Würzburg

"Die Frau hat eine ganz eigene Berufung"

Kein Amt dieser Welt schenkt jemandem Würde, meint Dorothea Schmidt von der Initiative "Maria 1.0". Vielmehr müsse die Frau wieder als Frau wahrgenommen und als solche geschätzt werden.

Frauen in der Kirche
Die Kirche darf mehr delegieren und abgeben und Frauen mehr zutrauen, auch leitende Tätigkeiten, meint Dorothea Schmidt. Zum Beispiel als Psychologinnen, Coaches oder Organisatorinnen in den Gemeinden und Pfarreien. Foto: fotolia.de

Frau Schmidt, wie sehen Sie die Rolle der Frau in der Kirche?

Frauen dürfen sich mehr in der Kirche einbringen. Sie muss aber wirklich Frau sein dürfen und sie selbst sein und nicht dem Mann nachstreben und ihm möglichst ähnlich werden wollen (sollen). Gerade Frauen können nach außen das wahre Antlitz der Kirche neu repräsentieren. Genau wie jeder Nicht-Priester sich in die Kirche einbringen kann, sollen das Frauen auch tun, auf ihre Art. Das hat nichts mit Ämtern zu tun. Die Frau hat eine ganz eigene Berufung, Persönlichkeit und Stärke, die unbedingt mehr Beachtung finden muss. Eine Welt mit Männern allein würde funktionieren, es würden aber Wärme, Emotionalität, Schönheit fehlen.

"Die Frau darf nicht zur Funktionärin
degradiert werden, indem man ihr suggeriert,
ein Amt würde ihr zu mehr Würde verhelfen"

Die Frau darf nicht zur Funktionärin degradiert werden, indem man ihr suggeriert, ein Amt würde ihr zu mehr Würde verhelfen. Kein Amt dieser Welt schenkt jemandem Würde. Die hat Gott jedem Einzelnen schon längst gegeben, und die kann ihm niemand niemals nehmen! Die Frau muss wieder als Frau wahrgenommen, als solche geschätzt werden. Auf Frauen, die „nur“ Mütter sind, schaut man herab. Dabei leisten gerade sie den wertvollsten Beitrag der Welt. Die Keimzelle der Gesellschaft wächst und gedeiht gesund oder geht ein mit der Aufgabe und der Tätigkeit der Mutter. Sie ist die erste Katechetin und Verkünderin der Botschaft Jesu unserer Kinder. Die Kirche müsste die erste sein, die Frauen stärkt und ihnen hilft, ihre Berufung zu leben. Die Haltung der Frau muss immer auf Gott gerichtet sein. Vorbild dafür ist Maria. So war sie fruchtbar wie eine Frau es nur sein kann

Was müsste sich ändern, damit mehr Frauen Leitungspositionen in der Kirche übernehmen (können)?

Die Kirche darf mehr delegieren und abgeben und Frauen mehr zutrauen, auch leitende Tätigkeiten, zum Beispiel als Psychologinnen, Coaches, Organisatorinnen/Managerinnen in Gemeinden, im Priesterseminar, in der Lehre. Die Weiblichkeit der Frau ist gefragt in der Trauerarbeit und in der Arbeit mit alten Menschen. Frauen könnten in der Priesterausbildung aktiv sein oder im Religionsunterricht. Sie könnten mehr in der Ehe- und Familienpastoral tätig werden. Ihre Empathie ist so wertvoll. Sie tut sehr viel (unbezahlt) aus dem Herzen heraus tut und aus Liebe. Die Kirche müsste das viel mehr nach außen hin wertschätzen und könnte darüber nachdenken, gewisse Dienste zu bezahlen und damit zeigen, dass sie wertvoll sind. Dann wäre die Frau viel weniger geneigt, nach bestimmten Ämtern zu streben, um die Anerkennung zu bekommen, nach der sie dürstet.

"Voraussetzung jeder Tätigkeit ist
  die Hingabe an Jesus, der alles geben will,
wonach unser Herz sich sehnt"

Voraussetzung jeder Tätigkeit ist daher die Hingabe an Jesus, der alles geben will, wonach unser Herz sich sehnt. Erfüllt mit ihm kann sie fruchtbar wirken und die Welt im Glauben erneuern helfen. Nur die Frau kann der Kirche das Weibliche geben, ohne das die Kirche verblühen würde. Das ist eine große Auszeichnung! Sie darf nicht zur Funktionärin degradiert, sondern muss wieder zur Frau erhoben und als solche (!) mehr gewürdigt werden.

Wie müsste das Miteinander von Frauen und Männern in der Kirche gestaltet sein, damit wir in unserer Zeit glaubwürdig das Evangelium verkünden können?

Glaubwürdig ist Kirche nur, wenn sie ausstrahlt was sie bezeugen soll; nämlich, Freude, Glauben, Begeisterung, weil Jesus das Herz der Gemeinschaft ist. Glaubwürdig ist Kirche nur, wenn sie auf dem aufbaut, was Jesus gestiftet hat – und nicht, wie Menschen meinen, Jesus korrigieren zu können und eine Kirche gestalten, die anderen nach dem Mund redet, dem Mainstream folgt. Nur wenn Männer und Frauen auf Jesus schauen und wie damals Maria mit den Aposteln gebetet und auf den Heiligen Geist gewartet hat, so dürfen Männer und Frauen heute mit Maria beten und warten auf das Wirken des heiligen Geistes. Für Gott ist nichts Unmöglich. Wir müssen wieder vertrauen und glauben lernen. Der Kern aller Tätigkeiten muss der Wunsch sein, anderen zu dienen und in den Herzen der Menschen Gottes Liebe zu entfachen.

"Frau-und Mannsein sind leibseelische Wirklichkeiten,
die ihren Ausdruck finden in unterschiedlichen
Denkweisen, Emotionen, Talenten und Aufgaben"

Das bedeutet, dass man zuerst selber Jesus kennen- und lieben lernen und ihn als Gott anerkennen muss. Er selbst ist die nie versiegende Quelle der Erneuerung der Kirche. Er spricht Mann und Frau eine je unterschiedlichen Ruf zu. Diesen heißt es neu zu entdecken und anzunehmen. Dass Gott Mann und Frau erschaffen hat, war keine Beliebigkeit. Frau-und Mannsein sind leibseelische Wirklichkeiten, die ihren Ausdruck finden in unterschiedlichen Denkweisen, Emotionen, Talenten und Aufgaben. Die Unterschiedlichkeit der Geschlechter ist mehr als nur ein anderes Chromosom - macht eine Gesellschaft und Kirche überhaupt lebensfähig; sie kann (geistig) nur wachsen und reifen in der Vielfalt.

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