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Über Helden, Schuld und Schulden

Am Tag vor der Abstimmung im Bundestag werden Gegner des Schuldenpaktes zu „Helden“ stilisiert. Sind sie das?
Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger
Foto: IMAGO/B. Lindenthaler (www.imago-images.de) | Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger hat die Chance, zur Lichtgestalt für alle diejenigen zu werden, die den Finanzplänen der Regierung in spe einen Strich durch die Rechnung machen wollen.

„Hubsi, rette uns“, schallt als Ruf durch die sozialen Medien. Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger hat die Chance, zur Lichtgestalt für alle diejenigen zu werden, die den Finanzplänen der Regierung in spe einen Strich durch die Rechnung machen wollen. Könnte er über den Bundesrat das Finanzpaket noch blockieren?

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Ein anderer Mann, der noch einmal für kurze Zeit auf der öffentlichen Bühne angestrahlt wird: Mario Czaja, glückloser Ex-CDU-Generalsekretär und eher dem linken Flügel seiner Partei zugeordnet. Er hat angekündigt, morgen nicht für das Paket stimmen zu wollen. Das erlaube ihm sein Gewissen nicht. Aiwanger wie Czaja, übrigens interessanterweise unabhängig davon, wie man sie jeweils vorher politisch eingeschätzt hat, werden nun von der Anti-Schuldenpaket-Front im Netz als Helden gefeiert. Sind sie das? 

Das Bewusstsein bestimmt das Sein

Wir befinden uns mitten in einem Drama. Zur Orientierung deswegen einmal ein Zitat aus einem Drama: „Unglücklich das Land, das Helden nötig hat“, lässt Bertolt Brecht „den kleinen Mönch“ in seinem „Das Leben des Galileo Galilei“ sagen. Für den Marxisten Brecht war klar: „Das Sein bestimmt das Bewusstsein.“ Sprich: Die gesellschaftlichen Umstände zwingen jemanden dazu, zum Helden werden zu müssen. Das Zitat soll ausdrücken: Glücklicher sind die Länder, die sich in so einer guten gesellschaftlichen Verfassung befinden, dass so ein Heldenmut nicht gebraucht wird.

Nun ist dieses Land aber ganz offensichtlich unglücklich. Und dies erklärt auch die Sehnsucht nach solchen neuen Helden. Aber sind sie wirklich Helden oder nicht eher nur Repräsentanten bestimmter gesellschaftlicher Stimmungsbilder? Sie leihen diesen Meinungsströmen lediglich ihr Gesicht. Besonders heldenhaft ist das nicht, eher schon clever im Sinne einer guten Vermarktungsstrategie. Ein Land, das solche Helden nötig hat, hat tatsächlich Grund, unglücklich zu sein.

Auf das Problem darf man eben nicht durch die Brille des Marxisten Brecht schauen. Für Katholiken muss gelten: Das Bewusstsein bestimmt das Sein. In dieser Krise müssen sich Persönlichkeit und Charakter beweisen. Politische Führung bedeutet nicht, sich einfach in die erste Reihe eines Lagers zu stellen und besonders laut den Mund aufzureißen. Politische Führung heißt, das zu tun, was zu tun ist. Dafür muss man noch nicht einmal ein Held sein, es genügt schon ein Staatsmann.

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