherzahlen der Sonntagsmessen auf niedrigstem Niveau (unter fünf Prozent der Kirchenmitglieder), lassen wenig Hoffnung aufkommen, dass der Reformprozess gelingt. DT/reg

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