Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Wien

Verbrieftes Recht auf Abtreibung?

Die Lebensrechtsbewegung „Jugend für das Leben“ kritisiert Österreichs Bundeskanzleramt.
Österreichs Regierung wegen Stellungnahme zu Abtreibung in der Kritik
Foto: Peter Endig (dpa-Zentralbild) | Die Stellungnahme des Bundeskanzleramts bekräftigt, dass es in Österreich (anders als in Deutschland) keine bundesweiten Statistiken zur Abtreibung gibt.

Die christliche Lebensrechtsbewegung „Jugend für das Leben“ kritisiert das österreichische Bundeskanzleramt wegen einer Stellungnahme zur Bürgerinitiative „fairändern“, welche sich für eine bessere Unterstützung ungeborener Kinder und ihrer Mütter einsetzt. In einer aktuellen Stellungnahme des Bundeskanzleramtes heißt es wörtlich: „Gleicher Zugang zu den Leistungen des Gesundheitswesens setzt voraus, dass in dem Bundesland in allen öffentlichen Schwerpunktkrankenhäusern die Möglichkeit des Schwangerschaftsabbruches gegeben ist. Die Entscheidungsfreiheit der Frauen, ein gesetzlich verbrieftes Recht in Anspruch zu nehmen, muss unabhängig vom Wohnort gewährleistet sein.“

Lesen Sie auch:

Bei jedem Schwangerschaftsabbruch stirbt ein kleiner Mensch

Die Pressesprecherin der „Jugend für das Leben“, Myroslava Mashkarynets, zeigt sich davon „zutiefst schockiert“. Ihre Bewegung könne mit der Aussage, Abtreibung sei ein „verbrieftes Recht“ nicht einverstanden sein, weil bei jedem Schwangerschaftsabbruch ein kleiner Mensch stirbt. Abtreibungen seien in Österreich verboten, aber unter gewissen Voraussetzungen straffrei.

Die Stellungnahme des Bundeskanzleramts bekräftigt, dass es in Österreich (anders als in Deutschland) keine bundesweiten Statistiken zur Abtreibung gibt, „weil die Kosten lediglich bei medizinisch begründeten Abbrüchen von den Krankenkassen getragen werden“. Anonym würden Abtreibungen stattfinden, „um weiteren Druck auf Frauen zu vermeiden“. Wörtlich: „Die Selbstbestimmung der Frau über ihren Körper ist dabei ein wesentlicher Faktor.“
Das von der ÖVP geführte Bundeskanzleramt betont auch den „non-direktiven“ Charakter der Beratung in Schwangerschaftskonflikten. Der Berater müsse „den Ratsuchenden eine freie Entscheidung ermöglichen“. Und weiter: „Da sich diese Begleitmaßnahme zur Fristenlösung bewährt hat, besteht kein Grund von dieser Form der Schwangerenberatung abzugehen.“

Die „Jugend für das Leben“ sieht darin einen „Widerspruch zum aktuellen Regierungsprogramm“. Darin wurden zwischen den Koalitionspartnern ÖVP und Grüne „verbesserte Maßnahmen zur besseren Unterstützung von werdenden Müttern“ vereinbart. Das Bundeskanzleramt solle seine Stellungnahme überarbeiten, fordert die „Jugend für das Leben“.

DT/sba

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen. Kostenlos erhalten Sie die aktuelle Ausgabe

Themen & Autoren
Redaktion Bundeskanzleramt Gesundheitssystem Lebensrechtsbewegung Schwangerschaftsabbruch Österreichische Volkspartei

Weitere Artikel

Damit die ungeborenen Kinder und Schwangere in Not nicht vergessen werden: Am 28. Dezember organisiert ALfA Gebetsabende, 1000plus macht in der Schweiz eine Wallfahrt.
22.12.2025, 16 Uhr
Meldung

Kirche

Am Beschluss des Heiligen Jahres in der Ewigen Stadt nahm eine vielköpfige Pilgergruppe der Initiative „Neuer Anfang“ und der „Tagespost“ teil. Ein Wallfahrtsbericht.
12.01.2026, 16 Uhr
Thomas Philipp Reiter
Nur eine geeinte Kirche kann ein „Licht“ für die Völker sein. Auf der Suche nach der verlorenen Einheit hat der Papst mit den Kardinälen angefangen. Und vor den Diplomaten spricht er Tacheles.
09.01.2026, 11 Uhr
Guido Horst
Bei der letzten Sitzung der Synodalversammlung in Stuttgart geht es um Bilanz, Reformperspektiven und den Übergang zur Synodalkonferenz. Ob Rom dem Gremium zustimmen wird, ist weiterhin offen.
09.01.2026, 14 Uhr
Meldung
Die Kardinalsversammlung in Rom ist ohne Ergebnisse oder neue Ideen zu Ende gegangen. Dem Papst ging es darum, das Band der Einheit zu stärken. Aber viele fehlten.
09.01.2026, 10 Uhr
Guido Horst