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US-Katholiken kritisieren Trumps Erweiterung der Todesstrafe

Die Pläne der US-Regierung, für Hinrichtungen auf Bundesebene neue Methoden zuzulassen, stoßen bei Katholiken auf Kritik. Die Änderungen sollen ab dem 24. Dezember gelten. Vor der Amtseinführung Bidens sollen noch fünf Häftlinge hingerichtet werden.
Protest gegen Hinrichtung von Häftling Reed in Texas
Foto: Nick Wagner (Austin American-Statesman) | Die US-Bischöfe plädierten in der Vergangenheit mehrfach für ein Ende der Todesstrafe in den USA. Im Bild: Proteste gegen die Hinrichtung von Rodney Reed.

Mehrere führende US-Katholiken haben die Entscheidung der Regierung von US-Präsident Donald Trump kritisiert, die Methoden zur Durchführung der Todesstrafe auf Bundesebene auszuweiten. Krisanne Vaillancourt Murphy, Leiterin des „Catholic Mobilizing Network“ erklärte: „Der Vorstoß der Regierung, auf den letzten Drücker Erschießungskommandos und zusätzliche Hinrichtungsmethoden einzuführen, ist ein Schlag ins Gesicht eines Landes, das sich von der Praxis der Todesstrafe abwendet.“ Zudem sprach sie von „einem weiteren offenen Affront gegenüber der Würde des Lebens“. 

Brachiale Gewalt in Mentalität der Regierung

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Nach Ansicht der Ordensschwester Helen Prejean, eine langjährige Aktivistin gegen die Todesstrafe, zeugten die Pläne von der „gefühllosen, brachialen Gewalt in der Mentalität der Trump-Regierung“. Trump glaube, er könne „Macht ausüben und Menschen töten. Er könne Gewalt anwenden und Stärke zeigen, um sein Anliegen zu unterstreichen.“ Doch jene Hinrichtungen müssten nicht durchgeführt werden.

Das US-Justizministerium hatte Ende November angekündigt, für Hinrichtungen auf Bundesebene all jene Methoden zu erlauben, die in den einzelnen Bundesstaaten gelten würden, in denen die Strafe verhängt worden war. Die Änderung soll zum 24. Dezember in Kraft treten. Die Pläne der Trump-Regierung sehen auch vor, dass Richter anderer Bundesstaaten die Todesstrafe verhängen können, wenn diese in dem Staat gesetzlich nicht erlaubt sei, in dem das Verbrechen begangen worden sei. 

Derzeit verhänge noch 30 US-Bundesstaaten die Todesstrafe. Eine Exekution per tödlicher Injektion  ist dabei die gängigste Hinrichtungsmethode. Einzelne Staaten verwenden aber auch Gas, den elektrischen Stuhl oder Erschießungskommandos. Dem „Death Penalty Information Center“ zufolge, das die Tötungsarten der einzelnen Bundesstaaten dokumentiert, sind Erschießungen in drei Bundesstaaten rechtlich zulässig.

Katechismus erklärt Todesstrafe als "unzulässig"

Die Trump-Regierung plant, noch vor der Vereidigung des künftigen Präsidenten Joe Biden am 20. Januar fünf Häftlinge hinzurichten. Zuletzt kam es im Jahr 1889 vor, dass Verurteilte zwischen einer Präsidentschaftswahl und der Amtseinführung des Nachfolgers hingerichtet wurden. 

Die US-Bischöfe plädierten in der Vergangenheit mehrfach für ein Ende der Todesstrafe in den USA und riefen die Trump-Regierung dazu auf, als „Zeuge der Würde allen menschlichen Lebens“ zu handeln. „Die Todesstrafe ist nicht notwendig, um die Gesellschaft zu schützen“, so die Bischöfe. Die Entscheidung, jemanden nicht hinzurichten, auch wenn er etwas Schreckliches getan habe, sei kein Zeichen von Nachlässigkeit gegenüber Verbrechen, vielmehr zeuge es von „Stärke gegenüber der Würde des Lebens“.

Mit einer Änderung des Katechismus im Jahr 2018 erklärte die katholische Kirche die Todesstrafe als „unzulässig“. In Paragraf 2267 heißt es seitdem, dass die Todesstrafe in Anbetracht des Evangeliums unzulässig ist, da diese einen Angriff auf die Unverletzlichkeit und die Würde des Menschen“ darstellt.  DT/mlu

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