Der „Königsweg“ zum Papst

Seit 400 Jahren lädt das Bronzetor in den Apostolischen Palast ein. Von Peter Frohn

Das bewachte Bronzetor des Vatikans.
Immer bewacht: Der „Portone di Bronzo“, das Bronzetor des Vatikans. Foto: IN

Von den vielen Eingängen, die in die Vatikanstadt hineinführen, ist der „Portone di Bronzo“, das Bronzetor des Apostolischen Palastes, der wohl eindrucksvollste. Hier sichern, von Pilgern und Touristen millionenfach fotografiert, Hellebardiere der Päpstlichen Schweizergarde den Zugang zur altehrwürdigen Residenz des Heiligen Vaters. Zwar wohnt heute Papst Franziskus im vatikanischen Gästehospiz Santa Marta, doch einen Großteil seiner offiziellen Besucher empfängt er noch immer in den prachtvollen historischen Audienzsälen des Palastes. Und viele Einrichtungen und Büros der Römischen Kurie – wie das Päpstliche Staatssekretariat – haben hier ihren Sitz.

Das Tor war im Pontifikat Pauls V. (1605–1621) entstanden. Giovanni Battista Soria und Orazio Censore hatten es aus einem älteren Tor des Jahres 1400 geschaffen, unter Verwendung von Tempelresten aus der republikanischen Zeit des Römischen Imperiums. Seinen heutigen Standort erhielt es 1663 durch Gian Lorenzo Bernini, der es als Zugang zu der von ihm entworfenen Scala Regia aufstellen ließ. Über die Scala Regia (Königstreppe) begaben sich in früheren Zeiten die Souveräne und Botschafter zur Sala Regia (Königssaal) und zur Sala Ducale (Herzogssaal) des Apostolischen Palastes, wo sie der Papst in feierlicher Audienz empfing. Auch wer die Sixtinische Kapelle zu den Gottesdiensten mit dem Heiligen Vater aufsuchte, musste diesen Weg wählen.

Noch heute gilt das Bronzetor als Hauptzugang der päpstlichen Residenz. Wer bei der Präfektur des Päpstlichen Hauses Karten für die allwöchentlichen Generalaudienzen und die liturgischen Feiern mit dem Heiligen Vater persönlich beantragen und abholen möchte, darf durch diesen imposanten Eingang gehen. 2005 begab sich eine große Anzahl von Menschen durch das Portone di Bronzo, um dem im Palast aufgebahrten Johannes Paul II. ihre Reverenz zu erweisen.

Schon für das Jahr 2000 war eine Restaurierung des Bronzetores erwogen worden, doch mit Rücksicht auf die Feier des „Anno Santo“, des damaligen Heiligen Jahres, hatte man davon abgesehen. Erst sechs Jahre später entschloss man sich, das Vorhaben zu realisieren. Im Oktober 2007 war dann die Restaurierung beendet. In einer Ansprache betonte Benedikt XVI. die Bedeutung des Bronzetores: „Gerade weil es den Zugang zum Haus dessen bezeichnet, den der Herr dazu berufen hat, als Vater und Hirte das ganze Volk Gottes zu führen, nimmt dieses Tor einen symbolischen und geistlichen Wert an. Es durchschreiten diejenigen, die kommen, um dem Nachfolger Petri zu begegnen. Durch es hindurch gehen Pilger und Besucher der verschiedenen Ämter des Apostolischen Palastes.“ Er wünsche sich, „dass sich alle, die durch das Bronzetor eintreten, augenblicklich von den offenen Armen des Papstes willkommen geheißen fühlen“. „Das Haus des Papstes steht allen offen.“

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