Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Kommentar

Trumps gefährliches Spiel mit dem Rassismus

Es gibt genügend Gründe, Kamala Harris auf der inhaltlichen Ebene zu kritisieren. Dass Donald Trump die Rassismus-Karte spielt, könnte ihm noch schaden.
Donald Trump bei einem Auftritt vor der nationalen Vereinigung schwarzer Journalisten in Chicago
Foto: IMAGO/Eileen T. Meslar (www.imago-images.de) | Jüngst sorgte Trump mit fragwürdigen Äußerungen zur ethnischen Identität der amtierenden Vizepräsidentin für Schlagzeilen.

Für kurze Zeit sah es so aus, als würde Donald Trump im turbulenten US-Wahlkampf einen gemäßigteren Ton anschlagen. Es dauerte jedoch nicht lange, ehe der Präsidentschaftskandidat der Republikaner in den gewohnten „Modus Attacke“ wechselte. Das mag insbesondere daran liegen, dass er in Person von Kamala Harris im November nun doch eine wesentlich konkurrenzfähigere Kontrahentin zu schlagen hat, als es Joe Biden gewesen wäre.

Lesen Sie auch:

Jüngst sorgte Trump mit fragwürdigen Äußerungen zur ethnischen Identität der amtierenden Vizepräsidentin für Schlagzeilen. Harris, Tochter einer aus Indien stammenden Mutter und eines jamaikanischen Vaters, habe lange ausschließlich mit ihrer indischen Abstammung geworben, jetzt wolle sie „als schwarz wahrgenommen“ werden. „Ich weiß es nicht, ist sie indisch oder ist sie schwarz?“, fragte Trump, wohlgemerkt bei einem Auftritt vor der nationalen Vereinigung schwarzer Journalisten in Chicago. 

Harris bietet Angriffsfläche

Die Behauptungen sind nicht neu: Schon während ihres gescheiterten Wahlkampfes 2020 musste sich Harris gegen Angriffe wehren, sie hebe stets einen anderen Teil ihrer ethnischen Abstammung hervor, um in unterschiedlichen Minderheiten-Milieus Stimmen abzugreifen. Die breite Kritik daran, dass Trump dies nun noch einmal aufwärmt – übrigens auch von Republikanern – ist berechtigt. Denn einerseits hat sich Harris schon immer auch als schwarz identifiziert. Zudem scheint es Trump, ob aus Überzeugung oder taktischem Kalkül, einfach nicht akzeptieren zu wollen, dass Menschen auch einen vielfältigen ethnischen Hintergrund aufweisen können und nicht „nur schwarz“, „nur indisch“ oder auch „nur weiß“ sein müssen. Dass Harris schwarz ist, schließt nicht aus, dass sie sich gleichzeitig auch stark mit ihren indischen Wurzeln identifiziert und diese betont.

Dass Trump die Rassismus-Karte spielt, ist politisch kaum nachvollziehbar und könnte ihm bei der Wahl noch zum Verhängnis werden. Es gäbe so viele Möglichkeiten, Kamala Harris aufgrund ihrer politischen Inhalte anzugreifen und zu stellen. Nur einige Beispiele: ihr hingebungsvoller Aktivismus für sogenannte „reproduktive Freiheit“, sprich für ein möglichst weitreichendes „Recht“ auf Abtreibung; ihre fragwürdige Positionierung gegenüber Glaubens- und Gewissensfreiheit, die insbesondere Katholiken beunruhigen sollte; oder ihre magere Bilanz bei der Bekämpfung der Migrationskrise. 

All das sollte Trump ins Zentrum seiner Strategie gegen Harris stellen. Wenn die Republikaner sie dagegen aufgrund ihrer ethnischen Herkunft, ihres Geschlechts oder – wie auch bereits geschehen – aufgrund ihrer Kinderlosigkeit attackieren, könnte das Harris die Stimmen eben jener moderaten und unentschlossenen Wähler einbringen, die beide Kandidaten bräuchten, um sich im November durchzusetzen. 

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Themen & Autoren
Maximilian Lutz Donald Trump Joe Biden Kamala Harris Rassismus

Weitere Artikel

In der Hochphase hatte der links-progressive Konformismus Medien und Kulturbetrieb fest im Griff. Heute sei die Linke dabei, sich neu auszurichten, sagt Zeit-Journalist Ijoma Mangold.
18.09.2026, 17 Uhr
Benjamin Leven
Wenn der US-Vize strategisch vorgeht, sollte er 2028 einem anderen Republikaner den Vortritt lassen. Denn die nächste Wahl findet unter verschärften Bedingungen statt – gerade für Vance.
06.08.2026, 11 Uhr
Maximilian Lutz

Kirche

Paris bereitet dem Papst einen begeisterten Empfang. Das zeigt: Die Kirche in Frankreich ist lebendiger als gedacht.
30.09.2026, 21 Uhr
Guido Horst
Martino Capelli bat die Muttergottes von Guadalupe um das Martyrium. Sein Gebet wurde erhört: 1944 wurden er und ein anderer Priester, Elia Comini, von der SS erschossen.
01.10.2026, 09 Uhr
Claudia Kock
Gott vergibt, die Natur nicht. Warum das Zeugnis der Kirche für die Würde des Menschen in bioethischen Fragen unverzichtbar ist.
30.09.2026, 06 Uhr
Stefan Rehder
Ausgerechnet Hamburgs Erzbischof Heße soll künftig die DBK-Kommission für Familie, Jugend und Erziehung leiten. In seinem Erzbistum tobt ein erbitterter Streit um genau diese Themen.
29.09.2026, 14 Uhr
Sina Alsayed