L'Eliana

Priester sind bessere Menschen, als medial dargestellt

In der Filmbranche wird das Wirken katholischer Priester oft realistischer dargestellt als in den Medien. Hier wird auch das Gute gewürdigt, das die Amtsträger der Kirche für Menschen und die Gesellschaft tun, abseits von Missbrauch oder auch skandalträchtigem Verhalten einzelner.
Privataudienz: Papst Benedikt XVI. empfängt Pater Pablo Dominguez
Foto: Stiftung Infinito | Pablo Domínguez, hier mit Papst Benedikt XVI., bewegt durch sein priesterliches Vorbild Menschen bis heute. Juan Manuel Cotelo hat ein dokumentarisches Portrait des tödlich verunglückten Priesters gedreht, das jetzt ...

Auf den ersten Blick mag es angesichts der Berichterstattung in den Medien zwar überraschen. Die Darstellung von katholischen Priestern im Film – auch im 21. Jahrhundert – fällt dennoch überwiegend positiv aus. Sicher: Es lassen sich leicht Spielfilme über pädophile Geistliche anführen, von Almodóvars „Schlechte Erziehung“ (2004) über Gerd Schneiders „Verfehlung“ (2014) und Pablo Larraíns „Der Club“ (2015) bis zu François Ozons regelrechter Anklage gegen Kardinal Barbarin von Lyon „Grâce a Dieu“ („Gelobt sei Gott“, 2019).

Die positiven Eigenschaften

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Dazu kommen außerdem Filme, die allgemeiner vom „seelischen Missbrauch“ durch katholische Geistliche handeln – so nannte Regisseur Dietrich Brüggemann eine allgemein „strenge religiöse Erziehung“, als er seinen Spielfilm „Kreuzweg“ (2014) auf der Berlinale 2015 vorstellte. Aber selbst Tom McCarthys „Spotlight“ (2015), der Film, der sich mit der Entdeckung sexuellen Missbrauchs durch katholische Priester in Chicago auseinandersetzt, die ja zum Rücktritt Kardinal Laws sowie zu einer Prozesslawine führte, gerät keineswegs zu einer plakativen Darstellung. „Spotlight“ konzentriert sich vielmehr auf die journalistische Recherchearbeit und liefert eine komplexe Antwort auf die Frage, wie ein so schwerwiegendes Verbrechen von der Öffentlichkeit weitestgehend unbemerkt geschehen konnte.

Steht aber nicht sexueller Missbrauch im Mittelpunkt, so zeichnet sich das filmische Bild eines katholischen Priesters durch positive Eigenschaften aus. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts porträtiert „Casomai – Trauen wir uns?!“ (Alessandro D'Alatri, 2002) einen italienischen Priester, der dem berühmten Don Camillo in Sachen Schalkhaftigkeit in nichts nachsteht. Volker Schlöndorffs „Der neunte Tag“ (2004) schildert eine wahre Begebenheit aus dem Leben des im KZ Dachau inhaftierten Luxemburger Priesters Henri Kremer, der den Einflüsterungen der Gestapo widersteht. Im Kino sind Priester nicht nur Täter, sondern auch Opfer, etwa in „Glaubensfrage“ (John Patrick Shanley, 2008), bei dem ein charismatisch und lebensfroh wirkender Geistlicher verdächtigt wird, einem jungen Schüler „zu viel Aufmerksamkeit“ zu widmen. In „Am Sonntag bist Du tot”, einem irischen Film mit dem bezeichnenden Originaltitel „Calvary“ (John Michael McDonagh, 2013), erhält ein katholischer Pfarrer, der mit engelsgleicher Geduld auf die Agnostiker und Atheisten auf der Insel zugeht, eine Morddrohung.

Anthony Hopkins als Exorzist

In Clint Eastwoods „Gran Torino“ (2008) versucht ein sympathischer, hilfsbereiter und um das Seelenheil seiner Gemeinde besorgter junger Priester immer wieder, den Protagonisten zur Beichte zu bewegen. Er bleibt dem Zuschauer ebenso in bester Erinnerung wie der Geistliche in Terrence Malicks „To The Wonder“ (2012), der seine Zweifel am eigenen Glauben dadurch überwindet und eine echte Umkehr erfährt, dass er an die „Randgebiete“ geht. Kurz, aber eindringlich: die Grabrede eines Pfarrers im französischen Film „Zu Ende ist alles erst am Schluss“ (2014). Das Geheimnis ihrer Wahrhaftigkeit: Sie wurde von einem echten Geistlichen geschrieben, so Regisseur Jean-Paul Rouve.

Damit bewahrheitet sich die alte Kino-Weisheit: Die besten Drehbücher schreibt das Leben. War schon die von Anthony Hopkins im Spielfilm „The Rite – Das Ritual“ (Mikael Häfström, 2011) dargestellte, an Pater Gabriele Amorth angelehnte Figur eines Exorzisten eindrucksvoll, so übertrifft sie der „echte“ Amorth in dem 68-minütigen Dokumentarfilm „The Evil & Father Amorth“ („Der Teufel und Pater Amorth“, 2018), der bei den Internationalen Filmfestspielen Venedig außer Konkurrenz gezeigt wurde.

Ein außergewöhnliches Priesterleben

Ein Dokumentarfilm, der zwar bereits 2010 uraufgeführt wurde, aber erst jetzt auf Deutsch vorliegt, stellt ebenfalls das Leben eines außergewöhnlichen katholischen Priesters in den Mittelpunkt. Dessen Filmtitel „Der letzte Gipfel“ bezieht sich auf den letzten Berg in Spanien, den der 42-jährige Priester Pablo Domínguez noch nicht bestiegen hatte – gerade bei dessen Besteigung stürzte er 2009 er ab, und starb. Der Titel besitzt aber auch eine metaphorische Bedeutung im Sinne des „Aufstiegs auf den Berg Karmel“ des Johannes vom Kreuz. Denn im Rückblick stellt sich Domínguez' Leben als ein „sich Bereitmachen zur gottgewirkten Einigung“ – so der Kirchenlehrer in der Einführung zu seinem Werk – dar. Bezeichnend sind in dem Zusammenhang die Stellen im Film, in denen vom Tod die Rede ist.

Juan Manuel Cotelo lernte Pablo Domínguez bei einem Vortrag kennen. Als der Geistliche starb, porträtierte ihn Cotelo in dem Dokumentarfilm. Bis dahin hatte er als Regisseur einen Spielfilm gedreht und als Schauspieler vorwiegend in Fernsehserien gearbeitet. „Der letzte Gipfel“ war gleichsam der Beginn seiner Tätigkeit als Dokumentarfilmer. Inzwischen hat der spanische Filmemacher mehrere Dokumentarfilme gedreht, die bereits auf Deutsch erschienen sind: „Mary's Land“ (2013), „Footprints – Der Weg Deines Lebens“ (DT vom 19.04.2018) und „Das größte Geschenk“ (DT vom 17.10.2019), allesamt Filme, die über den christlichen Glauben, ja mehr, die über ein Leben mit und in Gott als Weg zur Versöhnung und letztlich zum Glück erzählen.

„Es war schlicht und einfach Neid!“

 

Zur Entstehung von „Der letzte Gipfel“ führt Cotelo in einem Interview vom November 2011 aus: „Ich besuchte einen Vortrag von Pablo Domínguez. Danach sprach ich mit ihm eine Minute lang. Ich fand ihn nett – mehr nicht. Er starb zwölf Tage nach dieser Begegnung. Weil ich seinen Vortrag aufgenommen hatte, begann ich, über ihn zu recherchieren. Ich hatte so viel Gutes von ihm gehört, dass ich es nicht geglaubt hatte. Denn ich dachte, niemand könne so gut sein. Ich habe vier oder fünf Interviews über ihn geführt, und dann fiel der Groschen: Das Problem war ich, das Problem waren meine Vorurteile! Ich glaubte es letztlich nicht, weil ich nicht glauben konnte, dass auch ich genauso gut sein könnte wie er. Es war schlicht und einfach Neid!“

Anhand von zwei verschiedenen Interview-Arten – in den einen befragt er Menschen auf der Straße, was sie von Priestern halten beziehungsweise, wie sie sich einen Priester vorstellen, in den anderen spricht der Filmemacher mit Menschen, die Pablo Domínguez gut kannten – zeichnet Juan Manuel Cotelo das Leben eines katholischen Priesters nach, der „sich in den Dienst desjenigen stellte, der gerade mit ihm zu tun hatte“, so Cotelo. Das ist es, was Pablo Domínguez so anziehend machte, und was „Der letzte Gipfel“ erzählt.


„Der letzte Gipfel“, Regie: Juan Manuel Cotelo, Spanien 2010, 82 Minuten. Online-Premiere: Samstag, 26. Dezember um 20.15 Uhr. Anschließend Filmgespräch mit dem Regisseur.

Der Film kann außerdem ab dem 2. Januar regulär gestreamt werden. Tickets für die Premieren: www.derletztegipfel.com, 7,50 EUR.

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