Unabhängig und selbstbestimmt

Katholischer Kurs in Richtung Zukunft: „Die Tagespost“ gehört jetzt der Naumann-Stiftung – und damit quasi sich selber

Johann Wilhelm Naumann, Gründer der „Tagespost“. Foto: DT
Johann Wilhelm Naumann, Gründer der „Tagespost“. Foto: DT

Eine ältere Dame in jungen Händen: Kurz vor ihrem 70. Geburtstag hat „Die Tagespost“ den Besitzer gewechselt. Die 1948 gegründete katholische Zeitung gehört jetzt der 2010 ins Leben gerufenen Johann Wilhelm Naumann Stiftung. Bis 1993 war der Johann Wilhelm Naumann Verlag, in dem die Zeitung erscheint, im Besitz der Familie des Gründungsverlegers Naumann. 1993 dann wurde der Verlag von der Echter-Gruppe, einem katholisches Verlagshaus in Würzburg, gekauft. Mit der Übernahme der Anteile von Echter durch die Naumann Stiftung gehört „Die Tagespost“ sich jetzt quasi selber. Denn die Stiftung kirchlichen Rechts wurde gegründet, um die katholische Publizistik im Allgemeinen und „Die Tagespost“ im Besonderen zu unterstützen.

Den Vorsitz der Stiftung hat Dr. Norbert Neuhaus inne. Der ehemalige Trierer Vizebürgermeister und frühere Generalsekretär von „Kirche in Not International“ ist heute als Unternehmensberater international tätig. Er sieht die Übernahme der Anteile als Gewinn für die Unabhängigkeit der Zeitung. „Die Tagespost muss sich wirtschaftlich selbst tragen – das ist die Herausforderung –, aber gleichzeitig eröffnet es der Redaktion die Chance, die Zeitung weiter zu profilieren. Die Stiftung ist dabei der Garant der Unabhängigkeit; denn es geht der Stiftung nicht um Erträge und Gewinne, sondern darum, dem katholischen Standpunkt im pluralistischen Meinungsgewirr eine hörbare Stimme zu geben, die öffentlich wahrgenommen wird“, so Neuhaus.

„Die Zeiten, wo die Stimme der Kirche in der Gesellschaft gehört, geschätzt oder zumindest ernsthaft wahrgenommen und erwogen wurden, scheinen vorbei zu sein. Bis weit in die Kreise der Gläubigen hat sich eine Verunsicherung und Unschärfe des Denkens breitgemacht. Die Begriffe sind nicht mehr klar, ja es ist gleichsam das Bestreben des herrschenden Dekonstruktivismus, oder wie Papst Benedikt ihn nannte: der Diktatur des Relativismus, die Begriffe auszuhöhlen und mit neuen Inhalten zu füllen“, gibt Neuhaus zu bedenken. „So steht draußen zum Beispiel ,reproduktive Gesundheit‘ drauf, aber innen entpuppt sich das Ganze als Förderung der Abtreibung, ein Ausdruck der ,Zivilisation des Todes‘ (Papst Johannes Paul II). Augenblicklich erleben wir dasselbe mit der Umwertung des Begriffs der Ehe mit einem Rattenschwanz von Konsequenzen: Adoptivrecht und Kindeswohl, Leihmutterschaft, Recht auf ein Kind, …. bis hin zum Abstammungsrecht.“ Hier, so Neuhaus weiter, seien katholische Intellektuelle und Journalisten gefordert, die Begriffe wieder klarzustellen, die Tendenzen und ihre Hintergründe zu benennen, Alternativen aufzuzeigen. „Hier ist es die Aufgabe einer Zeitung, diesen Vordenkern eine öffentliche Plattform zu bieten und sie miteinander zu vernetzen. Uns geht es dabei um eine Debattenkultur, die sich von den heutigen Kampagnen deutlich absetzt, die leider eher auf Stimmungsmache als auf die Schärfe des Arguments setzt.“

An der Linie der Zeitung ändert sich durch den Eigentümerwechsel nichts, betont Neuhaus. „Das Markenzeichen der nun fast 70-jährigen Tagespost ist es, katholisch und romtreu zu sein und die Freiheit des Denkens mit den Werten und Grundsätzen des katholischen Glaubens zu verbinden. Dabei ist die Verbundenheit mit dem jeweiligen Papst, als dem Nachfolger Petri, ein Muss. Auch steht die Zeitung fest hinter dem Grundsatz, den gerade Papst Benedikt hochgehalten hat: Ecclesia semper reformanda est; aber diese Reform ist nicht die eines revolutionären Bruches, sondern die des Continuums, im Einklang mit der Tradition und dem Lehramt seit Urbeginn.“

Mit der Stiftung hat die „Tagespost“, so Neuhaus, einen wohlwollenden Eigentümer. „Hauptzweck der Stiftung ist die Förderung der katholischen Publizistik. Gerade in der heutigen Zeit, die erst am Anfang des digitalen Zeitalters steht, ist das eine wahrhafte Herausforderung. Internet, soziale Medien, Blogs, Twitter und so weiter ermöglichen neue publizistische Zugänge in Wort, Schrift und vor allem Bild, auf die wir uns rechtzeitig einstellen müssen. Für alle Zeitungen ist dies eine große Herausforderung und keine hat bisher das ideale Erfolgsmodell gefunden. Alle experimentieren noch. Das gilt natürlich auch für unsere Zeitung ,Die Tagespost‘ und für den gesamten katholischen Blätterwald.“

Ohne Hilfe von Lesern und Wohltätern geht es aber nicht, ist sich Neuhaus sicher. „Wir hoffen, dass unsere Leser uns bei dem bevorstehenden Transformationsprozess der ,Tagespost‘ die Treue halten werden und aktiv mithelfen, die Abonnentenbasis unserer Zeitung zu erweitern. Dafür brauchen wir engagierte Leser, Mitarbeiter, Autoren und natürlich auch Finanzen.“

Die Stiftung, so Neuhaus, habe schließlich kein großes Stiftungsvermögen. „Bei den heutigen Zinssätzen sind Vermögenserträge sowieso sehr überschaubar geworden. In wilde Aktienspekulationen wollen wir uns nicht begeben. Wir setzen auf die Spendenbereitschaft unserer Leser und die Förderung von allen, die verstanden haben, wie wichtig es gerade in unserer Zeit ist, den katholischen und christlichen Ideen, Standpunkten und Anliegen in Politik und Gesellschaft eine hörbare Stimme zu geben. Wir befinden uns in einer Situation, wo Christliches Minderheit ist. Und da gilt es, zusammenzuhalten und großzügig dazu beizutragen und mitzuhelfen, dass sich die Zeiten auch wieder einmal ändern.“ Historische Beispiele ermutigen Neuhaus dabei. „Mir kommt dabei immer wieder der Grundsatz des heiligen Arnold Janssen, dem Gründer der Steyler Missionare und Patron der katholischen Publizisten, in den Sinn: Wenn wir fünf Prozent zusammen haben, dann fangen wir an! Auf dem Höhepunkt des Kulturkampfes baute er auf, als überall abgebaut wurde. Genau so wollen wir es mit der ,Tagespost‘ machen.“ DT