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Willkür und Terror in den „befreiten“ Gebieten

Der ukrainischen Führung die Kapitulation zu empfehlen, ist verantwortungslos und makaber. Das belegen die Grausamkeiten in den okkupierten Teilen der Ukraine.
Zwei Jungen schieben Fahrräder vorbei an zerstörte Autos und Wohngebäude in Tschernihiw.
Foto: Michal Burza (ZUMA Press Wire) | Zwei Jungen schieben Fahrräder vorbei an zerstörte Autos und Wohngebäude in Tschernihiw.

Nicht nur bezahlte Putin-Trolle, sondern durchaus auch wohlmeinende Pazifisten argumentieren, die ukrainische Staatsführung solle ein weiteres Sterben verhindern und den blutigen Krieg beenden, indem sie jeden Widerstand gegen Wladimir Putin aufgibt und alle Forderungen des Kremls erfüllt. Eine solche Kapitulation der Ukraine wäre für den Westen und seine wirtschaftlichen Interessen kurzfristig gewiss eine große Erleichterung, langfristig aber eine gefährliche Bestätigung für den Gewaltherrscher im Kreml, dass Völkerrechtsbruch und Aggression sich bezahlt machen. Und für die Ukraine? Eine Kapitulation würde zwar die Kämpfe beenden, nicht aber das Morden.

Die Dunkelziffern sind unvergleichlich höher

Das belegt nun eine Untersuchung der Vereinten Nationen. Die UN-Hochkommissarin für Menschenrechte, Michelle Bachelet, berichtet von den Grausamkeiten, die die russischen Besatzungssoldaten in jenen Gebieten der Ukraine begehen, die nach russischer Diktion „befreit“ wurden. Da ist von Folter und Misshandlung der Kriegsgefangenen die Rede, von gezielten Vergewaltigungen und willkürlichen Verhaftungen von Zivilisten. Mehr als 300 Fälle, in denen Soldaten außerhalb von Kampfhandlungen Personen ermordeten, und 270 Fälle, in denen die russischen Besatzer ukrainische Zivilisten willkürlich verhafteten und nach Russland verschleppten, hat die UN-Menschenrechtsbeauftragte penibel dokumentiert.

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Die Dunkelziffern sind unvergleichlich höher. Manche Beobachter schätzen, dass bereits zwei Millionen Ukrainer nach Russland deportiert wurden. Wozu, unter welchen Bedingungen und mit welchem Ziel, darüber gibt es nur Mutmaßungen. Offensichtlich ist jedoch, dass nicht nur die Kriegshandlungen mörderisch sind, sondern auch die Besatzung. Die Morde, Vergewaltigungen und Verschleppungen in den besetzten – aus russischer Sicht „befreiten“ – Gebieten beweisen, dass es in skandalöser Weise makaber und verantwortungslos ist, der ukrainischen Führung eine Kapitulation zu empfehlen. Weder Soldaten noch Zivilisten dürfen mit einer rechtskonformen oder fairen Behandlung durch die russischen Besatzer rechnen. Mit jedem Kilometer, den die russische Armee vorrückt, wird die Zone der Freiheit kleiner, während das Imperium der Willkür und des Terrors wächst.

Lesen Sie ausführliche Hintergründe zum Krieg in der Ukraine und zur Frage einer möglichen Versöhnung in der kommenden Ausgabe der "Tagespost".

Themen & Autoren
Stephan Baier Russlands Krieg gegen die Ukraine Michelle Bachelet Russische Regierung UNO Wladimir Wladimirowitsch Putin

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