Kiew

Ukraine ist von Papst Franziskus enttäuscht

Kiew bestellt den Apostolischen Nuntius ein: Die Äußerungen des Papstes zum Tod von Dugina lösen Widerspruch aus.
Papst Franziskus - Generalaudienz
Foto: Gregorio Borgia (AP) | Ohne Duginas Namen zu nennen, hatte Franziskus bei der Generalaudienz am Mittwoch gesagt: „Ich denke an eine arme Frau, die in Moskau durch eine Bombe unter dem Sitz ihres Autos in die Luft flog.

Die ukrainische Regierung ist von Papst Franziskus enttäuscht. Der Papst habe „seit dem Beginn der groß angelegten Invasion der Russischen Föderation in der Ukraine den konkreten Opfern des Krieges, darunter 376 ukrainischen Kindern, die durch die Hand der russischen Besatzer starben, nie besondere Aufmerksamkeit geschenkt“, sagte der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba gegenüber europäischen Medien.

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Das Fass zum Überlaufen brachte aber offenbar eine Äußerung von Franziskus zum Tod der regimetreuen russischen Journalistin Darja Dugina, einer Tochter des nationalistischen Ideologen Alexander Dugin. Ohne ihren Namen zu nennen, hatte Franziskus bei der Generalaudienz am Mittwoch gesagt: „Ich denke an eine arme Frau, die in Moskau durch eine Bombe unter dem Sitz ihres Autos in die Luft flog. Die Unschuldigen bezahlen für den Krieg.“ Kuleba meinte dazu nun: „Wir haben das vollständige Zitat von Papst Franziskus sorgfältig geprüft und beschlossen, den Apostolischen Nuntius einzuberufen, um die Enttäuschung der Ukraine zum Ausdruck zu bringen.“

Dugina war „Ideologin des Imperialismus“

Zuvor hatte sich der ukrainische Botschafter am Heiligen Stuhl, Andrej Jurasch, enttäuscht gezeigt, weil der Papst Dugina als unschuldiges Opfer bezeichnete. Sie sei vielmehr eine „Ideologin des Imperialismus“. Tatsächlich hatte die Tochter Alexander Dugins den russischen Eroberungskrieg in ihrer publizistischen Arbeit offensiv unterstützt. Sie bezeichnete die Ukrainer pauschal als „Unmenschen“.

Auch der bis 2016 amtierende, ehemalige Botschafter Polens am Heiligen Stuhl, Piotr Novina-Konopka, widerspricht dem Papst. In einem offenen Brief schreibt der Diplomat, er verstehe nicht, warum Dugina als „unschuldiges Opfer“ bezeichnet werde. „Diese junge Person, und nicht nur ihr Vater, wurde zum Anführer von Menschen, die den Krieg suchten und den Ukrainern ihre nationale Selbstbestimmung, ihre Unabhängigkeit, ihre Freiheit nehmen wollten“. Aktive Ideologen könnten nicht als „unschuldige Opfer“ bezeichnet werden, auch wenn kein Terroranschlag eine richtige Reaktion sei.  DT/sba

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