Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung München

Wehrbeauftragter Bartels begrüßt Rabbiner und Imame im Militär

In der Bundeswehr sollen Muslime und Juden in Zukunft von eigenen Seelsorgern betreut werden. Für den Wehrbeauftragten des Bundestages, Hans-Peter Bartels, eine längst überfällige Entscheidung.
Wehrbeauftragter Bartels für Militärrabbiner und -imame
Foto: Soeren Stache (dpa) | Der Wehrbeauftragte Bartels würde sich wünschen, dass Militär-Rabbiner und -Imame auch bei der ethischen Bildung im Rahmen der Inneren Führung mitarbeiteten

In Zukunft sollen Juden und Muslime in der Bundeswehr von eigenen Seelsorgern betreut werden. Hans-Peter Bartels, der Wehrbeauftragte des Bundestages, hatte sich seit Jahren dafür eingesetzt und begrüßt nun die Entscheidung des Verteidigungsministeriums. Andere Armeen hätten längst Lösungen gefunden, meint der 57-Jährige im Gespräch mit der „Süddeutschen Zeitung“, und verweist etwa auf das Bundesheer in Österreich, das zwei Militärimame beschäftige. „Insofern wurde es wirklich Zeit, dass es bald Seelsorger für muslimische Soldaten in der Bundeswehr gibt.“

Keine zentralen Ansprechpartner auf muslimischer Seite

Die Pläne des Verteidigungsministeriums sehen vor, muslimische Geistliche vertraglich an die Bundeswehr zu binden – im Gegensatz zu den beiden christlichen Kirchen und der jüdischen Glaubensgemeinschaft, die einen Staatsvertrag geschlossen haben. Hier weist Bartels darauf hin, dass eine andere Lösung rechtlich kaum möglich gewesen wäre, weil es auf muslimischer Seite keinen zentralen Ansprechpartner gebe.

Des Weiteren würde sich der aus Kiel stammende SPD-Politiker wünschen, dass Militär-Rabbiner und -Imame auch bei der ethischen Bildung im Rahmen der Inneren Führung mitarbeiteten, „so wie es die katholische und die evangelische Militärseelsorge mit großen Verdiensten schon lange tun“. An die muslimischen Soldaten in der Bundeswehr seien die jüngsten Beschlüsse jedenfalls ein Zeichen: „Ihr gehört dazu, ganz ausdrücklich!“

Offiziell 1 500 muslimische Soldaten in der Bundeswehr tätig

Offiziell sind 1 500 muslimische Soldaten in der Bundeswehr tätig – bei gut 180 000 aktiven Soldaten eine recht geringe Zahl. Bartels betont, dass es sich jedoch lediglich um Schätzungen handele, da niemand seine Religionszugehörigkeit angeben müsse. Viele Soldaten hätten auch zu den christlichen Kirchen keine Bindung mehr. „Und den Trend zur Säkularisierung gibt es bei Soldatinnen und Soldaten mit Migrationshintergrund wohl genauso“, meint der Wehrbeauftragte.

DT/mlu

Die Hintergründe zu diesem Thema finden Sie in der Wochenausgabe der Tagespost.

Themen & Autoren
Maximilian Lutz Bundeswehr Deutscher Bundestag Evangelische Kirche Hans-Peter Bartels Militärseelsorge Muslime Rabbiner Seelsorgerinnen und Seelsorger

Weitere Artikel

Lange stand die Bundeswehr nicht mehr so sehr im Fokus der Aufmerksamkeit. Aber wie sieht es innerhalb der Truppe aus?
17.05.2024, 13 Uhr
Roger Töpelmann
Die Bundeswehr bekommt eine neue strategische Ausrichtung. Aufgabe der Militärseelsorge ist es, das Menschliche zu behaupten, wo es bedroht ist, schreibt der Essener Bischof Overbeck.
29.04.2026, 21 Uhr
Franz-Josef Overbeck
.... vereint sozialen Auftrag und Weinbau – und wird in diesem Jahr 450. Der katholische Geist des Gründers Fürstbischof Julius Echter lebt noch heute. Auch dank Seelsorger Bernhard Stühler.
19.09.2026, 05 Uhr
Elisabeth Hüffer

Kirche

Paris bereitet dem Papst einen begeisterten Empfang. Das zeigt: Die Kirche in Frankreich ist lebendiger als gedacht.
30.09.2026, 21 Uhr
Guido Horst
Gott vergibt, die Natur nicht. Warum das Zeugnis der Kirche für die Würde des Menschen in bioethischen Fragen unverzichtbar ist.
30.09.2026, 06 Uhr
Stefan Rehder
Ausgerechnet Hamburgs Erzbischof Heße soll künftig die DBK-Kommission für Familie, Jugend und Erziehung leiten. In seinem Erzbistum tobt ein erbitterter Streit um genau diese Themen.
29.09.2026, 14 Uhr
Sina Alsayed