Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Politik

Werteunion fordert von Kirchen offenen Dialog zum Islam

Mit einem offenen Brief an alle bayerischen Bischöfe, der der „Tagespost“ vorliegt, appelliert die unterfränkische Werteunion, die Spaltung der Christenheit in Islambefürworter und Islamkritiker zu überwinden.
Minarett und Kirche
Foto: Ronald Wittek (dpa) | Die Werteunion hat den Eindruck, dass die Spaltung der Christenheit bei der Beurteilung des Islam genauso ausgeprägt sei wie in der Gesellschaft insgesamt.

Der Umgang mit dem Islam bleibt weiterhin eines der vorrangigen Themen für Kirche und Politik. Nun hat sich die Werteunion Unterfranken mit einem offenen Brief, der der „Tagespost“ vorliegt, an alle bayerischen Bischöfe gewandt. Darin appelliert sie, „die Spaltung der Christenheit in ,Islambefürworter' und ,Islamkritiker' zu überwinden“. Dazu sollten die Kirchen einen offenen Dialog für Christen mit den unterschiedlichsten Einschätzungen in Bezug auf den Islam ermöglichen.

Christen beim Islam genauso gespalten wie die Gesellschaft

„Als wert-konservativer Verband innerhalb von CDU und CSU würde die WerteUnion / Konservativer Aufbruch gerne den Input der Kirchen nutzen – gerade bei einem Thema wie dem Islam, der ja auch eine theologische Komponente hat“, heißt es in dem Schreiben. Leider sei der Eindruck entstanden, dass die Spaltung der Christenheit bei der Beurteilung des Islam genauso ausgeprägt sei wie in der Gesellschaft insgesamt.

Kirchen aktuell nicht in der Lage, Orientierung zu geben

„Beide großen Kirchen sind aktuell nicht in der Lage, unserem Land in dieser Frage eine Orientierung zu geben“, so der Sprecher des unterfränkischen Zusammenschlusses konservativer Unionspolitiker, Christian Steidl. Die Aussagen verschiedener Kirchenvertreter zum Islam seien oft widersprüchlich. Die einen orientierten sich am Heiligen Johannes von Damaskus, dem emeritierten Papst Benedikt XVI. und der päpstlichen Hilfsorganisation „Kirche in Not“. Die anderen würden das II. Vatikanische Konzil sehr wörtlich nehmen und Kardinal Marx und Papst Franziskus als Vorbilder ansehen. Bei der Diskussion des Islam sollten jedoch nicht nur ethische Leitsätze, sondern auch die Bibel und die Realität der letzten 1 400 Jahre in die Überlegungen mit einfließen.

Abschließend erklärt sich die Werteunion offen, „bis Ende 2019 die Erkenntnisse zusammenzutragen und dann mit politischen Parteien, bürgerlichen Gruppierungen und linken Aktivist_*Innen ins Gespräch zu kommen“.

DT/mlu

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen. Kostenlos erhalten Sie die aktuelle Ausgabe

Themen & Autoren
Bischof CDU CSU Christian Steidl Islamkritiker Kirche in Not Papst Franziskus Reinhard Marx Synoden

Weitere Artikel

Ein Buch mit Texten des Generalpriors Robert Prevost sagt viel über das geistliche Rüstzeug aus, mit dem er heute als Papst die Kirche führt.
16.05.2026, 15 Uhr
Guido Horst

Kirche

Populismus schlecht, Migration gut? Auf diese Klischees will Bischof Erik Varden sich nicht einlassen. Ein Segen!
28.09.2026, 11 Uhr
Sebastian Ostritsch
Die katholischen Bischöfe treffen sich zu ihrer traditionellen Herbstversammlung. Die Gesprächsthemen reichen von AfD bis Kirchenreformen. Gewählt werden neue Kommissionsvorsitzende.
28.09.2026, 08 Uhr
Leo XIV. ruft in Lourdes eindringlich zur Umkehr auf. Und verteidigt die Stimme der Kirche im öffentlichen Diskurs des laizistischen Frankreichs.
27.09.2026, 13 Uhr
Regina Einig