Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Gastkommentar

Von Putin enttäuscht

Viele konservative Europäer sahen in Putin einen Hoffnungsträger. Mit dem Angriffskrieg fliegen Putins Propagandalügen auf.
Putins Machtergreifung erfolgte vor fast 23 Jahren
Foto: dpa | Wladimir Putin wird immer wieder unterstellt mit Desinformation und Propaganda gegen die Einigkeit Europas zu kämpfen.

Putins Machtergreifung erfolgte vor fast 23 Jahren mittels des von ihm selbst durch geheimdienstliche Manipulationen ausgelösten zweiten Tschetschenien-Krieges, dem mehr als hunderttausend Menschen zum Opfer fielen. Schon zu Beginn seiner Präsidentschaft wurde sein Regime in ganz Rußland immer brutaler. Von den Menschenrechtlern, mit denen ich damals zusammenarbeitete, wie Molly Riffel, Natalja Estemirowa, Anna Politkowskaja oder Boris Nemzow, lebt kein einziger mehr – sie fielen mysteriösen Attentaten zum Opfer, die nach aller Wahrscheinlichkeit vom Kreml ausgingen. 89 europäischen Politikern, die solche Vorgänge kritisierten, erteilte Putin persönlich 2015 ein bis heute andauerndes Einreiseverbot – darunter auch mir.

Lesen Sie auch:

Zersplitterung Europas

Wenn der Kremlherrscher in den letzten beiden Jahrzehnten ganz offen über seine beiden wichtigsten Ziele sprach – Zersplitterung Europas und Errichtung einer erneuerten UdSSR namens „Eurasische Union“ –, glaubten ihm weite Teile des westlichen Establishments nicht, selbst als er 2014 völkerrechtswidrig die Krim annektierte und oberflächlich getarnte Soldaten in die Ostukraine entsandte.

Immerhin hat sich das Europaparlament seit Jahren für die Menschenrechtskämpfer in Rußland, für die Freiheit des ukrainischen Volkes und gegen die Abhängigkeit Europas vom russischen Energieriesen Gazprom positioniert. Putin'sche Subversion fraß sich aber tief in unsere Gesellschaft ein – in Politik, Sport, Kulturleben und Wirtschaft. Links- und Rechtsextremisten wurden gleichermaßen finanziert, wenn sie nur nationalistisch oder zumindest anti-europäisch agierten. Selbst unter enttäuschten Christen gelang es Moskau, den Präsidenten als Vorkämpfer christlicher Werte darzustellen.

Mit dem umfassenden Angriffskrieg auf die Ukraine sind Putins Propagandalügen nunmehr für alle sichtbar aufgeflogen.


Der Autor ist Präsident der Paneuropa-Union Deutschland und Beauftragter im CSU-Parteivorstand für Mittel- und Osteuropa.

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Themen & Autoren
Bernd Posselt Russlands Krieg gegen die Ukraine Paneuropa-Union Russische Regierung Wladimir Wladimirowitsch Putin

Weitere Artikel

Der russische Autokrat sieht die Bürger seines Landes als homogenen Volkskörper, der im Gleichklang mit dem Führer zu handeln und zu denken hat. 
12.08.2026, 11 Uhr
Stephan Baier
Präsident Aleksandar Vučić will seine Macht weiter ausbauen. Dazu wagt er eine riskante Volte, die man sonst eher aus Russland kennt.
17.10.2026, 07 Uhr
Stephan Baier
Donald Trump hat das Vertrauen in die Führungsmacht USA versenkt. Neue Allianzen zeichnen sich ab.
16.09.2026, 11 Uhr
Stephan Baier

Kirche

Vier Tage nach seiner Operation wird Leo XIV. wieder aus der Klinik entlassen. Und tritt am Sonntag beim Angelus in Erscheinung. Für die Lateinamerika-Reise geben Ärzte grünes Licht.
19.10.2026, 08 Uhr
Sabine Kleyboldt
Zehn Jahre „Amoris laetitia“: Der DBK-Vorsitzende lobt die „hohe Kunst des Zuhörens“ beim Treffen in Rom und nimmt die Erkenntnis mit, dass sich die Kirche weiterentwickelt.
16.10.2026, 11 Uhr
Meldung
Spricht sich Jesus gegen die Steuer für den Kaiser aus, droht ihm die Todesstrafe. Noch heute gewichtet die Kirche politische und gesellschaftliche Fragen oft zu hoch.
17.10.2026, 21 Uhr
Lothar Wehr
Mätressenherrschaft, Intrigen, Machtgier: Die Jahre zwischen 882 und 1046 stehen für eine schwere Zeit in der Papstgeschichte. Fünfte Folge der Reihe zu den Leo-Päpsten.
19.10.2026, 07 Uhr
Dirk Weisbrod