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US-Studie: Junge Priester konservativer als ältere

Eine neue Studie in den USA belegt einen Wertewandel im Klerus. Katholische Priester, die nach 2000 geweiht wurden, sind eher konservativ, berichtet der National Catholic Register.
Priesterkragen
Foto: David-Wolfgang Ebener (dpa) | Jüngere Priester vertreten konservativere Ansichten als ältere Priester, fand jüngst eine Studie in den USA heraus.

Die im November veröffentlichte Studie „Survey of American Catholic Priests“ (SACP) habe 1036 katholischen Priestern in den Vereinigten Staaten 54 Fragen gestellt, wie der National Catholic Register berichtet. Wenn das Ergebnis in einem kurzen Fazit kurz zusammengefasst werden sollte, so sei „ein beachtlicher konservativer Wandel unter den US-Priestern im Laufe der beiden letzten Jahrzehnte zu verzeichnen – gekoppelt mit einer Wende zum Pessimismus über den gegenwärtigen Zustand und den Entwicklungsverlauf der katholischen Kirche in Amerika“, schreibt einer der drei Forscher der Studie.

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Politisch konservativ

Im Hinblick auf ihre politischen Ansichten hätten sich die befragten Priester im Vergleich zu den Umfrageteilnehmern von 2002 wesentlich mehr als „konservativ“ bezeichnet. Zudem stieg die Prozentzahl derer, die junge Priester für „sehr viel konservativer“ als ältere Priester halten, von 29 Prozent im Jahr 2002 auf 44 Prozent in der aktuellen Studie.
Die Forscher kontaktierten Ende 2020 die befragten Priester über zwei voneinander unabhängige E-Mail-Listen, von denen die eine vom Official Catholic Directory (dem offiziellen katholischen Verzeichnis), die andere von einer nicht näher bezeichneten „katholischen NGO“ stamme. Trotz der jeweils kleinen Stichprobengröße seien die Befunde ihrer Untersuchung „auf beruhigende Weise miteinander vergleichbar“, sagten die Autoren, auch in Bezug auf die Befragung von 2002.

Einer der Mitautoren der Studie, Brad Vermurlen von der University of Texas in Austin, schrieb in einem Artikel, dass die Forscher eine „relativ konservative Kohorte von Priestern, die vor 1960 geweiht worden waren“ feststellten, denen „permissiver oder liberaler eingestellte Männer“ folgten, die in den Sechziger und Siebziger Jahren zum Priester geweiht wurden. „Nach den freizügigen Kohorten gibt es eine kontinuierliche Bewegung hin zu konservativeren Ansichten bei jeder einzelnen aufeinanderfolgenden Kohorte. Katholische Priester, die seit dem Jahr 2000 geweiht wurden, sind tendenziell die konservativsten“, konstatierte Vermurlen. Die Priester der letzten Befragung seien im Vergleich zu der Umfrage von 2002 weniger für weibliche Diakone und die Priesterweihe von Frauen gewesen und hätten sich seltener für das Konzept verheirateter Priester ausgesprochen.

Sehr zufrieden

Obwohl die heutigen Priester etwas weniger wahrscheinlich das Priestertum verließen als 2002, sei die „Lebenszufriedenheit“ der Priester insgesamt jedoch niedriger – sie sei von 72,1 Prozent der Priester von 2002, die sagten, sie seien „sehr zufrieden“ mit ihrem Leben als Priester, auf 62 Prozent bei der aktuellen Umfrage gesunken. „Im selben Zeitraum, in dem die Priester auf verschiedene Weise konservativer wurden, hat ihre Einschätzung des gegenwärtigen Zustands der katholischen Kirche in Amerika eine pessimistische Wende genommen, wobei eine Mehrheit der Priester jetzt sagt, dass die Dinge in der Kirche ‚nicht so gut‘ seien – und dies gilt für das gesamte politische Spektrum“, bemerken die Wissenschaftler, von denen zwei an der University of Texas in Austin tätig sind.

Im Hinblick auf orthodoxe katholische Ansichten seien die Priester bei der jetzigen Umfrage ein wenig mehr der Ansicht gewesen, dass der Glaube an Jesus Christus „der einzige Weg zum Heil“ sei als die Priester im Jahr 2002, doch innerhalb der unterschiedlichen politischen Überzeugungen habe es deutliche Unterschiede gegeben. „Unter den Priestern, die sich als ‚sehr liberal‘ bezeichneten, waren fast 40 Prozent ‚überhaupt nicht einverstanden‘ mit der Aussage, dass der einzige Weg zum Heil im Glauben an Jesus Christus liege. Am anderen Ende des Spektrums sagten 82 Prozent der ‚sehr konservativen‘ Priester, dass sie dieser Aussage ‚nachdrücklich zustimmen‘“, heißt es im National Catholic Register.

Sicht auf die Sünde

In Bezug auf die katholische Moral legten die Wissenschaftler den Befragten sechs Handlungen vor, die die Kirche für sündhaft hält und fragten nach der Einstellung der Priester dazu. Die angesprochenen Handlungen waren: nicht-ehelicher Sex, Abtreibung, Empfängnisverhütung bei Ehepaaren, homosexuelles Verhalten, Suizid zur Leidensminderung und Masturbation. „Die Wissenschaftler folgerten, dass Priester im Jahr 2021 eher als ihre Mitbrüder von 2002 meinten, dass jede dieser sechs Handlungen sündhaft sei“.

Nach ihrer Zustimmung zu Papst Franziskus befragt, gaben die in den letzten Jahren geweihten Priester an, dass sie eher weniger damit einverstanden waren, wie Papst Franziskus seine Aufgaben wahrnehme. „In der letzten Kohorte der Priester, die 2010 oder auch später geweiht wurden, stimmten nur 20 Prozent Papst Franziskus ‚stark‘ zu und fast die Hälfte (49,8 Prozent) waren entweder ‚ein wenig‘ oder ‚überhaupt‘ nicht einverstanden“, fanden die Wissenschaftler heraus.

Postchristliche Gesellschaft

In Bezug auf die pessimistische Einstellung unter den Priestern vermuten die Forscher, dass ein Grund „das geistliche und moralische Leben der katholischen Laien“ sein könnte. Sie hätten festgestellt, dass nur 22 Prozent der Priester berichteten, dass die meisten der Laien, denen sie begegnet seien, die Lehren der Kirche über moralische Fragen etwa in Bezug auf Sexualität lebten, was einen Rückgang der 30 Prozent von 2002 darstelle.

Darüber hinaus hätten die Wissenschaftler eine „schwierige ‚postchristliche‘“ Gesellschaft sowie die Auswirkung der sexuellen Missbrauchskrise als vermutliche Triebfeder für die gesenkte Moral angeführt. DT/ks

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