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Josef Wagner: Mitfühlen heißt, sein Herz zu geben

Wer mitfühlt im Sinne Jesu, lässt sich bewegen und ändert sein Leben.
Ein Herz in den Händen steht für Mitgefühl.
Foto: Michael De Groot /Pixabay | Ein Herz in den Händen steht für Mitgefühl. (Das Bild wurde mit AI generiert.)

Sucht man nach einem Symbolbild für das Wort Mitgefühl, wird dies meistens mit dem Motiv einer Hand ausgedrückt, die ein Herz hält. Die Geste deutet an, ein Herz schützend zu halten oder jemandem das Herz zu geben. Mitfühlen oder Empathie zeigen heißt ja, sein Herz zu geben. Ich setze mich der Situation eines Menschen in Not mit meinem Herzen aus und mache mich verwundbar. Diese Haltung eines sich selbst gebenden Herzens führt Jesus für alle sichtbar im Evangelium vor.

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Was es heißt, ein gebendes Herz zu haben, wird in Jesu Grundhaltung deutlich: sich nicht vom Leid abzuwenden, sich dem Aussätzigen zuzuwenden und ihn anzusehen. Jesus nimmt den Aussätzigen ernst, wenn er ihn nach seinem Willen fragt und dementsprechend handelt.

Wesensveränderung

Jesus hat kein „Helfer-Syndrom“, das auf jedes Symptom immer die passende Medizin weiß, sondern er sieht direkt in den Menschen vor ihm. Ihm geht es auch nicht um die Publicity seines Wunders und die große äußere Wirkung, weshalb er dem Geheilten einschärft, nicht darüber zu reden. Im Vordergrund steht die starke Beziehung zwischen dem Aussätzigen und Jesus, die zwar nicht zeitlich lang dauerte, aber eine lebensverändernde Wirkung nach sich zieht.

Mitfühlen im Sinne Jesu heißt, nicht zuerst an die eigenen Gefühle und Regungen zu denken, sondern sich bewegen zu lassen. Wie oft lasse ich in meine kleine Komfortzone das kleine alltägliche Leid der anderen, aber auch das große Leiden der Kriege und des Terrors? Ist meine Wahrnehmung nicht viel mehr so geschwächt, dass ich die Schreie unserer Zeit kaum noch mit einem gebenden Herzen vernehmen kann?

Wirkmächtige Worte 

Da Geben und Empfangen nur zwei Seiten einer Medaille sind, lohnt es sich, auch einen Blick auf die zweite Seite dieses Evangeliums zu werfen. Mein Herz kann ich nur gebend dem anderen hinhalten, wenn mir selbst Gottes Mitgefühl und Gnade widerfahren sind. So ist der Aussätzige kein fremder Notleidender mehr, sondern Jesus lädt mich ein, mich ganz persönlich immer wieder mit dem zu identifizieren, der hören darf: „Ich will – werde rein!“ Dieses Wort bezeugt den Willen Jesu, die Krankheit und das Dunkel wegzunehmen. Er lässt sich berühren von dem, was ich ihm erzähle und im Gebet zu ihm bringe.

Atemberaubende Wunder sind nicht der Kern von Jesu Wirken. Es geht vielmehr um die Taten und die Umkehr hin zu Gott, die daraus folgen. So bin ich eingeladen, aus der Begegnung mit Jesus heraus und nach seinem Beispiel mein Herz den Menschen hinzuhalten. Echtes Mitgefühl für meinen Nächsten lerne ich tagtäglich neu bei Jesus. Wenn ich selbst dieses Aufrichten im Handeln Jesu erfahren habe, dann kann ich gar nicht anders, als immer wieder hinauszugehen und den zu preisen, der an mir Großes getan hat.

Text unter der Lupe

Levitikus 13, 1–46
1 Korinther 10, 31–11, 1
Markus 1, 40– 45
Zu den Lesungen des 6. Sonntags im Jahreskreis 2024 (Lesejahr B)

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