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Kardinal Claudio Gugerotti: Der Mann, der den Osten kennt

Franziskus hat den ehemaligen Nuntius und Fachmann für die orientalischen Kirchen sehr geschätzt. Aber noch weitere Pluspunkte sprechen für den italienischen Kurialen.
Kardinal Claudio Gugerotti
Foto: IMAGO/ALESSIA GIULIANI (www.imago-images.de) | Kardinal Claudio Gugerotti bringt gleich mehrere Eigenschaften mit, die ihn für das Papstamt empfehlen.

Auch Kardinal Claudio Gugerotti führen viele auf ihrem Zettel der Papst-Kandidaten, weil der 69-jährige Italiener, der bis zum Tod von Franziskus Präfekt des Dikasteriums für die Ostkirchen war, sicherlich zu den Kuriengestalten gehört, die sich der verstorbene Papst als seinen Nachfolger vorstellen konnte.

In Verona geboren und 1982 zum Priester geweiht, studierte er zunächst Orientalische Sprachen und Literatur in Venedig, dann Liturgie an der Benediktiner-Hochschule in Rom, lehrte später Patristik und Armenische Sprache und Literatur unter anderem an der Päpstlichen Universität Gregoriana und entschied sich dann nicht für eine weitere akademische Lehre, sondern wurde Diplomat des Heiligen Stuhls. Der „Überflieger“ erhielt früh schon die Bischofsweihe – unter anderem von Kardinal Robert Sarah –, weil er zwischenzeitlich noch unter Johannes Paul II. Untersekretär der Kongregation für Ostkirchen war.

Gespür für die Kirche des Ostens

Franziskus mochte nicht nur Straßenpriester, sondern auch Apostolische Nuntien, er hörte sie gerne und kümmerte sich um sie. Für die Diplomaten des Vatikans richtete der verstorbene Papst sogar eine dritte Sektion im vatikanischen Staatssekretariat ein. Und als Nuntius diente Gugerotti auf exponierten Posten. Johannes Paul II. noch schickte ihn nach Georgien, Armenien und Aserbaidschan, Benedikt XVI. nach Belarus und in die Ukraine, Franziskus schließlich 2020 nach Großbritannien, von wo er ihn 2022 zurückholte und an die Spitze der Vatikanbehörde für die orientalischen Kirche stellte. Damit wurde der anerkannte Experte für Theologie und Liturgie östlicher Kirchen gleichzeitig auch Großkanzler des Päpstlichen Orientalischen Instituts in Rom. Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte ihm 2020 noch den Verdienstorden dritten Grades der Ukraine verliehen.

Ein facettenreicher Experte

Mit dieser facettenreichen Karriere bringt Gugerotti gleich mehrere Eigenschaften mit, die ihn für das Papstamt empfehlen: Er ist ein Mann der Kurie, die sich danach sehnt, wieder mit einem Papst zusammenarbeiten zu können, der sie respektiert und einbindet. Zudem kennt er eines der großen Krisengebiete am Rande Europas wie seine Westentasche: die Ukraine und andere Staaten in der Region. Er beherrscht die Sprachen dieser Länder und kennt sich mit den entsprechenden kirchlichen Hierarchien aus.

Zudem ist er ein Mann östlicher Liturgien, was den Papstwählern wichtig sein könnte, denen Kult und Gottesdienst wichtige Anliegen sind. Gugerotti stünde nicht für einen Bruch mit dem Pontifikat seines Vorgängers und würde eine gewisse Kontinuität zum Ausdruck bringen. Und er ist ein liebenswürdiger Italiener, was in Rom nach drei „Ausländern“ als Papst inzwischen alles andere als ein Nachteil ist.

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