Augsburg

Augsburger Bischof: Wie kann zölibatäres Leben heute gelingen?

Der neugeweihte Bischof von Augsburg, Bertram Meier, äußert sich skeptisch gegenüber den Bemühungen um das Frauenpriestertum und beklagt ungesunde Lebensweisen bei Priestern.

Bertram Meier
Nachdem die für März geplante Bischofsweihe coronabedingt verschoben werden musste, wurde Bertram Meier nun am 6. Juni in Augsburg zum neuen Bischof der Diözese geweiht. Er will ein Hirt sein, der nah bei den Schafen bleibt. Foto: Karl-Josef Hildenbrand (dpa)

Der neue Augsburger Bischof Bertram Meier plädiert dafür, in den aktuellen Debatten um den priesterlichen Zölibat vor allem die Frage nach einer gesunden Gestaltung dieser Lebensform in den Mittelpunkt zu stellen. „Ich denke, dass wir den Zölibat durchaus diskutieren können“, sagte Meier im „Stadtgespräch“ mit dem Augsburger Sender a.tv.

Wie kann Priestertum erfüllt und glückich gelebt werden?

Allerdings gehe es gar nicht so sehr um Pro und Kontra, sondern darum, zu schauen, wie zölibatäres Leben heute gelingen könne. „Wie gesund ist unsere priesterliche Lebensform? Viele meiner Mitbrüder leben ungesund. Und zwar dadurch, dass sie zwar äußerlich ohne Frau leben und auch das Zölibat einhalten, aber oft wie Maschinen im roten Bereich arbeiten“, so der Bischof. Seiner Einschätzung und Erfahrung nach sei das Thema Sexualität und intime Partnerschaft nicht entscheidend in diesem Punkt. Wichtig sei, gute Freunde zu haben. Zu einer „echten, schweren Last“ und Krisen würde der Zölibat vor allem dann führen, „wenn wir ungesund leben, leiblich aber auch psychisch“. Der Zölibat sei auch nicht zuerst ein geschichtliches Produkt. Zu Beginn stünden die Evangelischen Räte. Heute gehe es darum, „wie wir unseren Priestern, vor allem den jungen Mitbrüdern, die oft unter Überlastung leiden, so eine Lebensform garantieren können, dass es sie glücklich und erfüllt macht, Priester zu sein“.

Gegenüber der Möglichkeit eines Frauenpriestertums äußerte sich Meier „sehr sehr skeptisch“. Mit seinem Dokument „Ordinatio sacerdotalis“ habe Johannes Paul II. festgeschrieben, was in der Kirche Jahrhunderte lang gängige Praxis gewesen war. „Es ist unrealistisch, jetzt hier weiter zu diskutieren oder gar zu sagen: ,Steter Tropfen höhlt den Stein‘.“ Auch gegenüber dem Diakonat für Frauen zeigte sich der Augsburger Bischof im Blick auf die Einheit des dreistufigen Weihesakramentes kritisch.

„Ich glaube, dass jemand nur
ein guter Hirte sein kann, wenn er nah
bei seinen Schafen ist“

Insgesamt betonte Meier seine Verbundenheit mit der Weltkirche. Seine Studien- und Arbeitszeit in Rom habe ihn in dieser Hinsicht geprägt. Viele Themen, die sich auch in Deutschland stellen, möchte der Augsburger Bischof „in den Rahmen und Horizont der Weltkirche stellen“. Auch beim Synodalen Weg, bei dem zwar in einer Art parlamentarischer Form über die erarbeiteten Texte der Foren abgestimmt werde, sei eine Rückkopplung mit Rom nötig. Man müsse schauen, was lehramtlich festgelegte Fragen seien und was man ändern könne und dürfe.

Seinem neuen Amt sieht der neue Bischof von Augsburg sowohl mit Freude als auch mit Respekt entgegen. Auch ein Bischof bleibe immer Mensch. „Ich glaube, dass jemand nur ein guter Hirte sein kann – so verstehe ich mich – , wenn er nah bei seinen Schafen ist, wenn er sich zu seinem Mensch-Sein bekennt“, so Meier. Seinen Dienst wolle er in katholischer Wertschätzung der Vielfalt in seinem Bistum so leisten, „dass es mir gelingt, möglichst viele mit auf den Weg zu nehmen“. Bertram Meier wurde am 6. Juni als Nachfolger von Konrad Zdarsa zum Bischof von Augsburg geweiht.

DT/ama

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